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Die Kosovo-Krise
Übersicht über die Region Kosovo
Das Kosovo besitzt den Status einer Provinz innerhalb der Bundesrepublik
Jugoslawien. Bis 1913 gehörte es zur Türkei. Nach Ende des 1.
Balkankrieges (1912-1913) wurde die Provinz unter Serbien und Montenegro
aufgeteilt. Von 1946 bis 1986 war das Kosovo eine autonome Provinz. Es
hat Grenzen zu den Nachbarstaaten Albanien und Mazedonien. Auf die Fläche
von 10.887 km² kommen 1.9 Millionen Bewohner. Davon sind 90 % Albaner.
Der Rest setzt sich aus den Bevölkerungsminderheiten der Serben und
Montenegriner zusammen. Die bedeutendsten Städte sind die Provinzhauptstadt
Pristina, Pec und Prizren. Trotz der zahlreichen Bodenschätzen, wie
z.B. Magnesit, Chromit, Zink und Blei zählt das Kosovo zu den ärmsten
Regionen Europas.
HISTORISCHER HINTERGRUND
Die Kosovo-Krise ergibt sich aus den dramatischen
Verwerfungen des 14. Jahrhunderts. Der Niedrgang des Byzantinischen Reiches
ist mit dem Aufstieg Serbiens zu einem regionalen Machtzentrum auf dem
Balkan verbunden. Balken bedeutet übersetzt aus dem Türkischen
"Gebirge". So wurde diese Region bezeichnet, da sie den Osmanen den Weg
nach Nordwesten versperrte. Unter dem serbischen König Dusan (1331-1355)
erlebte Serbien den Höhepunkt seiner Macht. Das Herzland dieses mächtigen
Reiches war das Kosovo- die Region um Pristina. Hier stehen berühmte
altserbische Kloster in denen der orthodoxe Glaube gepflegt wird. Dadurch
das der König Dusan nur eine künstliche balkanische Einheit durch
seine starke Persönlichkeit geschaffen hatte zerfiel sein Reich nach
seinem Tod. So zerfiel das Reich in viele kleine Fürstentümer,
die sich erbittert bekämpften –diese Entwicklung ist mit dem Tod nach
Tito (1980) vergleichbat. Das zerfallende Reich wird für die Osmanen
interessant. Die Osmanen hatten eines der gewaltigsten und dauerhaftestem
Reiche der Geschichte. Somit setzten sie ihre Armeen in gang, um das zerfallende
Reich zu erobern. Nach dem ersten Opfer der Osmanen, Mazedonien, schließen
sich die Serben auf Grund dieser tödlichen Gefahr unter dem Fürsten
Lazar zu einer Abwehrfront zusammen. Am 28. Juni 1389 (dem Veitstag oder
Vivodan) treten auf dem Amselfeld, dem Kosovo Polje, Lazar´s Krieger
gegen das türkische Heer unter Sultan Murad an. Am Ende diese Kampfes
sind beide Heerführer tot und die gesamte serbische Ritterschaft ist
vernichtet. Aufgrund dieses Schicksalsschlages genau im Kosovo, "der Wiege
der serbischen Nation", wird dieses Amselfeld in den Sagen und Mythen des
geschlagenen Volkes zu einem heiligen Boden ernannt. In jenen funklen Zeiten
entsteht das nis heute virulente Bild eines einsamen Serbien, das ohne
Hilfe gegen eine Übermacht steht. In den Tiefen der serbischen Seele
findet sich also die Antwort auf die Frage, warum der jugoslawische Präsident
Slobodan Milosevic der gesamten NATO die Stirn bietet kann. Auch während
der Herrschaft der Osmanen bleibt das Kososvo serbisches Kernland. Doch
die Religion wird auf dem Balkan zunehmend Schlüssel zur Macht. Während
Albaner und Bosniaken den Islam, dem Glauben der neuen Herren, teils freiwillig,
teils gezwungenermaßen übernehmen , um gesellschaftlich aufsteigen
zu können, hielten die Serben an ihrer christlich-orthodoxen Überzeugung
fest. Ihre Oposition um Osmanischen Reich wird damit zunehmend schwierig.
