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Der Islam

- Vortrag -
 

Allgemein

- Arabisch: Unterwerfung, Hingabe
- jüngste der großen Weltreligionen, gestiftet durch Mohammed
- Mohammed: begann sein Wirken mit 40 Jahren als Vision Erzengel Gabriel erschien, begann predigen in Mekka, zog wegen Verspottung 622 nach Medina, diese Auswanderung (Hijra) stellt Beginn der islamischen Zeitrechnung dar, in Medina # weltliche und geistliche Autorität, als Gesetzgeber + Prophet anerkannt, 630 ergab sich auch Mekka
- arabische Wort "Islam" bezeichnet unbedingte Ergebung in Willen des einen Gottes Allah
- Anhänger nennen sich Muslime od. Moslems, nicht Mohammedaner - Bezeichnung würde Personenkult um Mohammed implizieren - entspricht nicht der Lehre des Islam
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- Zahl der Anhänger geschätzt: 935 Mio. Menschen, Anhängerstaaten = arabischen Staaten in Nordafrika, Nahen Osten, Türkei, Teile der früheren UdSSR in Zentralasien, der Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien, Bangladesh, Malaysia, Indonesien, Philippinen und Teile Chinas
- In Europa: Islam = zweitgrößte Religion nach Christentum
- Islam ist streng monotheistisch, vertritt wie Judentum + Christentum den Glauben an den allmächtigen Gott
- Anhänger des Islam glauben, dass das Prophetentum mit Mohammed vollendet und beendet und der Koran die letztgültige und vollkommene Offenbarung Gottes ist und dass alle früheren Offenbarungen dadurch aufgehoben werden
- Welt stellt wohlgeordnetes, harmonisches Ganzes dar, in dem alles seinen Platz und seine Ordnung hat
- Gott nimmt gegenüber der Welt + dem Menschen 4 fundamentale Aufgaben ein: Schaffen, Versorgen, Führen und Richten
- Aufgabe des Menschen: Dienst an Gott, sowie Aufbau einer Gesellschaftsordnung in der ethische Prinzipien verwirklicht sind
 
 
 

Islamische Lehren

- grundlegenden Quellen der islamischen Glaubenslehre und Religionsausübung = der Koran und die Sunna

- Koran:
-     Moslems verstehen Koran als Wort Gottes (übermittelt durch Erzengel Gabriel zu
      Mohammed)
- Autor des Korans nicht Mohammed, sondern Allah selbst # unfehlbar
- diese Schrift ist Sammlung der Worte Mohammeds aus 22 jährigem Wirken zwischen 610 und 632 als Prophet
- besteht aus 114 Suren (Kapiteln), kürzeste nur 3 Verse, längste 306 Verse
- Experten stimmen darin überein, dass Text nahezu unverändert überliefert ist

- Sunna:
- zweite Hauptquelle, arabisch: Gewohnheit, auch als vorbildlicher Weg des Propheten
bezeichnet, im Hadith (arabisch: Überlieferung), Textsammlung aus 9. Jahrhundert, enthalten
- umfasst Aufzeichnungen über Denken, Handeln und Leben des Propheten
- im Unterschied zum Koran nicht für unfehlbar gehalten, ist von nachrangiger Bedeutung
- wird als grundlegend für Glaube und Handeln angesehen
 

Ethik

- "Verbesserung der Welt" ist dem Koran zufolge Ideal aller menschlichen Anstrengungen
- Koran betont, dass Menschen Kleinlichkeit überwinden und großzügig sein sollen # hierdurch entwickeln sie Tugend, bezeichnet als "Taqwa", diese Eigenschaft lässt Menschen Gutes von Bösem unterscheiden + eigene Handlungen richtig bewerten, Selbsttäuschung vermeiden
- Ziel des Einzelnen soll höchster Nutzen für Menschheit, nicht unmittelbare Freuden oder Wünsche des Selbst sein
 

