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KEITH HARING

Pop Art

Pop Art entwickelte sich in den 60iger und 70iger Jahren und steht für "popular art", das heißt,  es wurde für ein Massenpublikum geschaffen und es sollte das Alltagsleben wiederspiegeln. Es ist keine Seltenheit, dass in dieser Kunstform oft Comics, Strassenbilder, oder alltägliche Gegenstände wie Bierdosen in Gemälden und Collagen integriert wurden. Die Materialien, mit denen die Künstler arbeiteten war schier unerschöpflich. Es wurde quasi jedes Material, von Ton bis Acryl, von Lack bis Öl und jeder Gegenstand, wie Schallplatten, Aludosen oder Postkarten in die Bilder integriert. Auch Broadway Shows, Live Shows in diversen Szene Clubs und spontane Kunst (z.B. Keith Harings U-Bahn Zeichnungen) waren keine Seltenheit in der Pop Art.
Pop Art beeinflusste nicht nur nachfolgende Künstler, sondern hatte auch eine weitreichende Wirkung auf Werbespots, Grafik und Modedesign.
Diese Kunstform fing aber erst als eine Reaktion gegen den expressionistischen
Werbung
Stil von 1940 und 1950 an, denen die Künstler des Pop Art als übermäßig subjektiv und sich von der Wirklichkeit abwendend betrachteten.
Die Pop Art versucht das alltägliche Leben widerzuspiegeln. Die Künstler geben dem Betrachter eine Vorstellung der Wirklichkeit wieder, was sie persönlicher macht und dem Betrachter die Möglichkeit bietet, seinem Objekt direkt zu antworten, also sprich, der Zuschauer hat die Möglichkeit sich seine eigene Meinung zu bilden und kann selbst entscheiden ob das Gemälde, die Skulptur oder die Vorstellung Kritik an die Gesellschaft ist oder nur Satire.
Pop drückt das Lebensgefühl einer ganzen westlichen Generation aus, den Glauben an den technischen Fortschritt und an den Kapitalismus.
Entstanden ist die Pop Art in den großen Metropolen, wie Mailand, San Francisco, aber vor allem New York und London.  Obwohl viele wesentliche Impulse der Künstler und der Ausstellungen von London ausgingen, manifestierte sich die Pop Art vor allem In New York.
Ein Hauptfaktor, weswegen sich die Pop Art in New York manifestierte war aber auch der "American way of life" (das amerikanische Lebensgefühl), der sich nach dem zweiten Weltkrieg von Amerika aus rund um den Globus ausbreitete und sogar vor kommunistischen Ländern und vor Entwicklungsländern nicht halt machte.

Einleitung:

Keith Haring wurde am 4. Mai 1958 in Pensylvania geboren und starb am 16. Februar 1990 an Aids.
Haring stand für die neue Generation von Amerikaner, nicht nur weil er im Jahr des Raumzeitalters geboren wurde, sondern auch, weil er mit den Comics von Walt Disney aufgewachsen ist. Ausserdem sieht er sich selbst als ein Produkt des Raumfahrtzeitalters.
Er hatte eine sehr kurze, dafür aber eine sehr produktive Karriere, in der er eine neue populäre Kunst schuf.  Diese neue Kunst ging weit über das Erbe der Pop Art hinaus, indem er die Kunst der Strasse und die Kultur miteinander vereinte.
Die Impulse in seinen Werken waren die 80er Jahre und alles was sie bewegte; die Raumfahrt; Unfälle in Atomkraftwerken; Videospiele und japanische Roboteranimationen; Disco- und Rap Music; Sex und Drogen.

Keith Harings Schaffensperiode:

Keith Harings Schaffensperiode kann man in 3 Phasen unterteilen:

1.) In der ersten Phase schuf er eine Synthese aus der Kunst der Strasse und der Clubszenen.
2.) In der zweiten Phase schuf er Pop Art Variationen des Neo-Expressionismus, gleichzeitig entstanden aber auch unzählige öffentliche Wandbilder auf  U-Bahnen und auf Werbeplakate, alle in Comicstil.
3.) Die dritte Phase beschreibt seine letzten Lebensjahre, in denen er erfahren muste, dass er an Aids erkrankt ist. Seine Bilder waren nicht nur Quintessenz seiner künstlichen Ambitionen, also sprich sein Hauptaspekt seines zielgerechten und strebsamen Handeln und Denken, sondern sie zielten auch auf die Gesellschaft und waren wütende Auseinandersetzungen mit seinem bevorstehenden Tod.