Als Truppen des Habsburger Reiches – dem großen Rivalen der Osmanen
– weit in in den türkisch besetzten Balkan vordringen nutzten die
frustrierten Serben dieses zur Möglichkeit zur Rebellion. Doch die
Österreicher ziehen sich zurück und die Serben fürchteten
die Rache der Türken. Von 1969 an wanderten die Serben daher in großen
scharen aus ihrem einstigen Kernland Kosovoaus und nahmen das Angebot des
Hasburger Reiches an, sich als Wehrbauern an der militärisch stark
gesicherten Reichsgrenze anzusiedeln. Auch das mächtige Venedig rief
serbische Wehrbauern ins Land und überläßt ihnen die Gebiete
um die Festung Knin an der dalmatischen-bosnischen Grenze.
In die nun freiwerdenden Gebiete im Kosovo strömen
Albaner aus dem Süden. Die Serben gerieten allmählich in die
Minderheit, aber diese demographische Veränderung hat sich sehr langsam
vollzogen. Noch am Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Bevölkerungsgruppen
etwa gleich stark. Doch die höhere Geburtenrate der Albaner und die
Siedlungspolitik unter Tito veränderte das Gleichgewicht. Heute stellen
die Albaner rund 90 Prozent der Zwei-Millionen-Bevölkerung im Kosovo.
Hier ist nun der Kern der aktuelle Krise zu finden. Die Serben argumentieren,
das Kosovo sei die Wiege ihrer Nation und daher ungeachtet dr albanischen
Einwanderung noch immer Bestandteil Serbiens. Die Albaner wiederum berufen
sich auf noch ältere Rechte: Sie seien Nachfahren des indogermanischen
Bauernvolkes der Illyrer, die bereits lange vor den Serben im Kosovo gesessen
hätten und vom siebten Jahrhundert an von diesen verdrängt worden
wären.
Zum Verhältnis der Serben und Albaner um Kososvo
muß man wissen, daß es auf Grund der unterschiedlichen Religion,
der verschiedenen Sprachen und der gegensätzlichen Kultur kaum Vermischungen
im Sinne von Eheschließungen gibt. Nach dem Tot Titos, der dem Kosovo
eine weitreichende Autonomie innerhalb Jugoslawiens eingeräumt hatte,
forderten albanische Nationalisten den Status einer eigenen Republik.
Slobodan Milosovic, damals noch serbischer Präsident,
instrumentalisiert die Ängste der serbischen Minderheit, um die Autonomie
der Provinz aufzuheben. Den Widerstand der Albaner ließ er 1989 und
1990 blutig niederschlagen. 100 000 Albaner verloren in der Folge ihre
Stellungen in Wirtschaft und Verwaltung. Als Konsequenz der serbischen
Unterdrückungspolitik entstand die albanische Befreiungsarmee UCK,
die seit 1992 in bürgerkriegsähnlichen Gefechten mit der jugoslawischen
Armee verwickelt sind.
Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der UCK und serbisch-jugoslawischen
Kräften erreichten im Sommer/Herbst 1998 ihren Höhepunkt. Nachdem
die UCK Mitte 1998 fast 40% des Kosovo faktisch kontrollierte, wurde sie
durch Gegenoperationen der serbisch-jugoslawischen Kräfte zurückgedrängt,
aber nicht zerschlagen. Diese überschritten dabei streckenweise daß
Maß militärisch erforderlicher Gewalt; es kam zu Plünderungen
und Brandschatzungen.
Ergebnis der bewaffneten Auseinandersetzungen war, daß für
die Kosovo-Albaner ein Zusammenleben mit den Serben nun kaum mehr vorstellbar
ist. Eine Lösung sehen die Kosovo-Albaner nur noch in staatlicher
Unabhängigkeit. Der Status einer gleichberechtigten Republik neben
Serbien und Montenegro innerhalb der BR Jugoslawien ist für sie allenfalls
als zeitliche Übergangslösung akzeptabel. Ein Teil der UCK hegt
darüber hinaus die Illusion eines Zusammenschlusses aller mehrheitlich
von ethnischen Albanern besiedelten Gebiete im Kosovo, in Mazedonien und
Montenegro mit dem Mutterland Albanien zu einem "Groß-Albanien",
das auf Vorstellungen aus dem Jahre 1878 zurückgeht.
