Die Hanse
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  1. Wirtschaft in der nordeuropäischen Hemisphäre vor Entstehung der Hanse

Im Zuge der Völkerwanderung Germanenstämme ins römische Reich ein. Der Handel geht im Mittelmeerraum zurück, zumal auch der Islam sich dort festsetzte. Es entstehen zwei unabhängige Wirtschaftsräume – der östliche und der westliche Mittelmeerraum. Handel zwischen den Kulturen fand eigentlich nur im adriatischen Meer und in der Ägäis statt. Die italienischen Städte richten ihre Handelsbeziehungen nach Norden neu aus. Eine Ausweichmöglichkeit war die Handelsroute über Donau von Gallien nach Byzanz und umgekehrt. Diese Route konnte aber nur bis zum Erstarken der Magyaren
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benutzt werden.

Schon in der vorhansischen Zeit gab es regen Handel entlang Nordeuropas Küsten, der hauptsächlich von Friesen, Flamen, Skandinaviern, Balten und Slawen betrieben wurde. Der Handel wurde größtenteils über See mit kleinen bis kleinsten Schiffen abgewickelt; Wikinger nutzen oft das Gokstadschiff( s. Anhang A). Deutsche Kaufleute waren an diesem Handel noch nicht beteiligt, da ihr Territorium noch nicht die Nord- bzw. Ostseeküste erreichte. Schweden und Normannen siedelten in Skandinavien, Dänen auf Jütland und slawische Stämme an der Ostseeküste von Holstein bis nach Samland. Erster Handel zwischen den Stämmen fand statt aufgrund der Eroberungszüge der Wikinger auf den britischen Inseln, nach Frankreich und ins Mittelmeer, die allerdings auch Handelsinteressen offenbarten. Zeugnis dieser Aktivitäten ist u. a. die Stadt Haithabu, die in der Nähe der heutigen Stadt Schleswig im Bundesland Schleswig-Holstein gelegen haben dürfte. Überhaupt hat keiner der wikingischen „vigs“ überlebt. Gründe hierfür könnten sein, daß die „vigs“ keine bedeutende Fluchtburg hatten oder das Fehlen großer Herrschaftssitze wie Burgen, Klöster oder die Zerstörung durch die Slawen. Nach zahlreichen Plünderungen und Belagerungen durch slawische Völker im 10. und 11. Jahrhundert trat Schleswig schließlich mit Ausklang des 11. Jahrhunderts an seine Stelle. Ebenso bedeutsam ist die Insel Gotland, zentral in der Ostsee gelegen, die jeder Händler ansteuerte auf seinem Weg nach Nowgorod am Ilmensee. Ein weiteres Zeugnis für die Wichtigkeit dieser Handelsaktivitäten sind die zahlreichen Funde von orientalischen Münzen auf der Insel Gotland und in Skandinavien. Kaufleute schlossen sich häufig zu Hansen zusammen, die im Konvoi zu ihrem Ziel fuhren, um sich gegenseitig Schutz vor Piraterie zu gewährleisten( Hanse bedeutet im Mittelhochdeutschem Genossenschaft; s. etymologisches Wörterbuch) - ein Vorläufer der späteren Kaufmannshanse.

  1. Entstehung der Kaufmannshanse

  1. Einfluß deutscher Kaufleute im Handelswesen vor der Gründung Lübecks

Als deutsche Händler versuchten im nordeuropäischen Handel Fuß zu fassen, trafen sie auf hartnäckige Konkurrenz. Die Skandinavier reisten auf den Routen ihrer Vorfahren. Kölner Händler hatten sich in England zahlreiche Privilegien gesichert, u.a. das Recht im ganzen Land Waren zu vertreiben, und ein eigenes Handelshaus, die Gildehalle, erworben, nachdem ihnen König Heinrich II. das Privileg verlieh, permanent in seinem Königreich anwesend zu sein(um 1130). Zudem wurde das Erscheinen der Deutschen in einen allgemeinen Wirtschaftsboom gebettet; zu sehen ist dies besonders in Flandern, wo das Gewerbe in den Städten einen sehr großen Aufschwung nahm, insbesondere das Tuchgewerbe. Die slawischen Händler wurden fast ganz aus dem Geschäft gedrängt, denn im Zuge der Ostkolonisierung verloren sie ihre Siedlungsplätze an der Ostseeküste. Russen und Sachsen hatten keinen großen Anteil am Handel in vorhansischer Zeit. Deutsche Händler besaßen allerdings einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten: Sie konnten sich auf eine überlegene Schiffsbautechnik stützen, denn ab Beginn des 13. Jahrhunderts ist anzunehmen, daß die Koggen auf den Meeren auftauchten.

