Gedenkstätte Buchenwald


Die Gedenkstätte Buchenwald am Ettersberg in der Nähe von Weimar, wurde im Juni 1937 errichtet und war bis 1945 ein Konzentrationslager. Jedoch wurden dort im Vergleich zu anderen nationalsozialistischen KZ eine relativ große Zahl deutscher politischer Häftlinge, insbesondere Kommunisten und Sozialdemokraten, gefangen gehalten und eine große Zahl überlebte dieses Lager auch. Zunächst war es
für politische Gegner des Naziregimes, vorbestrafte Kriminelle und sogenannte Asoziale, Juden, Zeugen Jehovas und Homosexuelle bestimmt, mit Beginn des 2. Weltkrieges wurden zunehmend Menschen aus anderen Ländern eingeliefert. Durch Aussonderung
von Häftlingen in die Vernichtungslager war Buchenwald in den Vernichtungsapparat des Nationalsozialismus integriert. Das Konzentrationslager war ein Arbeitslager (Arbeit bis zum Tod) und kein Vernichtungslager wie Auschwitz.

Am 14. September 1958 wurde die "Nationale antifaschistische Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald" durch die DDR eingeweiht.

Das sogenannte Speziallager 2 Buchenwald wurde im August 1945 errichtet. Es war eines der insgesamt 10 Lager und drei Gefängnisse in der sowjetischen Besatzungszone, die von der Besatzungsmacht zur Internierung von Deutschen benutzt wurden.


Aufbau


Die Gedenkstätte besteht heute aus vier Grundelementen: dem Häftlingslager, dem SS-Bereich, den beiden Friedhöfen und den Denkmälern. Neben dessen befindet sich noch eine Gedenkstätte an das sowjetische Speziallager Nummer 2.


Häftlingslager


Das 1937 erbaute Torgebäude war der einzige Ein- und Ausgang des Häftlingslagers. Das Tor zum Appellplatz trägt die Inschrift "JEDEM DAS SEINE." Das bedeutet, dass es eine Strafe ist, nach Buchenwald zu kommen. Außerdem besteht es aus einem Lagertor, Arrestzellenbau (Bunker), Lagerbaracken, Krematorium, Häftlingskabine, Pathologische Abteilung, Leichenkeller, Genickschussanlage, Verbrennungsraum, Desinfektionsgebäude, Häftlingskrankenrevier, Fleckfieberseruminstitut und dem kleinen Lager(Quarantänezone). Die blockhaft-geschlossene Anstalt war in Blöcke eingeteilt und jeder Block hatte seine eigene Funktion, sowie eine eigene Nummer.


SS-Bereich


Dieser Bereich besteht aus der 1939 von Häftlingen ausgebaute Zufahrtsstraße zum Lager, der Blutstraße. Parallel dazu verlief die Bahnlinie; ein Teil des Bahndamms ist seit 1998 freigelegt.

Der Bahnhof Buchenwald war Ausgangsort für Transporte von nicht mehr arbeitsfähigen Häftlingen in das Vernichtungslager Auschwitz und 1945 Endstation für Evakuierungstransporte aus den Lagern im Osten.
Von dem angrenzenden Gustloff-Werk II sowie von den gegenüberliegenden SS-Truppengaragen sind heute nur Fundament- und Mauerreste erhalten.


Friedhöfe


Auf dem Gelände der Gedenkstätte befinden sich der Friedhof Ettersberg, sowie die Gräberfelder des sowjetischen Speziallagers.


Denkmäler


Während der DDR-Zeit wurden an ausgewählten Orten des ehemaligen Konzentrationslagers Gedenksteine aufgestellt: am Sonderlager auf dem Appellplatz für Polen im Winter 1939/40, am Lager für sowjetische Kriegsgefangene 1941, für die ermordeten sowjetischen Soldaten im Pferdestall, für alliierte Armeeangehörige (Block 17), für bulgarische Häftlinge (Block 45).

Das Hermannsdenkmal(Mahnmal) wurde auf Südseite des Ettersbergs 1954-1958 gebaut, ein Gedenkstein erinnert an das jüdische Sonderlager. Ein jüdisches Mahnmal, ein Denkmal für alle Häftlinge des Konzentrationslagers, ein Denkstein zur Erinnerung an die über 26.000 Frauen und Mädchen, sowie das Denkmal "Kleines Lager“ gehören ebenfalls, neben den Erinnerungsstätten für verschiedene Personen wie bspw. Bonhöffer, zu den Denkmälern auf dem Gelände der Gedenkstätte.

Am Ostausgang erinnert eine Gedenktafel daran, dass der Weimarer Bahnhof von 1938 bis 1945 "Umschlagplatz für Menschen aus ganz Europa" war.




Woran soll die Gedenkstätte nun erinnern? Professor Eduard Ullmann, Direktor des Museums für Deutsche Geschichte, benannte 1953 die Ziele für die Nutzung Buchenwalds als „zentrale Gedenkstätte der KZ-Lager“:

Die Führung und das Museum sollen erzieherisch wirken und Wissen vermitteln von dem Wesen des Faschismus, des Kampfes gegen den Faschismus und es sollte das Lehren der antifaschistischen Widerstandsbekämpfung für den damaligen Kampf für die Einheit Deutschlands zur Absicht haben. Zudem sollte es den Frieden vermitteln!

Auch sollte die Gedenkstätte die Rolle der Sowjetunion im Kampf gegen den Hitlerfaschismus herausarbeiten. Die hervorragende Rolle der Arbeiterklasse und der Kommunistischen Partei im Kampf gegen den Hitlerfaschismus sollte ebenfalls hervorgehoben werden.