Auf dem Höhepunkt der Kosovo-Krise im September 1998 schätzte
das UNHCR (United Nations High Commissioner For Refugees) die Zahl der
Kosovo-Flüchtlinge auf knapp 300.000 Menschen. Von diesen waren etwa
200.000 im Kosovo verblieben. Etwa 50.000 dieser Menschen kampierten auf
den Höhepunkt der Krise im Gelände unter freiem Himmel. Eine
humanitäre Katastrophe zeichnete sich ab. Die bewaffneten Auseinandersetzungen
mußten rasch ein Ende finden, die auf die Flüchtlinge abschreckend
wirkende, massive Präsenz serbisch-jugoslawischer Sicherheitskräfte
im Kosovo wieder auf ein vertretbares Maß zurückgeführt
werden.
Milosevic's Ziele (,,ethnische Säuberungen")
Die Regierung hat offensichtlich die politische Absicht der Nato den
Interventionsgrund zu nehmen. Denn bei Entvölkerung der Region bestehen
keine Forderungen der Provinz nach Unabhängigkeit mehr.
Hinter den ethnischen Säuberungen steht ein extremer und exklusiver
Nationalismus: Völker mit bestimmten Territorien gehören zusammen
und der Nationalstaat sollte möglichst homogen sein. Die Nation verbindet
zuerst eine kulturelle Gemeinschaft und nicht eine politische. Durch demagogische
Mittel (z.B. Propaganda ) wird das Volk zusätzlich aufgehetzt um hinter
einem solchen Nationalstaat zu stehen.
Ethnische Säuberungen sind bis heute ein wichtiges Kriegsziel.
Sie sollen möglichen Widerstand ausschalten. Im Zuge dieser werden
soziale, kulturelle, wirtschaftliche und symbolische Lebensgrundlagen zerstört.
Die Vertreibungen laufen ähnlich ab wie in Kroatien und Bosnien-Herzigowina.
Die Belgrader Führung will ihren Besitzanspruch auf die Provinz nunmehr
mit Gewalt durchsetzen. Das Kosovo besitzt eine Schlüsselstellung
im serbischen Nationalbewußtsein. Es war Kernland des serbischen
Königreichs im Mittelalter und viele Kulturdenkmäler befinden
sich noch auf dem Boden der Region. Die Provinz ist nach serbischem Denken
ein unbestrittener Bestandteil der Bundesrepublik Jugoslawien. Dies erklärt
auch die unerbittliche Härte des serbischen Militärs gegen die
Kosovo-Albaner.
Vertrag von Rambouillet
Die Amerikaner bauten in Dayton eine militärische Druckkulisse auf.
Nach 17 Tagen langen Verhandlungen konnten sich die Konfliktparteien der
Serben und Kosovo-Albaner nicht einigen. Bis März sollte der Status
des Kosovo ausgehandelt sein. Doch beide Parteien konnten sich auf kein
Ergebnis verständigen. Die NATO änderte ihre ,,Politik des Drängens".
Am 29. Januar legte sie einen Prinzipienkatalog vor, der die Basis zur
Regelung der Kosovo-Krise bilden sollte. Der politische Teil sah einen
sofortigen Waffenstillstand, eine dreijährige Übergangslösung,
in der das Kosovo autonom ist, ein Schutz der serbischen Minderheit, freie
Wahlen unter Aufsicht der OSZE und eine multinationale Friedenstruppe der
NATO zur Überwachung des Abkommens vor. Der militärische Teil
sah eine Entmilitarisierung der Region vor. Zudem muß die Stärke
der serbischen Truppen und Sonderpolizei auf insgesamt 4000 Mann reduziert
werden. Die Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit des Kosovos
am Ende der Übergangsfrist war nicht der einzige Streitpunkt. Milosevic
lehnte die Positionierung der Friedenstruppe entschieden ab. Dies würde
eine Erniedrigung für das serbische Volk bedeuten. Die Kosovo-Albaner
verweigern die Abgabe ihrer Waffen, da dies für sie einer Entmachtung
gleich käme. Belgrad wurde bei einer Ablehnung des Angebots gedroht
Luftangriffe gegen serbische Ziele zu fliegen. Den Kosovo-Albanern wurde
gedroht die UCK als terroristische Organisation zu erklären, ihr den
Nachschub aus Albanien zu sperren und sie den Serben zu überlassen.
