Der
Prozess des Bierbrauens
Der erste Arbeitsvorgang bei der Herstellung
eines Bieres ist das Mälzen. Die Getreidekörner enthalten eine große Zahl
wertvoller Bestandteile – Vitamine, Proteine, Kohlenhydrate und Mineralien.
Doch alle diese Schätze liegen fest verschlossen im Inneren des Korns, geschützt
durch die harte Hülse, die Spelze. Das Getreide muss für den Brauprozess also erst einmal aufbereitet werden.
Der erste Schritt besteht darin, das (zuvor
gründlich gereinigte) Getreide zwei Tage lang in Wasser einzuweichen, bis es zu
keimen beginnt. Die Keimlinge werden dann in Keimkästen umgesiedelt, wo der
Keimvorgang fortschreitet. Wenn die Getreidekörner keimen, beginnt eine winzige
biologische „Fabrik“ in ihnen zu arbeiten: Es entstehen Enzyme, andere Enzyme
werden aktiviert und die Kohlenhydrate werden zu einfachen Zuckern abgebaut,
die den Keimling ernähren. Er wächst und durchbricht die harte Außenhaut des
Korns; dabei werden Eiweiße zu Aminosäuren ab- und organische Phosphate
aufgebaut. Wenn dieser Vorgang im Ackerboden abläuft, ist bald ein neuer Getreidehalm
zu sehen.
Der Mälzer hat nun erreicht, was er zur
weiteren Verwendung des Korns benötigt: Die Inhaltsstoffe des Korns sind nun
nicht mehr von der Spelze eingeschlossen, die Stärke, die sich nicht vergären
lässt, hat sich teilweise in Zucker umgewandelt und neue, wertvolle Stoffe sind
entstanden. Der Mälzer ist bei diesem ersten Vorgang jedoch kein passiver
Zuschauer, sondern durchaus aktiv beteiligt, denn er steuert den Keimvorgang
durch eine genau abgewogene Zufuhr von Feuchtigkeit, Sauerstoff und durch die
Kontrolle der Temperatur. Aus dem Getreide ist das sogenannte Grünmalz geworden
– nun kann der zweite Schritt des Mälzens erfolgen: das Darren.
Der eingeleitete Keimvorgang muss nämlich
rechtzeitig wieder gestoppt werden, da ansonsten die entstandenen Stoffe für
den Aufbau der Pflanze aufgebraucht würden. Das Keimen wird unterbrochen, indem
das Grünmalz gedarrt, d. h. bei bis zu 80 °C getrocknet wird. Temperatur,
Luftfeuchtigkeit und Dauer des Darrens entscheidet darüber, ob das Darrmalz
dunkel oder hell wird, und damit, ob ein dunkles oder ein helles Bier entsteht.
Nach dem Darren wird das Malz noch von den
Keimlingen gereinigt. Dann ist das Braumalz lagerfest. Es enthält nur noch 3 –
4 % Wasser. Doch die Enzyme, die beim Keimvorgang entstanden sind, die sogenannten
Amylasen, ruhen nur, bis sie mit Wasser in Berührung kommen – dann werden sie
wieder aktiv.
Nun beginnt das eigentliche Brauen. Dafür
wird zunächst einmal das Braumalz in
speziellen Walzenmühlen geschrotet (gemahlen). Das Malzschrot, das aus der
Mühle kommt, wird dann vermaischt, d.h. es wird im Maischbottich mit
Wasser vermischt und dann auf verschiedene
Temperaturen erwärmt, wobei sich auch
schwerer lösliche Teile des Braumalzes verflüssigen. Außerdem werden die Enzyme des Malzes wieder aktiv
und wandeln nun die restliche unlösliche Stärke in Malzzucker (Maltose) und
Eiweiße in wertvolle Aminosäuren um.