Der Historiker Manfred Overesch befand es 1995 als Ziel, dass dieses Denkmal die Bevölkerung an diesen Staat binden sollte. Man sollte den Widerstandswillen der deutschen Kommunisten gegen NS bis auf seine historischen Wurzeln zurückverfolgen und nachweisen können!


Die Gedenkstätte sollte zudem folgende Denkanstöße bringen:

- Gesamtanlage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht

- Denkmal „Die befreiten Häftlinge“ von Fritz Cremer

- Auf dem Ettersberg der Bau eines Glockenturms

- Umwandlung der Effektenkammer in ein Museum


Denkmal „Die befreiten Häftlinge“


Die Plastik

Die Plastik besteht aus einer Gruppe von elf Bronzefiguren, die KZ-Häftlinge darstellen: Kahle Schädel, zerlumpte Kleidung, ausgemergelte Körper. Sie schauen alle über den Betrachter hinweg - mit festem Blick in dieselbe Richtung. Am linken Rand der Gruppe steht ein Kind. Rechts daneben ein Fahnenträger. Neben ihm tritt ein mit einem Gewehr bewaffneter Häftling nach vorn. Daneben streckt ein Häftling seine rechte Hand in einer Siegerpose zum Schwur empor. Vor ihm bricht ein Häftling in einer Pose zusammen. Der Stürzende reißt beide Arme mit geballten Fäusten nach oben. Rechts von ihm stehen sechs weitere Häftlinge, bewaffnet und unbewaffnet, zweifelnd und diskutierend. Das Denkmal erinnert augenscheinlich nur an die politischen bzw. kommunistischen Häftlinge des Konzentrationslagers. In der Gruppe sind keine wehrlosen Opfer, sondern heroische Sieger dargestellt. Die von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgten Juden, Roma oder Homosexuellen tauchen also nicht auf.

Die Buchwald-Plastik ist in die weitläufige Gedenkstätte auf dem Ettersberg fest integriert. Sie steht am Ende einer langen Treppe, die von den Massengräbern hinauf zum Glockenturm mit der ewigen Flamme führt. Die Häftlinge blicken über die Treppe und die Massengräber weit nach Süden ins Weimarer Land. Die Anordnung ist ganz auf die Besucher zugeschnitten, die von den Massengräbern zum Glockenturm hinaufsteigen. Der Betrachter steigt von den Toten über die lange Treppe zu den Kämpfenden und Überlebenden hinauf. Dabei wird die Plastik im Idealfall von der Sonne angestrahlt. Hinter den Häftlingen ragt der Glockenturm steil in die Höhe. Das Bauwerk erinnert an die 56.000 KZ-Toten und an den Schwur der überlebenden Häftlinge, den Faschismus "mit seinen Wurzeln" auszurotten. Der Turm wurde aus Steinen errichtet, die für das von den Nationalsozialisten geplante Weimarer "Gauforum" gedacht waren. Das Forum in der Klassikerstadt sollte das politische Zentrum des Gaues Thüringen werden.


Die Legende

Das Buchenwald-Mahnmal thematisiert zwei Legenden: Zunächst wird die angebliche Selbstbefreiung der Häftlinge dargestellt. Die DDR-Legende wollte es, dass die Häftlinge sich im April 1945 unter kommunistischer Führung selbst befreiten. Mit einschmuggelten Waffen sollen sie die Wachtürme gestürmt haben. Tatsächlich waren die SS-Wachmannschaften, die die innere Verwaltung des Lagers in die Hände der kommunistischen Häftlinge gelegt hatten, vor den heranrückenden Amerikanern zu diesem Zeitpunkt bereits geflohen, so dass die Häftlinge das Lager den US-Streitkräften übergeben konnten. Den heroischen Aufstand der Häftlinge, wie in der Plastik dargestellt, gab es nicht.

Die zweite Legende dreht sich um das Kind am linken Rand der Figuren-Gruppe. Die Geschichte des Jungen hat der Schriftsteller und ehemalige Buchenwald-Häftling Bruno Apitz in seinem Roman "Nackt unter Wölfen" verarbeitet. Zwar trägt die Geschichte um die Rettung des jüdischen Kindes authentische Züge, doch ist der Roman ganz im Sinne des "verordneten Antifaschismus" geschrieben. Selbstlose Kommunisten organisieren die Rettung des Kindes und bereiten gleichzeitig den Aufstand im Lager vor.


Die Entstehung

1954 hatte Fritz Cremer den Auftrag bekommen, ein Denkmal für die Gedenkstätte Buchenwald zu schaffen.

Zwei Entwürfe des Künstlers lehnten die SED-Oberen ab, weil darin weder Waffen- noch Fahnenträger vorkamen. Als der dritte Entwurf 1956 gebilligt wurde, war das Projekt schon im Zeitverzug. Deshalb wurden zur Einweihung des Glockenturms im September 1958 provisorisch bronzierte Gipsfiguren auf den fertigen Sockel gestellt. Die Bronzefiguren - darunter der Junge, Fahnenträger, Kämpfender, Stürzender, Diskutierender und Zweifler - kamen erst im Sommer 1959 an ihren endgültigen Platz und sind seitdem Symbol für die Opfer und Toten das KZ Buchenwald. Trotz aller Kritik am Figurenprogramm und der Aussagen der Plastik bleibt es ein Verdienst der DDR, das erste deutsche Denkmal für die Opfer des Faschismus geschaffen zu haben.

Quellen: www.buchenwald.de

www.mdr.de

Geschichte und Geschehen, Ernst Klett Schulbuchverlag Leipzig GmbH, Leipzig 2002