Am Ende der Verhandlungen unterzeichneten nur die Kosovo-Albaner das
Friedensabkommen.
Milosevic erklärte: "Wir werden das Kosovo nicht aufgeben, selbst
wenn wir bombardiert werden!"
Forderungen der UNO an Milosevic
Eine der Kernforderungen der UNO an Slobodan Milosevic ist die Erfüllung
der UN-Resolution. Diese sieht im einzelnen vor:
-
eine sofortige Feuerpause aller Konflikt Parteien im Kosovo und der Bundesrepublik
Jugoslawien als Vorbedingung für Gespräche;
-
das Recht der Menschen auf ihre angestammte Heimat muß geachtet werden;
-
den unverzüglichen Beginn ernstzunehmender Gespräche unter internationaler
Beteiligung;
-
die Erfüllung der UN-Resolution 1160, die unter anderem Folgendes
verlangt:
-
das Ende aller Kampfhandlungen gegen die Zivilbevölkerung;
-
die vollständige und sichere Rückkehr sämtlicher Flüchtlinge
in ihre angestammten Dörfer und Häuser;
Die UNO verlangt ferner von der Regierung in Belgrad, sämtliche begangene
Verbrechen an der Zivilbevölkerung gerichtlich zu verfolgen.
Bedeutung Rußlands
Im 7. Jahrhundert wanderten die Südslawen von Nordosten kommend
auf dem Balkan ein. Seit dem 13. Jahrhundert hatten sie einen eigenen christlich-orthodoxen
Staat. Religiöse Schriften kamen von Serbien nach Rußland und
beeinflußten dort maßgeblich die Kultur und Religion. Rußland
und Serbien waren damals sehr eng verbunden. So entstand der Mythos der
Blutsbrüderschaft zwischen Rußland und Serbien.
Dieser Mythos ist bisher noch kein politisches Argument für Rußland
einzuschreiten, aber Serbien besitzt eine wichtige geopolitische Lage für
Rußland. Nach dem Ende der UdSSR und der Auflösung des Warschauer
Pakts hat Moskau seinen Einfluß in Südosteuropa verloren. Ungarn
ist Mitgliedsstaat der NATO und Bulgarien versucht beizutreten. Die russische
Regierung sieht hierin eine Gefahr im Süden von der Außenwelt
abgeschnitten zu werden. Serbien bildet zur Zeit die einzige Lücke.
Ein militärisches Einschreiten Rußlands ist aber unwahrscheinlich,
da es schwach ist und die westliche Unterstützung braucht.
Welche Strategie verfolgt die NATO nach den Luftangriffen?
Die NATO Luftangriffe starteten mit dem Ziel, Slobodan Milosevic zur
Unterschrift unter das von den Kosovo-Albanern in Rambouillet unterzeichnete
Autonomieabkommen zu zwingen. Die Luftangriffe wurden aber so ausgeweitet,
daß die Fähigkeit der Serben zur Kriegsführung gegen das
Kosovo erheblich verringert wird. Bisher konnte die Frage der Skeptiker,
wie die NATO ohne einen vollen Militäreinsatz mit Bodentruppen erfolgreich
aus der Situation herauskommt, nicht zufriedenstellend beantwortet werden.
