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Sprache

 

Kommunikationsmittel des Menschen, gekennzeichnet durch die Verwendung arbiträrer (willkürlicher) gesprochener oder geschriebener Symbole mit festgelegter Bedeutung. Sprache lässt sich definieren als Zeichensystem zum Zweck der Kommunikation. Im weitesten Sinn werden neben den so genannten natürlichen Sprachen auch künstliche Sprachen (wie beispielsweise Programmiersprachen in der EDV oder Welthilfssprachen) sowie die Kommunikationsmittel der Tiere dazu gerechnet. Semiotik. Einige Linguisten betrachten die Sprache als Form des Denkens und der Kognition.

Die Frage, wie viele Sprachen auf der Welt gesprochen werden, lässt sich nicht exakt beantworten. Die Angaben schwanken zwischen 3 000 und 5 500 Einzelsprachen. Naturgemäß ist es schwierig, Dialekte von Sprachen zu unterscheiden, da die Übergänge oft fließend sind. Im Übrigen hängt die Antwort auch davon ab, welche Kriterien man bei der Klassifizierung der Sprachen anwendet. Bei vielen Sprachen sind die Verwandtschaftsverhältnisse noch nicht geklärt, und es besteht bei verschiedenen Sprachwissenschaftlern keine Einigkeit über die Zuordnung zu Sprachfamilien.

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Forschungsansätze

Bei der Untersuchung von Sprache stehen drei Gesichtspunkte im Vordergrund: Sprachverwendung sowie Funktion und Struktur. Wissenschaftler verschiedenster Fachbereiche zeigen Interesse an der Sprachverwendung, darunter Literaturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Rhetorik, Soziologie, Politikwissenschaft und Psychologie. Unter dem Aspekt der Sprachverwendung wird untersucht, was Menschen sagen, wie sie ihre Gedanken ausdrücken und was sie mit dem meinen, was sie sagen. Eingeschlossen sind Inhaltsanalyse und Literaturkritik, Untersuchungen der Sprachgeschichte und der Bedeutungsänderung der Wörter sowie die Beschreibung der sozialen Faktoren, die das Sprachverhalten bestimmen. In der traditionellen Rhetorik steht im Vordergrund, wie Sprache das Verhalten beeinflussen kann. Für Literaturwissenschaftler bildet Sprache die Basis für die Analyse literarischer Texte. Für den Lexikographen ist Sprache ein Bestand an Wörtern, zu dem auch Bedeutung, Ursprung und Geschichte der Wörter gehören. Sprache ist auch die spezifische Art der Auswahl und Zusammenstellung von Wörtern, die für einen einzelnen Menschen, eine Gruppe oder ein literarisches Genre typisch ist.

Natürliche Sprachen weisen ein außerordentlich hohes Maß an Komplexität auf. Demgemäß entstanden viele verschiedene Ansätze bei der Definition von Sprache. Eine Vielzahl von Aspekten spielt dabei eine Rolle, und für die verschiedenen sprachlichen Ebenen haben sich eigene sprachwissenschaftliche Teildisziplinen herausgebildet. Die Phonetik beschäftigt sich mit dem lautlich-artikulatorischen Aspekt von Sprache. Die Phonologie untersucht die Phoneme, die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten einer Sprache. Das Gebiet der Morphologie (Wortbildung) ist die Erforschung der Morpheme als den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten. Die Semantik ist mit der Bedeutung von Sprachäußerungen befasst, die Syntax untersucht die Regeln nach denen Wörter zu wohlgeformten größeren Einheiten (Sätzen) zusammengesetzt werden. Aufgabengebiet der Pragmatik ist die Untersuchung von Sprechhandlungen. Die Textlinguistik setzt sich mit sprachlichen Gebilden oberhalb der Ebene des einzelnen Satzes auseinander. Daneben wird in der Soziolinguistik die Sprache anhand sozialer Faktoren analysiert. In der Psycholinguistik werden die individuellen Aspekte wie Sprachverstehen, Sprachverarbeitung und Spracherwerb erforscht.

Die Linguistik beschäftigt sich mit der Struktur der Sprache. In den verschiedenen Fachgebieten der Linguistik ist Sprache unterschiedlich definiert, und die Forschungsansätze unterscheiden sich je nach der verwendeten Definition. Linguisten, die sich mit Sprache als schriftlicher Kommunikationsform beschäftigen, interessieren sich für die Struktur dessen, was sie "Text" nennen wie Sätze und Satzteile sich zu einem kohärenten (zusammenhängenden) Ganzen zusammenfügen und dafür, wie eine Sprache in eine andere exakt übersetzt werden kann. Im Bereich der maschinellen Übersetzung verarbeiten Computer die enorme Datenmenge, die für derartige Untersuchungen benötigt wird. Die komparative Linguistik versucht, Sprachfamilien, die von einem gemeinsamen Vorläufer abgeleitet sind, zu identifizieren.