  1. Gründung Lübecks 1159

Was die Gründungsgeschichte der Stadt Lübeck angeht, sind sich die Historiker anscheinend nicht ganz einig. Es besteht Einigkeit darüber, daß an der Travemündung eine Stadt mit Namen Lübeck seit Mitte des 11. Jahrhunderts bestand, und das diese Hauptstadt des Obotritenreiches offenbar in heftiger Konkurrenz zu Schleswig stand. Doch spätestens beim Datum des Unterganges der Stadt scheiden sich die Geister. Es werden einmal 1138 genannt und kein Datum des Wiederaufbaus der alten Stadt Lübecks, auf der anderen Seite jedoch 1143 als Jahr des Wiederaufbaus angegeben. Bei der Belagerung durch Niklot, im Jahre 1147 Obotritenfürst, soll einerseits die Stadt besiegt andererseits jedoch siegreich aus der Schlacht hervorgegangen sein - Widersprüche über Widersprüche( vgl. hierzu Johannes Schildhauer, Die Hanse - Geschichte und Kultur, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt a. M. 1988 auf der Seite 15 und Dieter Zimmerling, Die Hanse, Econ Verlag, Düsseldorf 1976 im Kapitel Markenname „Lübeck“ auf Seite 35/36). Die Stadt Lübeck wurde 1159 noch einmal gegründet und mit aller erdenklicher Starthilfe für einen zügigen Wiederaufbau durch Herzog Heinrich von Sachsen ausgestattet. Die Stadt erhielt die ehrenvollsten Recht einer Stadt. Das hatte verschiedene Konsequenzen. Die Lübecker Kaufleute wurden von allen Zöllen in Sachsen befreit, sie erlaubten die Anfänge einer Selbstverwaltung, überall im Herzogtum galt das Lübecker Recht für sie: „Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag.“ Die Obotriten, die Lübeck in seiner Entstehung so manche Probleme bereiteten, wurden 1160 mit Hilfe von König Waldemar I. von Dänemark geschlagen. 1161 ( 1163 ) schloß o.g. Herzog Heinrich einen Kontrakt mit den Gotländern, welcher beinhaltete, daß Lübecker Händler auf Gotland ungehindert und zollfrei handeln dürfen und umgekehrt. Die nach Gotland reisenden Deutschen schließen sich zur „Genossenschaft der Gotland besuchenden Deutschen zusammen“ - quasi die Ur-Hanse, in der noch der Händler oder besser gesagt seine Genossenschaft das Wort hatte und nicht der Rat der Stadt! 1226 überträgt Friedrich II. der Stadt Lübeck die Würde einer Reichsstadt. Souveräne können damit keine Besitzansprüche mehr stellen( s. Anhang C). Später wird Lübeck zu dem wendischen Drittel der Hanse gehören, da einstmals die Wenden auf ihrem jetzigen Territorium lebten.