Die trübe Mischung wird dann im Läuterbottich
in lösliche und unlösliche Bestandteile getrennt – natürlich nicht chemisch,
sondern rein physikalisch. Die Treber
(die unlöslichen Teile) setzen sich auf dem Boden des Bottichs ab und
bilden einen natürlichen Filter. Durch ein Ventil läuft dann die klare Flüssigkeit
ab, welche vom Braumeister an der Durchlaufkontrolle auf Qualität und Reinheit
geprüft wird. Diese Flüssigkeit nennt man Würze.
Die Würze läuft aus dem Läuterbottich in die
Sudpfanne. Hier kommt nun zu Wasser und Malz der dritte Grundstoff des Biers:
der Hopfen.
In der Sudpfanne werden Würze und Hopfen
gemischt und gekocht. Dabei verdampft Wasser und der Sud wird dicker – solange,
bis die vom Braumeister gewünschte Konzentration erreicht ist. Der eingedickte
Sud ist die Stammwürze, deren Gehalt an gelösten und vergärbaren Stoffen in
Prozent angegeben wird. Der Stammwürzegehalt bestimmt, wie viel Alkohol das
fertige Bier schließlich haben wird. Als Faustregel gilt: Stammwürzegehalt
geteilt durch 3 gleich Alkoholgehalt des Biers.
Bevor dem Bier der Geist eingehaucht wird –
bevor es also zur Gärung kommt-, wird die Stammwürze jedoch nochmals geklärt,
beim Kochen ausgefällte Eiweißteile, sowie Hopfenrückstände werden größtenteils
entfernt.
Die geklärte Würze wird nun abgekühlt und in
die Gärbottiche abgefüllt. Nun geschieht das „Geheimnis der Gärung“, das heute
kein Geheimnis mehr ist: Die Hefe, die der Würze in diesem Arbeitsgang hinzugefügt
wird, verändert die chemische Zusammensetzung des Gebräus. Insbesondere zwei
Stoffe entstehen, die das Bier zu dem prickelnden, belebenden Genussmittel
machen, das die Biergenießer so sehr lieben: Die „Kohlensäure“ und der Alkohol.
C6H12O6
=======>2 C2H5OH + 2 CO2
Das
„Prickeln“ im Bier rührt nämlich von dem Kohlendioxid (im Volksmund
„Kohlensäure“) her, das die Hefe bei der Gärung produziert, und auch der
Bieralkohol ist das Ergebnis der Arbeit der
Hefepilze, die den Zucker des Suds in Alkohol umwandeln.
Die Hefepilze vermehren sich und sammeln sich
entweder an der
Oberfläche oder aber am Boden. Ob die Hefe
nach oben steigt oder sich absetzt, hängt aber keineswegs vom Zufall ab – und
es macht einen ganz entscheidenden Unterschied. Es gibt nämlich unterschiedliche
Hefe-Arten, die verschiedene Wachstumsbedingungen benötigen und die den
grundlegenden Charakter des Bieres bestimmen. Biere, für die eine Hefe
verwendet wird, die sich an der Oberfläche sammelt, sind obergärige Biere. Wenn
die Hefe auf den Boden sinkt, spricht man von
untergärigem Bier, das aufgrund des Reinheitsgebotes in Deutschland
stets ein Gerstenbier ist.
Der Gärungsprozess dauert bei untergäriger
Hefe, die am besten bei Temperaturen zwischen 4 und 9°C vergärt, ungefähr eine
Woche. Die obergärige Hefe vergärt schneller, bei einer optimalen Wachstumstemperatur
zwischen 15 und 20°C.
Ist dieser Prozess weitgehend abgeschlossen, ist
Bier entstanden. Allerdings noch kein wirklich trinkbares Bier, sondern das
sogenannte „Jungbier“. Das Jungbier muss
nun erst noch einige Tage (obergäriges Bier) bzw. Monate (untergäriges
Bier) reifen und nachgären – dann wird es noch einmal gefiltert und endlich in
Flaschen und Fässer abgefüllt.