US-Präsident Clinton sagte dazu lediglich: ,,Die Endstrategie ist,
was sie in Militäroperationen immer gewesen ist: die Erfüllung
der Mission." Für einen Einsatz von Bodentruppen zur Sicherung des
Balkans benötigt die NATO 80 000 bis 100 000 Soldaten. Und diese Anzahl
steht, so schnell wie sie gebraucht wird, nicht zur Verfügung. Die
Bundeswehr müsste 10.000 bis 20.000 Soldaten stellen. Dies wäre
ohne eine Teilmobilmachung nicht möglich. Heute ist nur noch die Hälfte
des Heeres innerhalb eines Monats marschbereit. Ein Einsatz von deutschen
Bodentruppen im Krisengebiet kommt für die deutsche Regierung bislang
noch nicht in Frage.
,,Auch soll Milosevic nicht als Verantwortlicher oder als jemand behandelt
werden, mit dem man Verträge machen könne", sagte ein amerikanischer
Senator. Eine weitere Alternative zu alliierten Bodentruppen stellt die
Bewaffnung der Kosovo-Albaner dar. Es gebe dann eine kampfbereite Bodentruppe
gegen die Serben.
Der Irrtum der NATO
Die UN-Resolution 3314 vom 14. Dezember 1974 definiert den Angriffskrieg.
Unter anderem liegt ein solcher Angriffskrieg bei der Beschießung
oder Bombardierung des Hoheitsgebietes eines Staates vor.
Wer ist Aggressor? Hier gilt das Prinzip des ersten Schusses.
Vom generellen völkerrechtlichen Gewaltverbot gibt es zwei unmißverständliche
Ausnahmen. Es handelt sich um einen Katalog mit abschließendem Charakter:
-
Die individuelle oder kollektive Selbstverteidigung und
-
militärische Sanktionsmaßnahmen, die durch Resolution des UN-Sicherheitsrates
beschlossen worden sind.
Ein Fall der Selbstverteidigung liegt nicht vor. Der Sicherheitsrat hat
eine Resolution verweigert.
Die NATO führt also einen völkerrechtswidrigen
Angriffskrieg.
Und Deutschland ist dabei.
Übersicht über die Flüchtlingshilfe
Seit der serbischen Unterdrückung sind etwa 600.000 Menschen aus
dem Krisen-Gebiet geflohen. Davon sind 384.000 Flüchtlinge bereits
in Nachbarländern des Kosovo eingetroffen. Der Rest irrt noch im Kosovo
umher. Allein nach Albanien sind bisher über 225.000 Menschen geflohen.
Verschiedene NATO-Länder haben sich bereit erklärt Flüchtlinge
aufzunehmen. Darunter sind die USA und die Türkei (jeweils 20.000
Flüchtlinge); Österreich, Griechenland, Kanada und Norwegen nehmen
jeweils 21.000 Flüchtlinge auf und Deutschland will weitere 10.000
Flüchtlinge aufnehmen. Die Flüchtlinge, die aus den Zufluchtsländern
ausgeflogen werden sind hauptsächlich Hilfs- und Versorgungsbedürftige.
Zudem kommen noch Flüchtlinge deren Familienmitglieder schon ins Ausland
ausgewandert sind dazu. Deutschland hat ein Abschiebestop verhängt,
nachdem keine Kosovo-Albaner ins Krisen-Gebiet mehr ab geschoben werden
dürfen.
Es gib vor allem Probleme beim Ausladen von Hilfsgütern. Die albanischen
und mazedonischen Flughäfen sind nicht entsprechend für das Entladen
von Flugzeugen ausgerüstet. Es fehlen geeignete Gabelstapler und Flugzeugbenzin.
Eine erfolgreiche Luftbrücke kann so nicht funktionieren.
DIE RECHTSLAGE
Jahr für Jahr werden von Menschenrechtsorganisationen Zehntausende
Fälle von willkürlichen Festnahmen, schweren Mißhandlungen,
Enteignungen und Vertreibungen in Albanien gemeldet. Allein 1994 wurden
nach Angaben der albanischen Menschenrechtsorganisation CDHRF (Council
for the Defence of Human Rights and Freedom) 17 Albaner erschossen oder
zu Tode gefoltert. Im gleichen Zeitraum wurden 2 157 Albaner physisch mißhandelt
und 2 963 willkürlich festgenommen. Die UN-Menschenrechtskommission
in Genf stellte bereits in einer Resolution vom 23. Februar 1993 fest,
daß im Kosovo gegen alle gebürtigen Albaner polizeiliche Gewalt
ausgeübt wird. Albaner werden im Kosovo wegen ihrer Nationalität,
d. h. kollektiv, verfolgt. Viele deutsche Gerichte, die über Asylverfahren
von Kosovo-Albanern entscheiden, bestreiten dies jedoch.