  1. Ausdehnung des Machtbereiches der Lübecker Kaufleute

Der Lübecker Kaufmann suchte immer nach Geschäften, die ihm hohe Gewinne abwarfen. Es bot sich das Import - Export Geschäft an. Anlaufpunkt im Osten war Nowgorod. Es gab zwei Möglichkeiten nach Nowgorod zu gelangen; einen traditionellen Weg über Wasser, der, einst von den Wikingern entdeckt, aber einige Hindernisse aufwarf. Zuerst wurde nach Gotland gesegelt, um dort Proviant aufzunehmen und Handel zu treiben, dann fuhr man weiter zum Ladogasee, den man über die Newa erreichte und über diesen mußte man zur Mündung des Wolchow fahren, an dem Nowgorod lag( in seiner Blütezeit 25000 bis 30000 Einwohner). Unglücklicherweise wies er einige Stromschnellen auf, die erst gefahrvoll gemeistert werden mußten. Der andere Weg lief auf dem Landweg von Riga über kleine deutsche Orte nach Nowgorod. Deutsche Kaufleute errichteten in Nowgorod zudem ein eigenes Haus für ihre Handelsaktivitäten, den Peterhof, dessen Existenz seit 1205 als belegt gilt. Vorsteher dieses Hauses war der gewählte Älterman. Nach der Gründung Rigas 1201 versuchte man mit Schlitten nach Nowgorod zu gelangen. Der Weg war aber immer gefährlich aufgrund der zahlreichen Überfälle durch Litauer. Populär wurde der Landweg zudem nie. Nowgorod bot alle Naturprodukte, die das gewaltige Hinterland zu bieten hatte, als da wären: Pelze, Holz, Asche, Erz. Im Gegenzug brachte man verarbeitete Produkte aus dem Westen mit nach Nowgorod: Tuch, Metallerzeugnisse. Allgemein ist festzuhalten, daß sich die Handelssphären des Lübecker Kaufmannes im Zuge der Ostchristianisierung und Kolonisierung ausbreitete. Während im 12. Jahrhundert hauptsächlich der Handel über Nowgorod und Gotland abgewickelt wurde, standen im 13. Jahrhundert auch die im Zuge der Ostbesiedelung gegründeten Städte zur Verfügung; auf der Insel Gotland wird die Stadt Visby gegründet(1225) und der Heringsfang vor Schonen sind die neuen Einnahmequellen. Im Osten hatte es die Kaufmannshanse leichter als im Westen, wo sie auf härtere Konkurrenten traf, die sich jeweils etabliert und Rechte zusichern haben lassen. An Schweden waren für die Lübecker der Heringsfang vor Schonen und Erz interessant. Schnell hatten die Lübecker im Heringsgeschäft eine Monopolstellung, weil sie es verstanden, den Fisch zu pökeln und ihn damit in sehr großen Massen zu verkaufen. Immer zu den Fangzeiten des Herings( im Sommer) gab es auch die Schoneschen Messen, zuerst nur eine Art Markt, wo es Hering gab, doch im Laufe des 13. Jahrhunderts wurden die Messen immer größer und es geschah, daß man sogar Engländer und Niederländer antraf und es alles zu kaufen gab. Bedeutende Erzausfuhrhäfen waren Kalmar und Seit ihrer Gründung 1251 auch Stockholm. Interessant ist, daß alle deutschen Händler, die sich in Schweden niederlassen, auch als schwedische Bürger akzeptiert werden sollten. So will es der schwedische Reichsregent Birger Jarl, der mit dem Prinzip der Verleihung von Handelsprivilegien an ausländische Händler um die eigene Wirtschaft anzukurbeln, voll im Trend der Zeit liegt( 1251). So ist der Stockholmar Stadtrat z.B. aus je zur Hälfte Schweden und Deutschen zusammengesetzt, obwohl die Einwohnerzahl der Deutschen in Stockholm nie die der Schweden erreichte. Man kann daraus ersehen, welche Bedeutung die deutschen Patrizier für die schwedische Politik und Wirtschaft hatten.
Auch Norwegen bot den Lübeckern ein begehrtes Handelsobjekt, den Stockfisch. Doch sie hatten es hier nicht so einfach sich ihre Privilegien zu sichern wie in Schweden, wo sie ihnen geradezu in den Schoß gefallen sind. Die norwegische Bevölkerung und zeitweilig auch das Herrscherhaus waren deutschfeindlicher eingestellt. Auch trafen hier die Lübecker auf ihre Landsleute, auf Bremer Kaufleute, die sich im Stockfischhandel schon profiliert hatten. So dauerte es immerhin zehn Jahre, bis Lübeck das Handelsmonopol für Stockfisch innehatte. Das Lübeck es immerhin doch schaffte, lag an der latenten Getreideknappheit der Norweger.
Seit Beginn des 13. Jahrhunderts machten Lübecker Händler auch Handel mit England. Sie wurden hier Osterlinge genannt, aufgrund ihrer Herkunft aus dem Osten. Köln hatte sich traditionell beim englischen Monarchen kaufmännische Rechte erschafft. Aber auch die Bremer und Hamburger waren nicht erfreut über den neuen Konkurrenten auf dem englischen Markt. Lübeck hatte aber einen Trumpf im Ärmel. Pelze aus Rußland waren der Knüller überhaupt, und sie konnten sie in großen Mengen anbieten, was ihnen die Gunst des englischen Herrscherhauses und damit 1235 Privilegien( Schutz des Königs, Zollfreiheit, Recht des Handelns im ganzen Land) einbrachte. 1266 bekamen die Hamburger wie auch die Lübecker das Recht zugestanden in England Hansen zu gründen. Zusammen mit Köln, wurde 1281 ein Dachverband gegründet, die deutsche Hanse, um zu kooperieren und sich nicht gegenseitig zu schädigen, es wurde aber nicht fusioniert. An der Spitze stand wie in Nowgorod ein Älterman. Als Köln 1324 den beiden anderen Hansen den Zutritt zur Gildehalle verweigerte, zogen sie in den nahen Stalhof um.
Etwa zur gleichen Zeit finden sich auch Lübecker Händler in Flandern ein. Dort erlebt gerade Brügge aufgrund seiner exzellenten Seeverbindung einen rasanten Aufschwung. Hier gibt es auch keine Rivalitäten zwischen den einzelnen deutschen Städten, da keiner irgendwelche Rechte zu verteidigen hatte. Die Lübecker boten hier Hauptsächlich Naturprodukte aus dem Osten an, insbesondere Getreide, da Flandern zu jener Zeit ein Landstrich mit einer verhältnismäßig hohen Bevölkerungsanzahl war, und die Versorgung der Bevölkerung mit einheimischen Vorräten war insbesondere in Perioden mit schlechten oder mäßigen Ernten ein sehr großes Problem. Auch hier konnte sich die Lübecker Hanse zahlreiche profitable Vorrechte sichern.
Zusammenfassend ergibt sich nun ein imposantes Bild davon, in welch rasantem Tempo die Kaufleute aus Lübeck ausgeschwärmt sind, um sich beim jeweiligen Herrscher Rechte zusichern zu lassen, und dann gewinnbringenden Handel zu treiben. Gewährleistet wurde dies durch die überlegene Schiffsbautechnik, die überlegene kaufmännische Organisation, was den Zusammenschluß zu Genossenschaften und den Vorteil der Kontore als Lager- und Verwaltungshäuser meint, und schließlich durch den rationalisierten Städtebau. Zudem beherrschen die Kaufleute das Angebot-Nachfrage-Prinzip exzellent.