 

Tierische und menschliche Kommunikation

Die Erforschung der Sprache als ein Mittel des Ausdrucks oder der Kommunikation beinhaltet notwendigerweise auch die Untersuchung der Gestik und der Laute. Haben Tiere, da sie sowohl eine gewisse Form der Gestik besitzen als auch Laute erzeugen, wie der Mensch eine Sprache? Bestimmte Tierarten scheinen eindeutig zu kommunizieren. Zur Abgrenzung der menschlichen von der tierischen Kommunikation haben jedoch einige Wissenschaftler die folgenden sieben, alleine die menschliche Kommunikation kennzeichnenden Merkmale definiert: 1. Grammatik, Laute und Gestik bilden bei den menschlichen Sprachen getrennte, aber untereinander in Beziehung stehende Systeme. 2. Diese ermöglichen, dass Neues jederzeit mitgeteilt werden kann. 3. Menschen unterscheiden zwischen dem Inhalt der Kommunikation und den zur Vermittlung des Inhalts verwendeten Zeichen. 4. In der menschlichen Kommunikation sind gesprochene Sprache und gehörte Sprache austauschbar. 5. Menschliche Sprache wird für bestimmte Zwecke eingesetzt; mit der Kommunikation wird eine Absicht verfolgt. 6. Der Gegenstand der Kommunikation kann sich auf Vergangenheit und Zukunft beziehen. 7. Kinder lernen die menschliche Sprache von den Erwachsenen, und sie wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Einige neuere, überzeugende Forschungsergebnisse aus Versuchen, bei denen man Menschenaffen die amerikanische Gebärdensprache (American Sign Language, AMESLAN) beibringt, zeigen jedoch, dass einige dieser Merkmale vielleicht doch nicht so typisch für den Menschen sind. Aber auch wenn das Kommunikationssystem Sprache keine ausschließlich menschliche Erscheinung ist, lässt sich doch mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die menschliche Sprache einige einzigartige Kennzeichen besitzt. Menschen setzen aus Zeichen und Grammatikeinheiten, die an sich eigenständige Elemente sind, eine unendliche Anzahl noch nie zuvor gehörter, gedachter, gesprochener oder durch Zeichensprache ausgedrückter Sätze zusammen. Noch bevor sie Grammatikunterricht erhalten haben, bilden Kinder ihre eigenen Sprachregeln aus, indem sie sowohl ihre Sprachfähigkeit als auch die Sprachreize aus der Sprachgemeinschaft, in die sie geboren wurden, verarbeiten.

 

Grundlagen der Sprache

 

Die Existenz der menschlichen Sprache ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Dazu gehören physiologisch-artikulatorische, grammatische (die Sprache muss strukturiert sein) und semantische (der Verstand muss in der Lage sein, die Bedeutung des Gesprochenen zu erfassen).

 

Physiologie

Obwohl sich die meisten der menschlichen Sprechwerkzeuge zu anderen Zwecken (wie etwa Essen) entwickelt haben, sind sie doch so gut zum Sprechen geeignet, dass die menschliche Sprache das wahrscheinlich wirksamste Kommunikationssystem aller Lebewesen ist. Beim Sprechen wird in der Lunge ein Luftstrom erzeugt, der durch Vibrationen (oder das Fehlen von Vibrationen) der Stimmbänder und durch Bewegungen der Zunge, des weichen Gaumens und der Lippen moduliert wird. Der Luftstrom kann durch die Zähne in verschiedenen Abstufungen gehemmt, und er kann in den Nasenraum umgeleitet oder daraus abgehalten werden. Menschen mit physiologisch bedingten Sprach- und Hörstörungen verfügen trotzdem über Sprache, obwohl Erzeugung und Aufnahme der Sprache möglicherweise über ein visuelles System, wie sie Gebärdensprache darstellt, erfolgen müssen.

 

Grammatik

Alle menschlichen Sprachen besitzen eine grammatische Struktur, durch die Lauteinheiten (Signaleinheiten) zu Bedeutungseinheiten verbunden werden. Die kleinsten bedeutungstragenden Lautverbindungen nennt man Morpheme. Ein Morphem kann ein Wort sein, aber auch andere bedeutungstragende Lautverbindungen (wie Präfixe und Suffixe), die keine eigenständigen Wörter sind. Im Wort Anschrift sind z. B. sowohl An als auch schrift Morpheme. Wörter und Morpheme können je nach ihrer Funktion im Satz gemeinsam klassifiziert werden. Zu den Morphemklassen gehören sowohl die Wortarten (wie Substantive und Verben) als auch Präfixe, Suffixe usw. Aus den verschiedenen Wortarten werden Wortgruppen gebildet und die wieder zu größeren Einheiten verbunden den Sätzen oder Äußerungen.

 

Semantik

Schließlich muss der Sprecher einer menschlichen Sprache den strukturierten Lautfolgen eine Bedeutung zuordnen. Dieser Bedeutungsgehalt wird von anderen Sprechern der gleichen Sprache erfasst und verstanden. Man nimmt an, dass bei dem Verfahren, Bedeutung mit Lauten, Wörtern und Sätzen mitzuteilen und die von anderen vermittelte Bedeutung auf die gleiche Weise zu erkennen, die Grammatik als ein Werkzeug dient, um Gedanken oder Vorstellungen mit der Sprache oder mit Signalen zu verbinden. Alle bedeutungstragenden Sätze oder Äußerungen besitzen eine Oberflächen- und eine Tiefenstruktur. Die Oberflächenstruktur bildet die Wörter und Satzelemente, so wie sie gesprochen und ausgelegt werden. Die Tiefenstruktur bildet die grammatische Struktur der Wörter und Satzelemente. Auf dieser Ebene der Tiefenstruktur scheint die Satzstruktur mehrdeutig zu sein. Zwei verschiedene Oberflächenstrukturen können der gleichen Bedeutung zugeordnet werden, und umgekehrt kann die Oberflächenstruktur eines Satzes zwei verschiedene Bedeutungen haben. Die Oberflächenstruktur des Ausdrucks "Die Wahl des Präsidenten war eindeutig" kann sowohl heißen, dass der Präsident eine Wahl getroffen hat, als auch, dass er gewählt wurde. Die Aussage kann unterschiedlich ausgelegt werden, weil hinter der gleichen Oberflächenstruktur zwei verschiedene Tiefenstrukturen stehen. Andererseits sind die Aussagen "das grüne Fahrrad" und "das Fahrrad ist grün" trotz der unterschiedlichen Oberflächenstrukturen auf der Ebene der Tiefenstruktur gleich. Die menschliche Kommunikation ist ein einzigartiger Vorgang, der spezifische Sprechwerkzeuge, grammatische Strukturen sowie einen beabsichtigten und verstandenen Bedeutungsgehalt miteinander verbindet.