Haring am Anfang:

Harings Leben war geprägt von LSD, Nightlife und Rap Music. Er experimentierte sehr oft mit LSD und versuchte diese Droge auch in seinen Bildern wiederzubringen aber, er machte auch Versuche im LSD-Rausch zu malen. Dabei hatte er eine Vision eines strukturierten Universums, die ihn nicht mehr los ließ.
Trotzdem hatte Haring schon am Anfang, bevor er diese Vision hatte, ein tiefes Gespür für seinen Stil, der einzigartig war und auch noch einzigartig ist, und sein Markenzeichen wurde. Er war überzeugt, dass Kunst am Besten ist, wenn sie spontan ist, wie sie bei Comics, aber vor allem bei Kindern ist.

Zu Harings Anfangzeiten war der Kunstmarkt einfach tot. Also beschloss er auf die Strasse zu gehen, weil es viel mehr aufsehen erregte und einfach populärer war (man spricht von einer alternativen Szene; und obwohl viele junge Künstler Harings Beispiel folgten und ihre Kunst auch auf der Strasse vermarkten versuchten, schaffte es niemand aufsehen zu erregen, wie Haring es tat):
zuerst hängte er nur Papierfetzen auf, und bemalte sie; er bemalte Mauern und fotografierte sie dann; veränderte Werbeplakate; sammelte Überschriften der "New York Post" und verwandelte dann diese zu absurden Postern, die dann billig kopiert wurden und auf öffentlichen Wänden aufgeklebt wurden.

Harings erste Ausstellungen waren in U-Bahnen und in Downtown Manhatten. Aber er stellte vor allem, mit vielen anderen Künstlern in diversen Clubs in New York aus.
Harings U-Bahn Ausstellungen, weisse Kreide auf schwarzem Hintergrund, waren urban-narrativ (weltmännisch-schildernd) und zugleich bestialisch. Man konnte seine U-Bahn Ausstellung aber nicht als eine in sich geschlossene Ausstellung betrachten, sondern sie zog sich durch das ganze U-Bahn Netz von New Yyork, und sogar noch darüber hinaus. Das sonderbare dabei war aber, das sie nicht vergänglich war. Werbeplakate oder ähnliches, hatte in der U-Bahn keine lange Lebensdauer. Harings Zeichnungen aber überlebten und es schien als wären sie unzerstörbar, obwohl es eigentlich nur weiße Kreide auf schwarzem Hintergrund war.
Kurze Zeit nach seiner U-Bahn Ausstellung hatte er seine erste Einzelausstellung (1980/81). Und gleich darauf wurde er zusammen mit Jean-Michel Basquiat als Künstler der 80er gepriesen.

Die "Times Square Show" war der Beginn einer weiteren Phase. Haring malte vermehrt auf Objekte, wie Vinylplatten, Fernsehgeräten, Statuen,..., und er wurde erstmal mit anderen Künstlern verglichen, was aber nicht heißen soll, dass Haring die Strasse verlassen soll und nur mehr in Ateliers und in Ausstellungen seine Kunst zeigen soll. Haring hatte die Strasse nie verlassen und wurde durch seine Kunst auch nie reich.

Harings Bildsprache:

Harings einzigartige und unnachahmliche Bildsprache, entwickelte sich in den U-Bahn Zeichnungen. Man traf fast in ganz New York auf bellende Hunde; Pyramiden; oder auf geöffnete Köpfe, aus deren Schädeldecken kleine Figuren sprangen.
 
 
 
 
 

Obwohl man fast glauben könnte, dass sein Stil seine Kreativität einengte, variierten seine Kompositionen bis ins unermessliche und man bekam den Eindruck, dass seiner Fantasie keine Grenzen gesetzt waren.
Manchmal dominiert eine einzige Figur das Gesamtbild, ein anderes Mal ist ein Vielzahl von Ereignissen zu sehen. Aber am auffallendsten ist, dass seine Strichmarkierungen jede freie Fläche seiner meisten Bilder füllten.
Seine Arbeiten waren und sind auch heute noch immer wie Erzählungen oder Stimmungen, ohne das sie eine bestimmte Botschaft vermitteln. So hat er auch selbst seine Bilder interpretiert:
"Die Symbole, erklären sich selbst und sind überaus einfach, aber ihre        Kombination, die Art, wie sie zusammenstehen oder einander ausschließen, widerspricht sich manchmal. Es gibt keinen klaren Verlauf von A nach B, so wenig wie alles immer die selbe Bedeutung hat. Mir ging es mehr um die Idee, wie sie auch bei William Burroughs Cut-up-Technik zum Ausdruck kommt: Viele verschiedene Gedanken existieren gleichzeitig. Wie in einem Traum macht das eine Sinn und das andere nicht, und doch bildet beides zusammen Realität ab."