  1. Herausbildung der Städtehanse

Bisher vertrat die gotländische Genossenschaft die lübischen Händler. Doch dies war nicht mehr zeitgemäß, da die zu Vertretenden sich über die gesamte nördliche Hemisphäre ausgebreitet hatten. Zudem lagen Visby und Gotland nicht mehr unbedingt an einer Haupthandelsader. Der Handel hatte sich mehr nach Schonen und Flandern verlagert. Die Vertreter der wendischen Städte legten fest, daß die gotländische Genossenschaft keine Entscheidungsgewalt mehr hat, sondern die Städte ihrer selbst mit ihrem eigenem Siegel. Dies ist die eine Wurzel der Städtehanse. Die andere sind die Städtebünde der Heimatstädte, die gegründet wurden, um sich vor allzu machtgierigen Fürsten zu schützen, die in Norddeutschland leichtes Spiel haben, da sich das Kaisertum unter Friedrich II. hauptsächlich mit Italien beschäftigt. Zwischen 1254-1273 gab es gar keinen Kaiser, der die Rechte der Städte hätte schützen können( sog. Interregnum). Die rheinischen Städte schlossen sich 1256 zum rheinischen Städtebund zusammen, 1246 wurden der westfälische und sächsische Bund gegründet, um jeweils gemeinsame Interessen zu schützen. Das wichtigste Bündnis aber war das zwischen den beiden wendischen Städten Hamburg und Lübeck, galt es doch den Warentransport von Lübeck nach Hamburg und umgekehrt zu schützen, denn der Seeweg durch das Kattegat und Skagerrak wurde erst im 14. Jahrhundert zögernd gewählt. Dies waren zwar nur lokale Städtebünde, doch vertraten sie auch die Interessen ihrer Kaufleute in der Ferne.
Als erste Stadt bekam Brügge diese Veränderung zu spüren. Die Hanse sah nämlich ihre Privilegien gefährdet, und verhängte 1282 ein Handelsembargo gegen Brügge. Brügge erlag dem Druck der Hanse und stand ihr alle Rechte wieder zu, ein später sehr beliebtes Mittel der Hanse.
Das letzte Kriterium der Selbständigkeit der Kaufmannshansen war die Macht über ihre Kontore in London, Brügge, Nowgorod und Bergen. So setzte 1361 eine Städtegesandtschaft aus Lübeck und Visby durch, daß alle innen- wie außenpolitischen Fragen des Nowgoroder Kontors ab jetzt von den Städten beantwortet werden sollen. In Bergen galt dieses schon länger. Nur der Stalhof hatte sich bis jetzt dem Einfluß der Städte entziehen können. Doch im Laufe des Hundertjährigen Krieges( 1337-1453) verlangte der englische König mehr und mehr Geld von den Kaufleuten. In ihrer Not wanden sie sich 1374 an die Städte. Eine Abordnung setzte beim König eine Lösung des Problems durch, doch der Kontor wurde der Hanse unterstellt.

  1. Inneres

Die Einteilung in Herkunftsdrittel erscheint erstmals 1347 in Brügge. Das lübisch -sächsische Drittel mit seinem Hauptort Lübeck bildete sicherlich die stärkste Fraktion. Die beiden anderen Drittel sind das gotländisch - preußische und das westfälisch - livländische, die zusammen etwa dasselbe Wirtschaftspotential wie das erste Drittel gehabt haben dürften. Weil der Flandernhandel so bedeutsam für die Hanse war, betrachtete man diese Einteilung bald als allgemeinverbindlich. 1358 schlossen sich die Städte zum Bund „von der dudeschen hanse „ zusammen. 1418 beauftragt der Hansetag Lübeck mit der Geschäftsführung des Bundes, die Stadt wurde Vorort. Der Hansetag war das Beschlußgremium des Bundes. Diese Hauptversammlung der Mitgliedsstädte entschied über Kriegserklärungen, Friedensschlüsse, Ratifizierung von völkerrechtlichen Verträgen, schlichtete aber auch Streit zwischen Mitgliedern. Allerdings gab es keine festgesetzten Termine, wann ein Hansetag abzuhalten ist oder nicht. Auch der Tagungsort variierte. Lübeck schrieb die zu beteiligen Städte einfach an, unterbreitete ihnen damit den Termin. Entweder eine Delegation reiste an oder nicht. Sehr oft wurden Hansetage auch verschoben, da Reisezeiten nicht genau zu bestimmen waren aufgrund unvorhersehbarer Dinge wie Raubüberfällen, vielleicht war der Stadt die Entsendung einer Delegation auch zu teuer. Begann dann nun endlich die Tagung, wurden Beschlüsse mehrheitlich gefaßt, die Minderheit hatte sich zu fügen, was sie aber selten tat. Auch reisten die Unterhändler einer Stadt gerne ab, um einer Abstimmung zu entgehen. Beschlüsse der Hansetage werden Hanserezesse genannt. Die Umsetzung der Beschlüsse war Sache der Städte. Außer den allgemeinen Hansetagen wurden noch sogenannte Dritteltage abgehalten, bei denen nur die Städte des Drittels anwesend waren.
Eine Stadt konnte nur dann Mitglied der Hanse werden, wenn sie einen Antrag auf einem Hansetag stellte. Genauso konnte der Hansetag die Verhansung beschließen, was den Verlust der hansischen Privilegien und den Ausschluß aus der Hanse für die Stadt zur Folge hatte. Hansische Privilegien galten nur für die Kaufleute, die das Bürgerrecht einer Hansestadt hatten. Es gab aber auch Ausnahmen, was die Mitglieder angeht. So war ein Fürst Mitglied der Hanse, der Hochmeister des Deutschen Ordens. Besonders in den Kriegen gegen Dänemark sollte dies von Vorteil für die Hanse sein. Zur Vollständigkeit soll auch noch die Bauernrepublik Dithmarschen erwähnt werden, ebenfalls Bundesgenosse von 1468-1568. Sie stand in ständiger Feindschaft zu Dänemark, schlug u.a. ein dänisches Heer 1500 bei Hemminstedt.
Die sächsische Stadt Braunschweig wollte sich mit der seit 1347 bestehenden Drittelung nicht zufrieden geben. Es beanspruchte ein eigenes Drittel. Ähnliches forderte auch Danzig. Da Lübecks Ansehen am Ende des 15. Jahrhunderts nicht mehr so groß war, mußte es nachgeben, und der Hansetag beschloß eine Neuaufteilung in vier Quartiere: das preußisch - livländische, dem Danzig vorstand, das sächsische mit der Hauptstadt Braunschweig, das lübische mit Lübeck und das westfälische Viertel mit Dortmund und Köln.