 

Die Sprachen der Welt

 

Die Art der Kommunikation durch Sprechen, Gebärden und Signale ist für alle Menschen gleich. Mit jeder menschlichen Sprache kann jeder Gedanke ausgedrückt werden. Trotzdem werden in der Welt zahlreiche Sprachen gesprochen, die sich im Lautsystem und in der grammatischen Struktur sehr weit reichend unterscheiden.

 

Sprachtypologie

Sprachen lassen sich anhand ihrer grammatischen Struktur bzw. ihrer Wortbildungsmuster klassifizieren. Seit dem 19. Jahrhundert versuchen Sprachwissenschaftler, die Sprachen der Welt anhand ihrer Wortbildung (Morphologie) in vier typologische Kategorien einzuteilen: analytische (isolierende), agglutinierende, flektierende und inkorporierende Sprachen. Charakteristisch für analytische Sprachen sind einsilbige Wörter ohne Affixe (hinzugefügte Teile). Die Wörter stehen isoliert für sich. Beispiel für eine analytische Sprache ist das Chinesische. Bei agglutinierenden (vom lateinischen "ankleben" abgeleitet) Sprachen sind Wörter aus Grundelementen, den Wortwurzeln, aufgebaut, die mit einem oder mehreren Affixen (Präfixen am Wortanfang, Infixen in der Wortmitte und Suffixen am Wortende) mit unterschiedlicher Bedeutung versehen werden. Ein Beispiel dafür findet sich im Türkischen mit ev ("Haus"), evde ("im Haus"), evler ("Häuser") und evlerde ("in den Häusern"). Bei den flektierenden Sprachen sind die Wortwurzeln und die hinzugefügten Teile, die allein keine Bedeutung mehr tragen, miteinander verschmolzen. In einer flektierenden Sprache wie beispielsweise dem Lateinischen drückt die Flexionsendung des Verbs verschiedene grammatische Kategorien wie Person und Numerus des Subjekts aus, wie bei fero ("ich trage"), ferimus ("wir tragen") und ferent ("sie tragen"). Bei inkorporierenden (polysynthetischen) Sprachen werden direkte und indirekte Objekte sowie andere Satzelemente mit dem Verb zu einem einzigen Wort verschmolzen (z. B. Grönländisch, Irokesisch).

 

Genetische Klassifikation

Auch wenn zwei Sprachen auf die gleiche Weise Wörter bilden und Satzelemente strukturieren, bedeutet dies noch nicht, dass sie miteinander verwandt sind. Um den Beweis für die Verwandtschaft von Sprachen zu führen, müssen ihre historische Entwicklung und ihre genetische Klassifikation untersucht werden. Bei der genetischen Klassifikation werden anders als bei der typologischen die Laut- und Bedeutungsstrukturen von Sprachen miteinander verglichen, um ihre gemeinsame Abstammung aufzuzeigen. Vergleichbar der Familienähnlichkeit beim Menschen, hängen genetische Ähnlichkeiten verwandter Sprachen nicht davon ab, wo und wann diese Sprachen gesprochen wurden. Die Sprachen in einer Sprachfamilie stehen geschichtlich miteinander in Verbindung und stammen von einer gemeinsamen Vorgängersprache ab. Sprachstammbäume zeigen das Verwandtschaftsverhältnis unter Sprachen auf. Die älteste noch nachweisbare Vorgängersprache bildet in einer graphischen Darstellung auf oberster Ebene die Wurzel der Baumstruktur. Die darunter liegenden Zweige zeigen auf, wie nah oder entfernt verwandt die heute noch existierenden Sprachen einer Sprachfamilie sind. Sprachverwandtschaft zeigt sich darin, dass sich sowohl im Lautbestand als auch im Bedeutungsgehalt regelmäßige Entsprechungen bei den grammatischen Strukturen und im Wortschatz zeigen. Das deutsche Wort Fisch entspricht z. B. dem lateinischen piscis, das englische Wort father (Vater) dem lateinischen pater. Die deutschen und englischen sowie die lateinischen Wörter sind verwandt, d. h. genetisch gesehen weisen sie gleiche Ursprünge auf. Das deutsche f geht auf das lateinische p zurück, das englische th auf das lateinische t usw. Die komparative Linguistik analysiert die Laut- und Bedeutungsentsprechungen (d. h. die verwandten Elemente) der verschiedenen Sprachen und stellt genetische Sprachgruppen auf. Die hypothetischen Ursprachen solcher Gruppen werden durch den Vergleich moderner Sprachen versuchsweise rekonstruiert. (Rekonstruierte Ursprachen werden durch den Begriff Proto- gekennzeichnet, wie in Proto-Indogermanisch.) Die Etymologie beschäftigt sich mit der Herkunft, der Entwicklung und der Verwandtschaft der Wörter.