Tag des jüngsten Gerichts

- göttlichen Handlungen enden mit abschließendem Akt des Richtens, am Tag des jüngsten Gerichts werden alle Menschen zusammengerufen + nach ihren (jeder einzeln) Taten gerichtet
- "Geretteten" gehen ins Paradies ein, "Verdammten" steigen in Hölle ab
- der Gott als gnädiger Richter # vergibt denjenigen die es verdienen
- Koran kennt weitere Form des göttlichen Gerichts: wird im Verlauf der Geschichte über Nationen, Völker und Gemeinschaften gehalten
 

Glaubensbekenntnis

- erste Pflicht des Moslems ist entsprechend der monotheistischen Auffassung das Glaubensbekenntnis (shahada): "Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet."
- jeder darf sich als Moslem oder Moslimin betrachten, wenn er Glaubensbekenntnis aufrichtig und vor festgelegter Anzahl von Zeugen aufgesagt hat
- zweite Pflicht besteht in fünf täglichen Gebeten, erste vor Sonnenaufgang, zweites am frühen Nachmittag, drittes am späten Nachmittag, viertes am unmittelbar nach Sonnenuntergang, fünftes vor Nachtruhe bzw. vor Mitternacht
- zum Gebet richten sich Moslems in Richtung Mekka aus, Gebetseinheit besteht aus: stehender Stellung, Verbeugung und zwei Prostrationen (Niederstrecken + Berühren des Bodens mit der Stirn), schließlich sitzende Position, dabei - vorgeschriebene Gebete und Koranstellen rezitiert
- vor den Gebeten - Moslems nehmen rituelle Waschungen auf
- Gemeinschaftsgebete und Einzelgebete, normalerweise in Gemeinschaft in Moschee
- vor jedem Gemeinschaftsgebet: Ausruf des Muezzins ("Ruf zum Gebet") von Minarett der Moschee, neuerdings verstärkt durch Lautsprecher # Beispiel zeigen
- dritte Pflicht besteht im geben von Almosen, ursprünglich Steuer (Zakat) von Reichen Mitgliedern der Gemeinde um Armen zu helfen, nur wenn solche Abgaben gezahlt werden gilt übriger Besitz als rein und legitim
- vierte Pflicht besteht im Fasten während des Ramadan im neunten Monat des islamischen Kalenders, Erwachsene Personen enthalten sich hier von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang jeglicher Nahrung und Getränke, Genußmittel und sogar des Geschlechtsverkehrs, wer kann sollte eine arme Person ernähren
- fünfte Pflicht ist Wallfahrt zur Kaaba in Mekka, alle Moslems die körperlich und wirtschaftlich dazu in der Lage sind müssen diese Wallfahrt mindestens einmal im Leben machen
- sie findet während der ersten zehn Tage des letzten Monats im Mondjahr statt und beginnt mit Waschungen und Anlegen des Bußgewandes um Reinheit herbei zu führen
- neben diesen fünf Hauptstützen des Islams - weitere Vorschriften, z.B. Verbot von Alkohol und Schweinefleisch
 
 

Islam und Gesellschaft

- Gesellschaftsverständnis ist theokratisch: Ziel aller Moslems ist "Gottes Herrschaft auf Erden", jedoch nicht Herrschaft der Priester
- islamischer Sozialphilosophie liegt Auffassung zugrunde, dass alle Lebenssphären - spirituelle, soziale, politische, wirtschaftliche - eine untrennbare Einheit bilden - geprägt von islamischen Werten # auf diesem Ideal basieren Gedanken des "islamischen Rechtes und des "islamischen Staates"
- "islamisches Recht": Recht hat weiteren Bedeutungsumfang als in westlichen Gesellschaften, umfasst rechtliche als auch moralische Imperative # islamisches Recht kann nicht ausschließlich in Gesetzen gefasst werden
# 4 Quellen, "Wurzeln des Rechts",
- ersten beiden = Koran und Sunna (schriftlich niedergelegt),
                    - dritte wird als "Idjtihad" (heißt: "individuell verantwortete Meinung") bezeichnet #
                      wird herangezogen wenn Koran bzw. Sunna Problem nicht behandeln,
                      Rechtsanwalt kann dann durch Analogieschluß (qiyas) Problem lösen, wegen
                      Missbrauch dieses Rechts Regeln zum Gebrauch aufgestellt, jedoch heutzutage
                      wieder mehr innovative Bedeutung
                    - vierte ist der Konsens der Gemeinschaft (grundlegende Übereinstimmungen der
                      Gemeinschaft) genannt "Idjma" - informeller Prozess, der oft lange Zeit andauert, da
                      Islam keine offizielle Autorität kennt, die in Fragen der Glaubenslehre entscheidet
 