  1. außenpolitische Kontroversen der Hanse im 14. Jahrhundert

  1. Erich VI. Menved

Schon zum Ende des 13. Jahrhunderts versuchten die Fürsten die Macht der freien Reichsstädte einzuschränken, um von ihrem Reichtum zu profitieren. Doch anstatt alle an einem Strang zu ziehen, bekriegten sie sich auch unter sich ( z.B. Markgraf von Brandenburg gegen Fürst von Mecklenburg). “Alle hundert Jahre hatte sich die Gemeinschaft [ Hanse] des manchmal mehr, manchmal weniger mächtigen Nachbarn aus dem Norden [ Dänemark] zu erwehren, der seine Expansionsgelüste (...) vornehmlich in (...) hansische Kerngebiete entfaltete.“ Nun bot Erich VI. von Dänemark dem Markgraf von Brandenburg seine Hilfe an. Im Gegenzug solle ihm die Stadt Rostock ausgeliefert werden, auf das er sie als Lehen zurückgeben kann. Der Markgraf war einverstanden, und so geschah es. Als Lübeck in einen aussichtslosen Kampf gegen die holsteinischen Grafen geriet, rief es Erich VI. um Hilfe an und verlor damit sein Gesicht vor der Hanse und vor seinen Bündnispartnern, die ihm nicht helfen wollten. Erich vermittelte erfolgreich. Als Gegenleistung mußte Lübeck ihm eine jährliche Pension von 750 Mark zahlen. 1308 schlossen die anderen wendischen Städte ein Verteidigungsbündnis, um gegen die Fürsten besser gewappnet zu sein. Diesem Bündnis trat Lübeck erst 1310 bei. Sein Ansehen war gegen null gesunken und es verlor die Vormachtstellung innerhalb der norddeutschen Städte. Das Schutzbündnis half nicht viel, Wismar und Rostock wurden belagert und besiegt. Doch wie so oft kommt alles ganz anders, obwohl es bis jetzt nicht rosig für die Hanse aussieht. „Unbestritten gilt die Maxime: Eigennutz geht vor Gemeinnutz.“
Lübeck ist das beste Beispiel dafür( siehe Bündnis von 1310). Doch Erich stirbt 1319. Die dänische Aristokratie stürzt daraufhin das Land ins Chaos, die Hanse kann noch mal aufatmen. Auch der deutsche Adel will ein Stück vom Kuchen haben, und so verleibt sich Graf Gerhard III. von Holstein doch einfach mal das Herzogtum Schleswig ein. Erst mit Waldemar IV. Atterdag trat 1340 Ruhe im Land ein. Mit Waldemar schien die Welt wieder in Ordnung, „ doch es war nur die Ruhe vor dem Sturm.“

  1. England

Der Anteil des hansischen Handels in England stieg in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an. „ Grundlage dafür war das von König Eduard I. ( 1272-1307) allen ausländischen Kaufleuten (...) 1303 gewährte Privileg, die „carta Mercatoria“, (...).“
Mit Beginn des Hundertjährigen Krieges stiegen die Ausgaben des englischen Hofes in gigantische Höhen. Der Staat war bald hoch verschuldet. Zahlreiche hansische Kaufleute halfen als Kreditgeber aus, doch sahen ihr Geld nie wieder.