Sprachfamilien in Europa und Asien

Eine der größten Sprachfamilien ist die indogermanische. Die indogermanischen Sprachen werden weltweit von etwa zwei Milliarden Menschen auf verschiedenen Kontinenten gesprochen. Zu dieser Sprachfamilie gehören die meisten in Europa und Nordindien gesprochenen Sprachen sowie einige Sprachen der dazwischenliegenden Gebiete. Das Indogermanische besteht aus folgenden Unterfamilien: Italisch (sowie die davon abstammenden romanischen Sprachen), Germanisch, Keltisch, Griechisch, Baltisch, Slawisch, Armenisch, Albanisch, Indoiranisch sowie den ausgestorbenen Sprachen Hethitisch (zum anatolischen Zweig) und Tocharisch. Innerhalb der Unterfamilien gibt es weitere Unterklassifizierungen. Deutsch gehört z. B. zum westgermanischen Zweig der germanischen Unterfamilie, Englisch zur anglofriesischen Gruppe des westgermanischen Zweiges. Mit dem Englischen am engsten verwandt ist das Friesische, das heute nur noch in Teilen von Deutschland und den Niederlanden gesprochen wird.

Die indogermanische Sprachfamilie ist nur eine von mehreren Dutzend Sprachfamilien und angenommenen größeren Sprachgruppen. In der Sprachwissenschaft gibt es unterschiedliche Ansätze zur Klassifikation.Was eine Schule als Sprachfamilie definiert, wird von einer anderen möglicherweise als Unterfamilie innerhalb einer größeren Gruppe angesehen.

In Europa gibt es neben der indogermanischen Sprachfamilie noch andere Sprachen. Baskisch ist eine isolierte Sprache, d. h. eine Sprache ohne bekannte Verwandte. Finnisch, Estnisch, Samisch (Lappisch) und Ungarisch sind die westlichsten Vertreter des finnougrischen Zweiges der uralischen Sprachfamilie (zu der auch viele Sprachen des Uralgebiets und Sibiriens gehören). Die altaische Sprachfamilie wird manchmal mit den uralischen Sprachen in einer ural-altaischen Gruppe zusammengefasst (ein Verwandtschaftsverhältnis, das heute allerdings von den meisten Sprachwissenschaftlern bestritten wird). Die Hauptzweige der altaischen Sprachfamilie sind die Turksprachen sowie die mongolischen und mandschu-tungusischenSprachen. Einige nicht miteinander verwandte Sprachgruppen in Sibirien fasst man mit der Regionalbezeichnung paläosibirische Sprachen zusammen. Die kaukasischen Sprachen werden in die nordwestkaukasischen, ostkaukasischen und südkaukasischen Sprachen unterteilt. Die bekannteste kaukasische Sprache ist Georgisch (Südkaukasisch). Viele Sprachen Indiens und seiner nordwestlichen Nachbarn gehören zum indoiranischen Zweig des Indogermanischen. Zwei andere Gruppen die Mundasprachen, die üblicherweise als Zweig der austroasiatischen Sprachen angesehen werden, und die drawidische Sprachfamilie werden von mehr als 80 Millionen Menschen gesprochen. Mehrere hundert Millionen Menschen sprechen die sinotibetischen Sprachen in Südostasien. Die Hauptzweige dieser Sprachfamilie sind das Tibetobirmanische und das Chinesische (das viele chinesische "Dialekte" enthält, die eigentlich eigenständige Sprachen sind). Einige Forscher zählen die Thaisprachen (einschließlich Thai oder Siamesisch) zu dieser Sprachfamilie, andere wiederum vermuten eine unterschiedliche Entwicklungsgeschichte.

Sprachen in Afrika und im pazifischen Raum

Die drei wichtigsten Sprachgruppen im Pazifik sind die malaiopolynesischen Sprachen (austronesische Sprachen), eine Sprachfamilie mit einem westlichen oder indonesischen Zweig und einem östlichen oder ozeanischen Zweig, die Papuasprachen, eine regionale Gruppe in Neuguinea, die mehrere isolierte Sprachen und Sprachfamilien (von denen einige möglicherweise miteinander verwandt sind) umfasst, und die Sprachen der australischen Ureinwohner (die untereinander, aber nicht mit Sprachen außerhalb Australiens verwandt sind). Das ausgestorbene Tasmanisch ist möglicherweise eine vierte Gruppe.

Die Sprachen der hamitosemitischen oder afroasiatischen Sprachfamilie werden im Nahen Osten und in Afrika gesprochen. Sie ist in fünf Sprachzweige aufgeteilt: Semitisch, zu dem Arabisch und Hebräisch gehören, Tschadisch, zu dem das in Westafrika weit verbreitete Haussa gehört, Berberisch, Kuschitisch und (heute ausgestorben) Ägyptisch-Koptisch. In Afrika finden sich drei weitere wichtige Sprachfamilien. Der Hauptzweig der niger-kordofanischen Sprachfamilie sind die Niger-Kongo-Sprachen, zu denen die in Afrika am weitesten verbreitete Gruppe der Bantusprachen gehört (wie Suaheli und Zulu), und das Kordofanische. Die wichtigste Untergruppe der nilosaharanischen Sprachfamilie sind die Chari-Nil-Sprachen, zu deren nilotischen Zweig Sprachen wie das Masai gehören. Zur Familie der Khoisan-Sprachen gehören die Sprachen der San und anderer Völker der Kalahari. Charakteristisch für die Khoisan-Sprachen sind deren Schnalzlaute.