Seine Zeichnungen aus dem Jahre 1982 bemühten sich einer anderen Kultursymbolik: nämlich die der Technologie und der Hip-Hop Tänze. In dieser Zeit kann man eine brillante Mischung des Techno-Primitivismus (=vereinfacht dargestellt) in seinen Bildern beobachten. Diese brillante Mischung besteht aus kleinen Männchen, die mit rythmischen Bewegungen und akrobatischen Verdrehungen, den damals sich entwickelnden und zur Hip-Hop Kultur nicht wegzudenkenden Break-Dance symbolisieren sollen.
Diese einzigartige Bilderwelt Harings ist auch ein Echo der Hip-Hop Musik, die er hörte und die sich wiederum mit Sience-Fiction Szenarien, Superhelden, Kung Fu, Karate, alte TV-Kultserien und von japanischen Spielzeugrobotern beeinflussen ließ, wie es auch Haring tat.

Aber was Haring besonders auszeichnete, war, dass er ein Liebhaber der Pop-Welt für Kinder war und dies auch deutlich zum Ausdruck brachte, indem er unzählige Workshops in Schulen, in Kinderdörfern und auf der Strasse für Kinder veranstaltet.
Als an Haring 1987 AIDS diagnostiziert wurde, schien es so als hätte er noch eine Aufgabe zu vollenden, eine Botschaft der Menschheit zu übermitteln. Haring malte Tag und Nacht, und es hatte fast den Anschein gehabt, als würde er nach etwas krampfhaft suchen, ohne eigentlich selbst genau zu wissen was es war.
Zu dieser Zeit, also in den letzten 3 Jahren, entstanden seine stärksten Arbeiten. Sie sprachen indirekt oder direkt von seinem bevorstehenden Tod, haben aber nie die Sprache des Pops und vor allem die der Kinder verloren, was wahrscheinlich seine größte und wertvollste Gabe war. Er konnte mit einfachsten Mitteln, mit minimalsten Aufwand über seine Gefühle, über seinen bevorstehenden Tod sprechen, ohne dabei seine Beziehung zu seiner Welt, zu der, der Kinder zu verlieren.
Was aber am wichtigsten in dieser Zeit war, war, dass einige seiner Werke Aufrufe zu öffentlichen Aktionen waren, wie die unten abgebildeten Bilder zeigen.
 
 
 
 

Haring wurde in seinen letzten Jahren auch oft mit dem internationalen Neo-Expressionismus in Verbindung gebracht, was er aber nie wollte, und sich strikt dagegen wehrte:
"Ich versuche, mich mehr an einer typisch amerikanischen Einfachheit zu orientieren, wie der eines Stuart Davis oder der Pop-Art. Ich habe wenig Berührungspunkte mit der europäischen Kunst. Vielleicht werden deren Inhalte mehr vom kulturellen Erbe der Europäer bestimmt, und die amerikanische Kunst und Kultur sind nicht so sehr von Inhalten überfrachtet und plastischer, aber das kann durchaus ein Vorteil sein..."
 
 

Keith Hairng "American Beauty" (Quelle: David Frankel):

Harings Werke hatten sehr starke, kommunikative Kräfte, wobei an erster Stelle eine nicht unbedingt explizite erotische Kraft stand, und an zweiter Stelle sein Gerechtigkeitssinn.
Keith Harings Gerechtigkeitssinn war tief in seiner Persönlichkeit verankert und hatte 3 Quellen:
1.) Er hatte seine Jugend und Kindheit in einer amerikanischen Kleinstadt verbracht, weit weg vom Großstadtrummel und deren Krimminalität.
2.) Er verstand sich als Schwuler und als Künstler als Ausenseiter, der abseits des Mainstream (Hauptstrom) stand.
3.) Sein ausgeprägter Gleichgerechtigkeitssinn war auch Erbe der Wertvorstellungen der 60iger Jahre.

Keith Haring war ein Künstler, der bei seinen Arbeiten sowohl seinen Körper als auch seinen Verstand einsetzte. Als Student sagte er einmal:" Das geht in Richtung auf ein Kunstwerk, das Musik, Performance, Bewegung, Konzept, Handwerk und eine Realaufzeichnug des Vorgangs in Form eines Gemäldes umfasst."

Energie:

Energie muss für Haring ein Schlüsselbegriff gewesen sein, denn in all seinen Reden und Schriften klingt dieser Begriff als Refrain an.
Haring verkörperte die Energie in seinen Bildern zum Beispiel durch Bewegungsmarkierungen (Comics) oder durch die gerade Linien um die Schnauze seiner Hunde, die das Bellen anzeigen sollen, also sichtbar gemachte akkustische Vibrationen sind.
Wahrscheinlich sein bekanntestes Motiv, dass für Energie steht, ist das kleine pummelige, krabbelnde Baby, dass für Leben, Energie, Glück und für die positiven Seiten der Menschheit steht. Aber auch für die Verletzbarkeit des Menschen und grenzenloser Freiheit.
 

Nachwort:

Seit 1990 wurden ca. 1300 Werke von Keith Haring auf Auktionen gehandelt, doch bei der breiten Bevölkerung wurde er erst durch die Eröffnungen seiner Pop-Shops, in denen man Skulpturen, bedruckte T-Shirts und andere Dinge des Künstlers erwerben kann, berühmt.