  1. Flandern in der Mitte des 14. Jahrhunderts

Die Piraterie erlebte mit Beginn des Hundertjährigen Krieges einen lebhaften Aufschwung. Viele raubten nur aus Profitgier, und überfielen auch Schiffe, die mit dem Konflikt nichts zu tun hatten. Auch die Landwege nach Flandern waren nicht sicher. Nach dauernden Verletzungen der Handelsprivilegien durch den Brügger Rate entschließt der Hansetag 1358 eine Handelssperre gegen Flandern zu verhängen. Der Kontor zog nach Dordrecht um. Alle Kaufleute sollen Flandern verlassen und ebenso nach Dordrecht ziehen, die Städte jeglichen Handel unterlassen, sonst droht der Hansetag mit Verhansung. Hier erleben wir ein Paradebeispiel hansischer Außenpolitik. Wenn auf diplomatischem Parkett nichts mehr ging, griff man zum Embargo, und hoffte, daß die boykottierte Partei irgendwann den Forderungen nachkam. Brügge und Flandern hatten keine andere Wahl, da sie von den Getreidelieferungen abhängig waren. 1360 kapitulierten sie. Es blieb ihnen nichts weiter übrig, als die hansischen Rechte zu bestätigen, und teilweise auch zu erweitern. Der Kontor kehrte daraufhin nach Brügge zurück.

  1. Waldemar IV. Atterdag

In Dänemark regierte seit 1340 Waldemar IV. Er schaffte es, den Adel wieder unter Kontrolle zu bringen und den Staatshaushalt zu stabilisieren, indem er u.a. Estland an den Deutschen Orden verkaufte. Die Hanse glaubte lange Zeit, die dänischen Expansionszeiten seien vorbei, doch weit gefehlt. 1360 eroberte er Schonen, das er vor 20 Jahren an Schweden verloren hatte. Die dort lebenden hansischen Kaufleute waren nun ständigen Repressalien ausgesetzt, da dänische Kaufleute ihre Vorrechte nicht länger akzeptieren wollten; „In ihnen wuchs das - an sich verständliche - Verlangen, die Sonderstellung der hansischen Kaufleute (...) abzubauen.“ Die Hanse erklärte sich zur Zahlung von 4000 Mark bereit, um ihre Rechte zu sichern. Doch auch diese Zahlung half nicht. Inzwischen eroberte Waldemar Gotland und legte Visby, eine der ältesten Hansestädte, in Schutt und Asche. Der Hansetag in Greifswald beschloß daraufhin militärische Aktionen gegen Waldemar und natürlich, einen Handelsboykott, der aber relativ wirkungslos blieb, da die Hanse in Dänemark auf keinem Gebiet ein Monopol besaß. Auch konnte eine Koalition bestehend aus dem Herzog von Schleswig, den Grafen aus Holstein, Magnus von Schweden und Hakon VI. von Norwegen gegen Waldemar ins Leben gerufen werden. Der Deutsche Orden sagte finanzielle Unterstützung zu. Der Krieg sollte mit dem Pfundzoll finanziert werden, den jede Stadt anteilmäßig ihrer Handelskapazität zu entrichten hatte. Es sei vorher genommen, daß die Zahlungen sehr unregelmäßig waren. Eine hansische Flotte segelte 1362 nach Kopenhagen, um es zu zerstören, wurde jedoch aufgrund taktischer Fehler des Anführers, ein Mitglied des Lübecker Rates, zerstört. Das Ratsmitglied wurde in Lübeck geköpft. Waldemar wurde nach dieser Niederlage der Hanse wieder aktiv. Er vermählte seine Tochter Margarete mit Hakon VI., der damit aus der Koalition ausschied. 1364 wurde Magnus von Schweden vom Adel vom Thron geworfen. Die Aristokratie ihrerseits setzte Albrecht von Mecklenburg auf den Thron, so daß die Hanse nicht auch noch diesen Koalitionspartner verlor. Im Frieden zu Wordinborg 1364 wurden die Streitigkeiten aufs Erste beigelegt. Doch noch immer klagten die hansischen Schonenhändler über Privilegienverletzungen. Auf dem Hansetag 1367 zu Köln beschloß man diesen Mißständen ein Ende zu bereiten. Man gründete die Kölner Konföderation. Es wurde festgelegt, wieviel Waffen, Truppen, Schiffe und Geldmittel eine jede Stadt zu zahlen hatte, um mit Waldemar endlich Schluß zu machen . Ziel des Bündnisses war die Sicherung des Handels vor feudaler Willkür. Das auch weltliche Fürsten Mitglieder dieses Kontraktes waren, die nicht mit den Interessen der Hanse konform liefen, schien nicht weiter zu interessieren. Eine zusammengestellte Streitmacht hatte gute Erfolge, sie drang schnell nach Norden auf der Insel Jütland vor. Als die letzte Festung Waldemars gefallen war, mußte er kapitulieren. Im Frieden von Stralsund 1370 wurde festgelegt, daß vier Festungen im Sund für 15 Jahre an die Hanse fallen sollen, zudem wurden die Handelsvorrechte bestätigt und die Hanse räumte sich ein Mitspracherecht bei der nächsten Königswahl ein. 1375 stirbt Waldemar und hinterläßt zwei Töchter, Ingeborg, die Frau des Heinrich von Mecklenburg, eines Bruders des schwedischen Königs, und Margarete, die König Hakon von Norwegen geheiratet hatte. Man votierte für Margaretes Sohn Olav, da man in einer dänisch - norwegischen Konstellation eine günstigere Partie sah als in der eines deutschen Fürsten mit Schweden im Rücken. Die Kölner Konföderation hatte ihren Sinn erfüllt und wurde 1385 zu Grabe getragen. Ihr Sinn war die Sicherung des Handels, der war erfüllt, also brauchte man diese Institution nicht mehr, die ohnehin nur Geld verschlang.