Sprachen in Amerika vor der Kolonialisierung

Die Versuche, die amerikanischen Indianersprachen zu klassifizieren, haben nach herkömmlichen Kriterien zur Einteilung in 150 Sprachfamilien geführt. Freiere Einteilungen fassen sie zu etwa einem Dutzend so genannter Makrogruppen zusammen, eine Kategorisierung, die jedoch durch neuere Untersuchungen in Frage gestellt wird. Sogar mit einem freieren Ansatz lassen sich viele kleine Sprachfamilien nicht in größeren Gruppen integrieren, zudem gibt es eine große Zahl isolierter Sprachen. Entlang der arktischen Küste und in Grönland sprechen die Inuit (Eskimo) das Inupik (eskimo-aleutische Sprachfamilie). Im subarktischen Teil Kanadas finden sich verschiedene athabaskische und die Algonkin-Sprachen. Die vorherrschenden Indianersprachen in den USA östlich des Mississippi sind Algonkin, Irokesisch und Muskogee. Die größte Sprachfamilie der Great Plains ist Siouan, es werden aber auch Caddo- und westliche Algonkin-Sprachen gesprochen. Die Schoschone-Sprachen (uto-aztekische Sprachfamilie) beherrschen das Great Basin und grenzen im Norden an die Sprachfamilie des Sahaptin. An der Nordwestküste finden sich die Sprachfamilien des Salish und Wakash, Tlingit (bei dem man eine Verwandtschaft zu den athabaskischen Sprachen vermutet) und Haida, eine möglicherweise isolierte Sprache. Apache, ein Sprachzweig des Athabaskischen, ist im gesamten Südwesten verbreitet. Daran grenzen in Arizona und Südkalifornien die Sprachfamilie des Yuma und die Pima-Papago-Sprachen (Uto-Aztekisch). In Kalifornien gibt es viele kleine Sprachfamilien, deren Verwandtschaft untereinander stark umstritten ist.

In Mexiko und Mittelamerika sind die uto-aztekische Sprachfamilie (u. a. Aztekisch oder Nahuatl), die oto-mangueanische Makrogruppe (Mixtekisch, Otomí und Zapotekisch) und Sprachfamilien wie Mixe-Zoque, Totonakisch und Tequistlatekisch von Bedeutung. Die Maya-Sprachfamilie besteht aus etwa zwei Dutzend Sprachen mit Millionen von Sprechern.

Abhängig vom wissenschaftlichen Ansatz werden die südamerikanischen Sprachen in etwa 90 Sprachfamilien und isolierte Sprachen oder in drei fast alle Sprachen umfassende Makrogruppen (Oberfamilien oder Gruppen mit möglicher entfernter Verwandtschaft) eingeteilt: Makro-Chibchan, Anden-Äquatorialisch und Ge-Pano-Karib. Die verbreitetsten südamerikanischen Indianersprachen sind Quechua und Aymará, Guaraní und Mapuche oder Araukanisch. In Mittelamerika und im nördlichen Südamerika sind die Makro-Chibchan-Sprachen (wie Guaymi, Páez und Warao) und auch die große arawakische Gruppe (einschließlich Garifuna oder Black Carib, Goajiro und Kampa) von Bedeutung. Zu der von vielen Wissenschaftlern anerkannten Makro-Ge-Gruppe gehören viele in den tropischen Gebieten Brasiliens gesprochene Sprachen.

 

Geographische Klassifikation

Die geographische oder areale Klassifikation von Sprachen ist ebenfalls nützlich. Die areale Klassifikation beruht auf der Untersuchung der gegenseitigen Beeinflussung benachbarter Sprachen. Bei der Analyse des Wortschatzes wie auch der Grammatik benachbarter Sprachgebiete ist häufig festzustellen, dass Elemente einer Sprache in der anderen wiederzufinden sind. Diese regionalen Ähnlichkeiten sind auf Sprachkontakt und Entlehnungen zurückzuführen, die im Laufe der Zeit in Bezug auf Grammatik, Laute und Wortschatz stattgefunden haben. Derartige Interferenzen lassen jedoch nicht unbedingt auf genetische oder typologische Beziehungen schließen.

 

Geschriebene und gesprochene Sprache

Allgemein geht man von der Priorität der gesprochenen vor der geschriebenen Sprache aus, aus verschiedenen Gründen: Erstens folgt historisch gesehen die Entwicklung der Schrift auf die Entstehung der gesprochenen Sprache, zweitens überwiegt rein quantitativ die mündliche Kommunikation vor der schriftlichen, drittens ist der mündliche Gebrauch der Sprache nicht an die Beherrschung von Lesen und Schreiben gebunden. Gibt es von einer Sprache eine gesprochene und eine geschriebene Form, stellt das Schriftsystem häufig nicht alle Einzellaute der Sprache dar, das heißt, es gibt nicht in allen Sprachen eine Eins-zu-eins-Entsprechung von Lauten und Schriftzeichen. Das Schriftsystem einer Sprache kann Zeichen aus dem Schriftsystem einer anderen Sprache zur Darstellung von Lauten, Silben oder Morphemen benutzen, für die sie ursprünglich nicht vorgesehen waren. Dieser Fall liegt beispielsweise dann vor, wenn ein Volk die Schrift eines anderen Volkes übernommen hat. Die gesprochenen und geschriebenen Formen einer Sprache lassen sich dadurch vergleichen, dass man die Entsprechung von Schriftsystem und gesprochener Sprache untersucht.