NATO-Beschluß
Gemäß Artikel 4 und 5 des Nordatlandtikvertrages vom 04.04.1949
im der Fassung des Protokolls vom 17.10.1951 dürfen Mitglieder der
NATO nur dann militärische Maßnahmen ergreifen, wenn ein bewaffneter
Angriff gegen eine oder mehrere der NATO-Mitglieder vorliegt. Militärische
Maßnahmen sind ausschließlich in Ausübung des in Artikel
51 CVN anerkannten Rechtes der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung
der Parteien erlaubt.
Der innerstaatliche Konflikt der Bundesrepublik Jugoslawien stellt gemäß
Artikel 5 des Nordatlantikvertrages auch keine Situation dar, die die Anwendung
von Waffengewalt erforderlich macht, um die Sicherheit des nordatlantischen
Gebietes wiederherzustellen und zu erhalten.
Eine Berechtigung der NATO in Konflikte außerhalb des Vertragsgebietes
einzugreifen, besteht nicht.
Im übrigen ist gemäß Artikel 6 Punkt 2 des Nordatlantikvertrages
eine Angriffsdefinition gegen die Mitglieder der NATO nicht gegeben, da
kein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied der NATO vorliegt.
Ein Beschluß der NATO-Staaten, in den Kosovokonflikt einzugreifen,
hat somit schon aus dem Nordatlantikvertrag selbst keinen rechtfertigenden
Charakter.
Humanitäre Intervention als Rechtfertigung
Als weiterer Rechtfertigungsgrund könnte eine "humanitäre Intervention"
in Betracht kommen.
Unter "humanitärer Intervention" ist die Anwendung von Waffengewalt
zum Schutze der Bevölkerung eines fremden Staates vor Menschenrechtsverletzungen
zu verstehen.
Quellen: Die Welt online, Die Zeit Nr. 09 25.02.1999, Süddeutsche
Zeitung, Hamburger Abendblatt vom 25. 05. 99, FAZ, "Krieg auf dem Balkan"
von Christian Kind
Benny Biehl - Ahrensburg, den 1. Juni 1999
Chronik zur Kosovo-Krise
| 28. Juni 1389 |
Schlacht auf dem Amselfeld |
| 1459 |
Ganz Serbien ist osmanische Provinz |
| 1690 |
Auswanderung der Serben aus dem Kosovo |
| 1912 |
erster Balkankrieg. Serbien, Bulgarien und Griechenland gegen die Türkei.
Serbien erhält Kosovo, aber Österrecih verhindert den Griff nach
Nordalbanien |
| 1913 |
Zweiter Balkankrieg. In eine, gemeinsam mit Griechnland gegen Bulgarien
geführten Krieg erhält Serbien den Nordteil Mazedoniens |
| 1914 |
Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in
Sarajewo. Ultimatum und Kriegserklärung Wiens. Das Eingreifen Rußlands,
dann Deutschlands, löst den ersten Weltkrieg aus |
| 1929 |
Ausrufung der Königsdiktatur durch Alexander I. Jugoslawien wird
Staatsname |
| 1939 |
Abkommen über eine Autonomie für Kroatien |
| 1941 |
Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt; Hitler befiehlt die
Zerschlagung und Aufteilung Jugoslawiens; Gründung des Unabhängigen
Staates Kroatien unter Ante Pavelic; Beginn des Patrisanenkriegs der Kommunisten
unter Tito und der serbischen Tschetniks unter Mihailovic |
| 1945 |
Josip Broz Tito ruft die Föderative Volksrepublik Jugoslavien.