  1. Die Blütezeit der Hanse

Als Blütezeit der Hanse wird das Jahrhundert nach dem Stralsunder Frieden bezeichnet. In ihm erlebte die Hanse ihren größten Reichtum, man vermochte aber auch die ersten Zeichen des Auseinanderlebens der Hanse zu sehen. Die Hanse hatte sich wirtschaftliche Privilegien soweit wie möglich gesichert und Monopole da gebildet, wo möglich. In Flandern gab es aufgrund des Hundertjährigen Krieges und der teilweise unfähigen Herrscher zum Ausklang des 14. Jahrhundert Konfrontationen zwischen Deutschen und Flamen, denn die hansischen Händler klagten über Privilegsverletzungen und überhöhte Abgabeforderungen. So entschloß sich der Hansetag 1388 den Kontor wieder nach Dordrecht zu verlegen, doch die preußischen Städte und der Deutsche Orden wollten sich mit der Blockade nicht abgeben, so daß man ihnen Sonderkonditionen zustehen mußte. Ein erstes Anzeichen für das spätere Auseinanderleben der einzelnen Hansestädte.
In Preußen und auf den Schoneschen Messen fanden sich immer häufiger auch englische Händler ein. Die Hanse duldete dies allerdings ab 1370 nicht mehr. Man sperrte die Durchfahrt durch den Sund für englische Fahrzeuge. Es war klar, daß dies den englischen Kaufleuten, den „merchant adventures“, nicht gefallen würde, Sie baten den englischen König um Hilfe bitten, und wiesen ihn gleichzeitig auf die Mißstände im eigenen Land hin. Ihm bleibt gar nichts anderes übrig, als ihren Forderungen nachzukommen, und die Vorrechte der Hanse einzuschränken. So erhöhte er die Stalhofabgaben. Die Kaufleute des Stalhofes beschweren sich natürlich in Lübeck, doch auch eine Delegation des Rates, die ohne Zustimmung der preußischen Städte anreiste, da denen die englischen Handelstätigkeiten gar nicht so ungelegen waren, denn sie brachten Geld und ermöglichten eine gewisse Selbständigkeit gegenüber dem Deutschen Orden, der für ein aggressives Vorgehen gegen England war, kann den König nicht umstimmen. Das Verhältnis der Hanse und England bleibt das ganze 15. Jahrhundert über sehr gespannt. Doch nicht nur in England gab es Probleme. Der Nowgoroder Kontor gab Grund zur Sorge. Schon während des ganzen 14. Jahrhunderts gab es dann und wann Übergriffe gegen die deutschen Kaufleute. Als 1388 der Flandern - und der Englandhandel aufgrund o.g. Gründe zum Erliegen kam, entschloß man sich, auch gleich einen Handelsboykott gegen Nowgorod zu verhängen. Er dauerte vier Jahre, dann einigten sich die Hanse und die Russen wieder. Bis zur Zerstörung des Kontors 1494 ging es in Nowgorod dann relativ ruhig zu.
Für die wendischen Städte war es wichtig, daß in Skandinavien Ruhe herrschte, da sie aufgrund ihrer geographischen Lage leicht in Konfrontationen verwickelt werden konnten. Seit Olav, der Sohn Margaretes, 1387 starb, regierte sie die Königreiche Norwegen und Dänemark. Ihr Ziel war die Vereinigung der drei skandinavischen Länder. Dazu führte sie Krieg gegen König Albrecht von Schweden. 1389 gelang es ihr, Albrecht gefangenzunehmen. Zudem besetzte sie ganz Schweden mit Ausnahme von Stockholm. Von da an wurde Stockholm belagert und konnte nur noch von See versorgt werden. Schon seit dem Tode Waldemars warben Albrecht und Heinrich von Mecklenburg Landsleute an, die Kaperfahrten gegen Dänemark fahren sollten, um die dänische Wirtschaft zu schwächen, denn man wollte sein Anrecht auf den Thron Dänemarks nicht aufgeben, da Albrecht der Sohn einer Tochter Waldemars war. Seit der Belagerung bat der Herzog seine Untertanen auch Versorgungsfahrten nach Stockholm zu machen. Bald wurde die Unsitte eingeführt, während dieser Fahrten auch völlig schuldlose Schiffe zu überfallen, es traf dabei auch Hanseschiffe. Die Mecklenburger verdienten nicht schlecht an den erworbenen Waren, denn sie wurden anteilmäßig auf die Mannschaft verteilt. Allmählich wurden die Vitalienbrüder( von victualien = Lebensmittel) zur echten Plage, so nannte man die Seeräuber der Ostsee jener Zeit. 1391 eroberten sie sogar die Insel Gotland. Damit gewannen sie einen Stützpunkt, von dem man seine Unternehmungen starten konnte. Ihr Vorhandensein war nicht mehr berechtigt seit ihnen 1395 durch einen vorläufigen Friedensvertrag die Legitimation für ihre Fahrten nach Stockholm fehlte. Die Hanse versuchte während der ganzen Zeit gegen die Seeräuber vorzugehen, doch alle Versuche die Piraterie zu unterbinden scheitern an dem Unwillen, Geld für Kriegsschiffe auszugeben. Erst 1398 machte der Deutschte Orden den Vorschlag, Gotland zu erobern. Die Hanse war einverstanden. Mit der Eroberung Gotlands wurde den Vitalienbrüdern in der Ostsee das Wasser abgegraben, sie flüchteten in die Nordsee. Dort konnten sie, ob der Unerfahrenheit der hiesigen Machthaber, in den ersten Jahren, mit Hilfe der Ostfriesen, bei denen sie sich im Winter aufhielten, ungestört wirken. Erst 1401 nahm Hamburg die Sache in die Hand,und bemannte mehrere Schiffe. Man segelte im Februar, also vor der normalen Ablegezeit, nach Friesland, und war erfolgreich. Zahlreiche Gefangene wurden gemacht, u.a. auch Klaus Störtebeker. Sie wurden alle geköpft( s. Anhang D). Nach und nach wurden auch andere berühmte Piraten zur Strecke gebracht, z.B. Godecke Michels 1403. Nach und nach nahm die Bedeutung de Seeräuber ab. Als Margarete 1412 in Flensburg starb, war auch die militärische Gefahr aus Skandinavien gebannt, denn die Kalmarer Union zerfiel bald aufgrund der Unfähigkeit der Nachfolger Margaretes, doch wirtschaftlich sollte Dänemark der Hanse noch große Probleme bereiten.