Es gibt viele verschiedene Schriftsysteme. Im Chinesischen wird für jedes Morphem ein eigenes Schriftzeichen verwendet. Die Schriftform des Cherokee hat für jede aus einem Konsonanten und einem Vokal bestehende Silbe ein Zeichen. Auch das Japanische wird mit einem solchen System, einem Syllabarium, geschrieben. Bei Schriftsystemen, die ein Alphabet wie etwa das lateinische verwenden, steht theoretisch jedes Zeichen für einen Laut der gesprochenen Sprache. Das lateinische Alphabet hat 26 Buchstaben. Sprachen, die das lateinische Alphabet verwenden, benutzen üblicherweise alle 26 Zeichen, unabhängig davon, ob die gesprochene Sprache mehr oder weniger Laute besitzt.

Die Schriftform einer Sprache ist mehr oder weniger statisch und unveränderlich, sie spiegelt den Sprachstand zur Zeit der Einführung des Alphabets, Syllabariums oder Schriftzeichensystems wider, es sei denn, es haben größere Reformen stattgefunden. Die gesprochene Sprache ist dynamisch, das heißt, sie ist in einem ständigen Wandel begriffen. So kommt es vor, dass sich geschriebene und gesprochene Sprache weit auseinander entwickeln, wie es beispielsweise im heutigen Englisch und Französisch der Fall ist. Um eine derartige Entwicklung zu vermeiden, gibt es die Möglichkeit durch sprachpflegerische Maßnahmen wie einer Rechtschreibreform einzugreifen. Bei Sprachen, die erst in neuerer Zeit ein Schriftsystem erhalten (wie Suaheli) oder eine Rechtschreibreform erfahren haben (wie Hebräisch), passen geschriebene und gesprochene Formen besser zueinander.

Anders als beim Sprechen kann man beim Schreiben Tonhöhe und Betonung ignorieren, Vokale weglassen oder Zeichensetzung und Großschreibung verwenden. Die geschriebene und gesprochene Form einer Sprache unterscheidet sich auch dadurch, dass die Schrift gesprochene dialektale Unterschiede nicht abbildet. Obwohl sie sich mündlich nicht verständigen können, weil sie unterschiedliche Dialekte sprechen, können beispielsweise Sprecher von chinesischen Dialekten die geschriebene Form verstehen. Eine ähnliche Erscheinung gibt es auch im Deutschen, wo die Sprecher der verschiedenen deutschen Dialekte Hochdeutsch schreiben, die gemeinsame Standardform der Sprache.

 

Hochsprache und Umgangssprache

Die geschriebene Form einer Sprache entspricht in der Regel der Hoch- oder Standardsprache. Sie genießt in der Regel höheres Ansehen als die gesprochene Form und weist meist eine komplexere grammatische Struktur und einen spezifischen Wortschatz auf. Der Gebrauch von Hoch- oder Umgangssprache hängt von der jeweiligen Sprechsituation ab. Als überregionale Verkehrssprache wird bei offiziellen Anlässen oder formellen Sprechsituationen die Hochsprache benutzt. In informellen Sprechsituationen überwiegt der Gebrauch der Umgangssprache. Oftmals ist der Gebrauch von Hoch- bzw. Umgangssprache abhängig vom Bildungsniveau. In den arabischen Ländern verwenden die gebildeten Schichten das klassische Arabisch sowohl bei Unterhaltungen als auch beim Schreiben, während Personen mit niedrigem Bildungsstand das umgangssprachliche Arabisch benutzen. Verwendet ein Sprecher zwei Varietäten einer Sprache in unterschiedlichen Situationen, nennt man dieses Phänomen Diglossie. Personen, die die gesprochene Form der Hochsprache in der Öffentlichkeit und den erlernten regionalen Dialekt im Gespräch mit Freunden verwenden, nennt man diglossisch (charakteristisches Beispiel: das Schwyzerdütsch der deutschsprachigen Schweiz).

Die Standardsprache entwickelt sich in den meisten Sprachen aus dem Dialekt, der sich gegenüber den anderen durchsetzen konnte und schließlich als allgemein verbindlich angesehen wird. Als genormte Ausformung eines Dialekts ist die Standard- oder Hochsprache die Schriftsprache einer Sprachgemeinschaft und besitzt ein System von orthographischen Regeln und einen Bestand an geschriebenen Texten.

Nur wenige Menschen sprechen tatsächlich eine ausgeprägte Hochsprache. Vielmehr nähern sie ihre eigene regionale Sprachvarietät der Hochsprache an. Mit der Standardsprache steht den Sprechern regionaler Dialekte auch eine gemeinsame Basis der Kommunikation zur Verfügung.