Jihad

- Ausdruck "Jihad" wird mit "Heiliger Krieg" übersetzt, bezeichnet Kampf für das islamische Ziel (Verbesserung der Welt), wenn notwendig mit Hilfe von Streitkräften
- Einige muslimische Herrscher setzten den Jihad ein um Kriege zu rechtfertigen die aus rein politischen Ambitionen geführt wurden # nicht im Sinne des Koran
- Nach islamischer Rechtsauffassung zerfällt Welt in 3 Gebiete: 1. "Gebiet des Islam" # Vormacht durch Moslems, 2. "Gebiet des Vertrages" # Mächte, mit denen Moslems Friedensverträge haben, 3. "Gebiet des Krieges" # übrige Welt
 

Islamische Familie

- Koran betont Respekt vor Eltern
- Ehe gilt in der Sunna als empfohlene, selbstverständliche Einrichtung, in der Partner mit Liebe und Verständnis einander zugetan sein sollen
- Im Islamischen Recht, z.B. im Scheidungsrecht nimmt Mann eine Vormachtstellung ein, Ehebruch der Frau mit hohen Strafen belegt ist
- Koran schreibt Maßnahmen zur Verbesserung der Stellung der Frau vor, Kindestötung von Mädchen wie im vorislamischen Arabien = verboten
- Töchter haben Anspruch auf Erbteil, allerdings nur Hälfte dessen was Söhne erhalten
- Koran legt wiederholt Nachdruck auf gut Behandlung der Frau, gesteht Ehefrauen Recht auf Scheidung zu, falls sie schlecht vom Mann behandelt werden
- Polygynie oder auch Bigamie mit bis zu 4 Frauen ist erlaubt, aber alle Frauen müssen gleichberechtigt behandelt werden
- Missbrauch der Polygynie führte zu Änderung des Eherechts in vielen muslimischen Ländern
 

Islam in der Neuzeit

- nach Mittelalter stagnierte islamische Kultur # eigenständiges Denken (Idjtihad) trat wieder mehr in Vordergrund # Entstehung religiöser Reformbewegungen
- im Gegensatz zu diesen Bewegungen (auf Glaubenslehre + Philosophie bezogen) waren Anliegen der neuzeitlichen Bewegungen überwiegend soziale und moralische Reformen
- beispielsweise die erste derartige Bewegung (18.Jhdt.) waren Wahhabiten (nach ihrem Gründer Ibn Abd al-Wahab benannt) # wollten Islam erneuern indem sie versuchten ihn von Einflüssen zu befreien die vom ursprünglichen Monotheismus abwichen
- anderer Reformer war Ägypter Muhammad Abduh der Islam und westliches Denken verbinden wollte
- Muhammad Iqbal, Philosoph der Neuzeit, interpretierte islamische Glaubenslehre neu
- viele andere Intellektuelle beschäftigen sich immer wieder mit Themenbereichen und Problemen des Korans und der islamischen Lehre
- viele modernistische Gedanken, basierend auf plausiblen Interpretationen des Korans, werden allerdings immer wieder bes. seit 1930 von Fundamentalisten erbittert bekämpft
- islamischer Fundamentalismus, der als Reaktion auf  Modernismus Rückbesinnung auf Fundamente des Islams fordert, lehnt nicht moderne Bildung, Naturwissenschaften oder Technik ab, sondern beschuldigt die Modernisten westliche Moralvorstellungen sowie Lebensformen zu verbreiten # diese machen sie für verschiedene Probleme verantwortlich (z.B. Zerfall der Familie durch Emanzipation der Frau)
- auch in Neuzeit hat Islam immer noch Missionserfolge zu verzeichnen

Frank99