Serbien wird eine von sechs Republiken. Kosovo wird als autonome Region
zu einer Verwaltungsuntereinheit der Republik Serbien |
| 1966 |
Liberalisierung im Kosovo |
| 1968 |
Kosovo wird autonome Provinz. Jugoslawien distanziert sich von der
Inrevention des Warschaupakts |
| 1971 |
Nationalistische Welle in Kroatien durch Titos Eingreifen beendet |
| 1974 |
neue Verfassung |
| 1980 |
Tot Titos |
| 1981 |
Kosovo-Albaner fordern für Kosovo den Status einer Republik innerhalb
Jugoslawiens. Es kommt zu starken ethnischen Spannungen zwischen der albanischen
Bevölkerungsmehrheit und den serbischen Bewohnern |
| März 1989/ 90 |
Slobodan Milosevic hebt die Autonomie der Provinz Kosovo auf. Widrstand
der Albaner blutig niedergeschlagen |
| 1990 |
Zerfall des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens |
| 1991 |
Gestützt auf ein Referendum erklärt sich Kroatien, gleichzeitig
mit Slowenien, für unabhängieg |
| Okt. 1992 |
Gründung der UCK. Serben und Kosovo-Albaner beginnen mit Friedensverhandlungen |
| 15. Juli 1997 |
Milosevic wird zum Präsidenten von Jugoslawien gewählt |
| 21. Nov. 1997 |
Die 1966 gegründete Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) sagt den
Kampf gegen die serbische Herrschaft an. Es kommt zu Zusammenstößen
zwischen Kosovo-Albanern und serbischen Polizisten |
| Mai 1998 |
Serbische Einheiten starten eine Großoffensive |
| 16. Juni 1998 |
Milosevic sagt Jelzin Verzicht auf Gewalt im Kosovo zu |
| Juli 1998 |
Es kommt zu schweren Kämpfen zwischen serbischen Einheiten und
der Untergrund-Armee UCK |
| August 1998 |
Mehr als 200.000 Menschen sind auf der Flucht. Die USA drohen Belgrad
wegen der Gewaltanwendung im Kosovo mit einem Militärschlag. Die NATO
bereitet sich auf ein militärisches Eingreifen vor |
| Sept. 1998 |
In einer Resolution fordert der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen,
daß alle Parteien, Gruppierungen und Einzelpersonen im Kosovo (Bundesrepublik
Jugoslawien) sofort die Feindseligkeiten einstellen und eine Waffenruhe
einhalten |
| Oktober 1998 |
Die NATO droht Serbien gegen den Widerstand Rußlands immer vehementer
mit Luftangriffen, falls nicht sofort der UN-Resolution Folge geleistet
wird. In allerletzter Sekunde wendet Milosevic überraschend den Militärschlag
durch sein Einlenken ab |
| Nov. 1998 |
In Serbien entbrennt ein Machtkampf zwischen Milosevic und einigen
Politikern sowie Militärs, die den Kurs des Staatschefs nicht mittragen
wollen. Oppositionelle, Regimekritiker und kritische Journalisten werden
mundtot gemacht |
| Januar 1999 |
Die NATO erhöht weiter den Druck auf Serbien durch die Androhung
eines Luftangriffs, falls Milosevic nicht für Frieden in der krisengeschüttelten
Provinz sorgt |
| Februar 1999 |
Die ersten Friedensverhandlungen zwischen Serbien und offiziellen Vertretern
der Kosovo-Albaner beginnen am 7. Februar auf Schloß Rambouillet
bei Paris. Nach zwei Wochen mühsamer und intensiver Verhandlungen,
verbunden mit Drohungen der NATO und mit dem Ergebnis einer Teileinigung,
schlagen die westlichen Vermittler die Fortsetzung der Verhandlungen innerhalb
von drei Wochen an gleicher Stelle vor |
| 18. März 1999 |
Die Kosovo-Albaner unterzeichnen das Rambouillet-Abkommen, die Serben
nicht |
| 24. März 1999 |
Die Luftangriffe der NATO auf Jugoslawien beginnen |
| Ende April: |
Nach 30 Tagen Luftkrieg gegen Jugoslawien ist Milosevic immer noch
nicht bereit die UN-Resolution zu erfüllen |
Benny Biehl
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