 

Dialekt, Argot und Jargon

Ein Dialekt ist eine regionale Varietät einer Sprache, die sich deutlich von anderen Varietäten der gleichen Sprache unterscheidet, die in anderen geographischen Gebieten verwendet werden. Innerhalb einer Gruppe von Menschen, die die gleiche Sprache sprechen, gibt es andere, von spezifischen Situationen oder sozialen Gruppen abhängige Sprachvarietäten. Menschen aus dem gleichen Umfeld oder mit dem gleichen Beruf können eine gemeinsame Sondersprache benutzen, die sie von anderen Menschen außerhalb ihrer Gruppe unterscheidet. Zu diesen Varianten der Umgangssprache gehören Argot, Jargon und Slang. Argot ist zum einen die Bezeichnung für die saloppe französische Umgangssprache, wird aber auch als Begriff für eine Sonder- oder Geheimsprache benutzt, die von sozialen Randgruppen verwendet wird, um sich von Außenstehenden abzugrenzen. Eine ebenso informelle, saloppe Variante der Umgangssprache ist der Slang. Er zeichnet sich besonders durch neuartige Verwendung des vorhandenen Vokabulars sowie durch Wortneuschöpfungen aus und wird ebenfalls von sozialen Gruppen verwendet. Slang wird oft mit Argot gleichgesetzt. Eine weitere Variante der Umgangssprache ist der Jargon, eine Sprachform, die sich von der Standardsprache durch einen gruppen- oder fachspezifischen Wortschatz unterscheidet. Argot, Jargon und Slang sind schwer voneinander abzugrenzen häufig werden die Begriffe gleichbedeutend verwendet.

 

Pidgin- und Kreolsprachen

So wie bei einer Sprache Varietäten in Form von Dialekten und Slang oder Jargon entstehen können, kann sie sich auch als Ganzes verändern (die verschiedenen romanischen Sprachen haben sich z. B. aus dem Lateinischen entwickelt). Der Kontakt von Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, führt manchmal zu einem rapiden Sprachwandel. Unter solchen Umständen kann sich eine Pidginsprache entwickeln. Pidginsprachen beruhen auf der Grammatik einer Sprache, werden aber vor allem im Wortschatz von anderen beeinflusst. Sie verfügen über ein vergleichsweise kleines Lautsystem, einen eingeschränkten Wortschatz und eine vereinfachte und veränderte Grammatik. Das Verstehen dieser Mischsprachen ist sehr stark kontextabhängig. Pidginsprachen entstanden vor allem in überseeischen Gebieten durch den Kontakt von Händlern mit Insel- und Küstenvölkern während der Kolonialisierung. Pidginsprachen sind keine Muttersprachen. Entwickelt sich eine Pidginsprache zur Muttersprache eines Volkes (z. B. indem die Kinder nur noch diese lernen), wird sie zur Kreolsprache. Sobald genügend Menschen die Kreolsprache sprechen, um eine Sprachgemeinschaft zu bilden, kann sie sich zu einer vollständig entwickelten Sprache ausbilden. Dies geschah mit Krio, der heutigen Nationalsprache im westafrikanischen Sierra Leone. Krio entstand aus einem ursprünglich auf Englisch basierendem Pidgin.

 

Welthilfssprachen

Inmitten der sprachlichen Vielfalt dieser Welt wurden verschiedene internationale Sprachen entwickelt als Mittel zur Lösung der weltweiten Kommunikationsprobleme. So wurde vielfach gefordert, dass jeder Mensch eine der verbreitetsten Sprachen der Welt wie Englisch oder Französisch beherrschen sollte. Daneben wurden künstliche Sprachen geschaffen, die diese Kommunikationsprobleme beseitigen sollten. Mehrere künstliche Sprachen wurden favorisiert, gerieten dann jedoch wieder in Vergessenheit. Eine dieser künstlichen Sprache, Esperanto, hatte wegen der regelmäßigen Grammatik, der "einfachen" Aussprache und dem Wortschatz, der auf dem Lateinischen, dem Altgriechischen sowie den romanischen und germanischen Sprachen aufbaut, vergleichsweise großen Erfolg. Den Sprechern anderer Sprachfamilien erscheint Esperanto jedoch weniger international und ist für sie schwerer auszusprechen und zu lernen. Eine neue, für den internationalen Gebrauch vorgeschlagene Sprache ist LOGLAN (LOGical LANguage, logische Sprache), eine auf dem Reißbrett entstandene Sprache mit dem Anspruch, nicht kulturell gebunden zu sein und klaren und unzweideutigen Ausdruck zu ermöglichen. Sie besitzt ein beschränktes Lautsystem und wenige grammatische Regeln, ihr Wortschatz ist den acht heute in der Welt am weitesten verbreiteten Sprachen entnommen, darunter Hindi, Japanisch, Chinesisch, aber auch Russisch und anderen indogermanischen Sprachen.

Selbst wenn eine perfekte internationale Sprache entwickelt und eingeführt werden könnte, ist noch nicht gesichert, dass damit die weltweiten Kommunikationsprobleme verringert werden würden. Zudem ist anzunehmen, dass auch künstliche Sprachen wie Esperanto oder LOGLAN bei ihrer Einführung für internationale oder öffentliche Belange dem Prozess des Sprachwandels unterworfen wären. So könnten beispielsweise regionale Dialekte der betreffenden internationalen Sprache oder auch Pidgin- und Kreolsprachen entstehen. Englisch und Französisch haben sich tatsächlich in verschiedenen Teilen der Welt eigenständig entwickelt. Das Englisch, das z. B. in Indien gesprochen wird, unterscheidet sich sowohl vom amerikanischen als auch vom britischen Englisch.

