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Marshallplan
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Nach dem zweiten Weltkrieg war die wirtschaftliche Lage in
Europa äußerst kritisch. Um die Situation dauerhaft zu verbessern,
waren neue Kredite notwendig, die von den USA gestellt wurden, als Folge einer
Rede die der amerikanische Außenminister George Marshall hielt. Der
Bedarf Europas an ausländischen Nahrungsmitteln und anderen lebenswichtigen
Gütern war nach Marshall größer als Europas Fähigkeit
dafür zu bezahlen. Es würde also einer wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Verelendung entgegen gehen, würde es keine wesentliche
zusätzliche Hilfe erhalten. Das Resultat dieser Verelendung wären
möglicherweise neue Krisen in Europa gewesen. Auch wollte die USA
spätere Handelsbeziehungen nach Europa fördern und sichern, da ihre
eigene Wirtschaft diese in Zukunft auch benötigen würde. Nach vier
Jahren sollte die europäische Wirtschaft sich selbst tragen, damit man zu
den Prinzipien der liberalen Weltwirtschaft zurückkehren konnte. Der
amerikanische Kongreß war aber nicht gewillt erneute Kredite für
Europa zu gewähren. Zusätzlich war die französische Regierung
nicht bereit einem raschen Wiederaufbau der westdeutschen Industrie zuzustimmen,
welcher für die dauerhafte Genesung der europäischen Wirtschaft
unerlässlich war. Dieser Widerstand des Kongresses wurde durch die Truman-
Administration überwunden, indem sie diese sowjetische Bedrohung (von
welcher sie überzeugt war) überdimensioniert darstellte. Der
Marshallplan sollte also auch ein Vordringen des Kommunismus nach Westen
verhindern.
George F. Kennan (Chef des politischen Planungsstabes) und der
amerikanische Außenminister George C. Marshall versuchten den franz.
Widerstand zu überwinden, in dem die geplanten Hilfen für die
europäischen Länder zu einem multilateralen Wiederaufbauprogramm
zusammengefaßt wurde, d.h. daß Europa seinen Wiederaufbau inhaltlich
selbst gestalten sollte, wobei alle Länder ihre einzelnen
Aufbaumaßnahmen zu einem zusammenhängendem Programm verknüpfen
sollten, wodurch dieses Programm auf gegenseitiger Zusammenarbeit und
Koordination basieren würde. Das ermöglichte die Integration der
beteiligten Länder und bot Frankreich eine neue Form der Kontrolle des
deutschen Wiederaufstiegs an. Da Frankreich auf die amerikanische
Wirtschaftshilfe angewiesen war, ordnete es sich unter und war zu einer
konstruktiven Deutschlandpolitik bereit.
Der M.-Plan wurde nicht nur den westeuropäischen
Ländern angeboten sondern auch den Satellitenstaaten der SU und ihr selbst.
Dadurch hoffte man auch die Zustimmung der starken kommunistischen und
sozialistischen Kräfte innerhalb der westeuropäischen Länder zu
erhalten. Dies war ein nochmaliger Versuch die bereits begonnene Blockbildung
aufzulösen bzw. zu verhindern.
Die westeuropäischen Länder nahmen den Marshallplan
ausnahmslos an. Die SU-Regierung schwankte zwischen Furcht vor einer
Westblockbildung im Falle einer Absage und vor der Furcht vor der Auflösung
ihres osteuropäischen Herrschaftsbereiches im Falle einer Zusage. Stalin
entschied sich am 30.6.1947 für die Absage. Vor der Absage der SU hatten
alle osteuropäischen Länder Interesse bekundet. Der Entschluß
Stalins bewog aber Jugoslawien und Finnland sich der Absage anzuschließen.
Finnland wollte einer sowjetischen Intervention zuvorkommen. Die anderen
osteuropäischen Länder wurden von der Sowjetführung zur Absage
gezwungen, welche aber das Äquivalent zum Marshallplan, den Molotowplan,
entwarf und auch durchsetzte. Auf der Londoner Konferenz (Treffen der
Außenminister 25.11. –15.12. 1947) verhärteten sich die
Positionen . Molotow warf den Amerikanern und Briten vor, sie wollen Deutschland
mit Hilfe des Marshallplans wirtschaftlich versklaven und politisch spalten.
Insgesamt sahen die Sowjets den Marshallplan als einen Versuch der Amerikaner
Europa ökonomisch zu erobern.
16 europäische Länder nahmen am Marshallplan teil.
1947 wurde dieser besprochen und der „Ausschuß für
europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit“ (OEEC) gegründet.
Dieser stellte ein Endprogramm zusammen für den europäischen
Wiederaufbau, mit der Marshallhilfe als Grundlage.
Der Marshallplan gab dem Wiederaufbau Westeuropas neue
Impulse, den er trug entscheidend zur Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur, zur
Modernisierung der industriellen und landwirtschaftlichen Betriebe, zur
Wiederbelebung der Produktion, zur Erhöhung der Produktivität sowie
zur Erleichterung des innereuropäischen Handels bei. Die Wiederbelebung
wurde zum Ausgangspunkt einer Entwicklung, zur Wohlstandsgesellschaft und zum
Sozialstaat in Westeuropa führte.
Von den bewilligten 17 Mrd. Dollar erhielt GB den
größten Anteil. Die BRD erhielt 1,7 Mrd. Dollar, welche vor allen
Dingen der Grundstoffindustrie, der Landwirtschaft, dem Verkehrswesen, dem
Wohnungsbau, der Forschung und der Exportförderung zugute kam.
Der Marshallplan konsolidierte aber auch die Trennung in einen
westlichen und östlichen Herrschaftsbereich, bei der sich Westeuropa
definitiv für die USA entschied.
© Katharina Brands & Diana Knichel
2000
Quellen: Fischer Weltgeschichte: Europa nach
dem 2. Weltkrieg 1945-1982 /Das 20. Jahrhundert II
Die Welt seit 1945, Geschichte
in Quellen
Geschichte der Weltwirtschaft
im 20. Jahrhundert Band 6
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