 

Sprachentstehung, Sprachentwicklung und Sprachwandel

 

Sprache, definiert als Erzeugen und Wahrnehmen von Äußerungen, entwickelte sich in ihrer spezifischen Form mit der menschlichen Spezies. Als Kommunikationssystem ist es zwar vergleichbar mit den kommunikativen Systemen von Tieren, die menschliche Sprache hat sich jedoch entscheidend weiterentwickelt. Die oben aufgezeigten kreativen und interpretativen Aspekte sind spezifische Merkmale der menschlichen Sprache. Man geht davon aus, dass das Sprachverständnis mit der Spezialisierung eines Teiles der linken Gehirnhälfte (des Broca-Zentrums) zusammenhängt. Wahrscheinlich ist, dass sich die menschliche Sprache bis zum Auftreten dieser physiologischen Spezialisierung nicht von der tierischen Kommunikation unterschied. Man nimmt an, dass die Sprache zum ersten Mal bei den Neandertalern (vor 300 000 bis 40 000 Jahren) entstand. Einer Theorie zufolge ging das Erscheinen des modernen Homo sapiens (dessen Schädel und Kehlkopf besser zur Spracherzeugung geeignet war) vor 40 000 bis 30 000 Jahren mit einem deutlichen Entwicklungsschub der Sprache einher. Die moderne menschliche Sprache ist damit möglicherweise nur 30 000 bis 40 000 Jahre alt. Die ungeheure Vielfalt der Sprachen zeigt an, dass sich die menschliche Sprache nach ihrer Entstehung mit relativ großer Geschwindigkeit gewandelt hatte. Lautbestand, Grammatik und Wortschatz der ersten Sprache, falls es sie denn gegeben hat, bleiben sicherlich unbekannt. Sprachhistoriker, die sich hauptsächlich damit befassen, wie, warum und in welcher Form Sprachwandel auftritt, können nur Hypothesen zur Erklärung des Sprachwandels vorlegen.

Im 18. Jahrhundert entstand die Theorie, dass sich alle alten und modernen Sprachen aus einer einzigen Protosprache entwickelt hätten. Diesen Ansatz nennt man Monogenese. Die Mehrzahl der Sprachwissenschaftler nimmt an, dass eine solche Sprache sollte sie überhaupt existiert haben bestenfalls als eine Reihe hypothetischer sprachlicher Grundformen dargestellt werden könne, aus der sich alle Sprachen ableiten ließen und auf deren Basis sie miteinander in Beziehung gesetzt werden könnten. Es ist unwahrscheinlich, dass sich eine tatsächliche Ursprache, so wie sie gesprochen wurde, rekonstruieren lässt. Obwohl viele moderne Sprachen von einem einzigen Vorläufer abstammen, ist es jedoch genauso möglich, dass die menschliche Sprache gleichzeitig an verschiedenen Orten der Welt entstand und die heute gesprochenen Sprachen somit nicht nur eine gemeinsame Stammsprache haben. Die Theorie, dass die heutigen Sprachfamilien von vielen verschiedenen Ursprachen abstammen, nennt man Polygenese.

Angesichts universeller Struktureigenschaften, die für alle Sprachen gelten, spielen die Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Auch wenn Sprachen wie Chinesisch, Englisch und Suaheli scheinbar kaum Ähnlichkeiten aufweisen, zeigen sich generell doch mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Unabhängig von der Art und Weise, wie sie sich von Sprache zu Sprache unterscheiden, sind die Laute und Lautverbindungen der verschiedenen Sprachen vermutlich aus einer Reihe universeller, allen Sprachen zur Verfügung stehender Laute und Lautverbindungen ausgewählt. In gleicher Weise haben die menschlichen Sprachen individuelle Struktureigenschaften, die aus einem gemeinsamen Vorrat möglicher Strukturen stammen. Das bedeutet, dass keine menschliche Sprache einen Laut verwendet, der nicht von jedem Menschen erzeugt werden kann, ebenso existiert keine grammatische Regel, die nicht jeder Mensch erlernen kann und zwar unabhängig davon, ob die eigene Muttersprache diese Laute und Strukturen verwendet. Mit anderen Worten scheint die Bandbreite des möglichen Sprachwandels nur durch die universellen Struktureigenschaften von Sprache begrenzt zu sein.

Wenn eine Sprache einem grundlegenden Wandel in Wortschatz, Lautsystem und Struktur unterliegt, kann daraus eine neue Sprache entstehen. Dies tritt bei der Entstehung von Pidgin- und Kreolsprachen ebenso wie beispielsweise bei der Entwicklung der heutigen romanischen Sprachen aus dem Lateinischen auf. Die Entstehung einer neuen Sprache kann auch durch die Entwicklung eines untergeordneten zu einem dominanten Dialekt gefördert werden, der sich schließlich von anderen Dialekten ablöst. Die neu entstandene Sprache kann im Lauf der Zeit eigene Dialekte sowie Pidgin- und Kreolsprachen entwickeln. Dieser fortlaufende Sprachentstehungs- und -entwicklungsprozess kennzeichnet die Sprache in allen ihren Aspekten als lebendigen Ausdruck der menschlichen Kultur.

 

Christoph Barth