  1. Lübecks innere Probleme und die Konkurrenten im 15. Jahrhundert

  1. Lübecks Bürger revoltieren

„Das Stadtvolk begann seit Mitte des 14. Jahrhunderts zu murren“. Es verfluchte die hohen Steuern, die der Rat, wegen der Kriege gegen Dänemark, ihnen auferlegt hatte. Außerdem empörte sich die Bürgerschaft über mangelnden Einfluß in der Politik. Lübeck war um die Jahrhundertwende bankrott. Der Rat hoffte, mit einer öffentlichen Erklärung über die Stadtfinanzen, die Bürger beruhigen zu können. Doch die setzten ihn unter Druck, und erreichten, daß neben dem patrizischen Rat ein Parlament aus 60 Bürgern etabliert wurde. Bis 1408 verlief alles friedlich, doch dann forderte das Volk ernste Maßnahmen: eine Verfassungsreform und Beteiligung an der Ratswahl. Der alte Rat emigrierte, nachdem er den Einfluß des sechziger Ausschusses nicht mehr aufhalten kann. Die Bürger gründen einen Neuen Rat mit einer neuen gerechten Wahlordnung, in der Rentner, Kaufleute und Handwerker gleichberechtigt waren. Der deutsche Kaiser ist ungehalten über die demokratischen Tendenzen, die sich in Lübeck zeigen, und verhängt die Reichsacht über die Stadt. Der Hansetag beschließt daraufhin, Lüneburg bis auf weiteres als Vorort einzusetzen. 1416 tritt der Neue Rat zurück, da er politisch und wirtschaftlich nicht erfolgreich agierte. Die alten Ratsherren kehren in die Stadt zurück. Als Zugeständnis der Bürgerschaft gegenüber nehmen sie fünf Mitglieder aus dem Neuen Rat in ihre Reihen auf. Jeder erwartete nun ein Vorgehen gegen das englische und holländische Vordringen in der Ostsee, doch Lübeck besann sich ausschließlich auf die Reorganisation der eigenen inneren Verhältnisse.

  1. der wendisch - dänische Krieg und seine Folgen

Mit der Niederlage des Deutschen Ordens bei Tannenberg 1410 gewannen die preußisch und livländischen Städte ein großes Stück an Selbständigkeit. Sie knüpften auch gleich Handelsbeziehungen nach Holland, doch dazu später. 1412 stirbt Margarete von Dänemark, Nachfolger wird ihr Großneffe Erich von Pommern. Er versucht sogleich, das Herzogtum Holstein in sein Reich einzugliedern, und bittet die Hanse um Hilfe. Diese ist aber nicht interessiert an dänischem Land vor ihrer Haustür. Erich ist empört. Ab 1426 soll die Hanse wieder Zoll für den Sund zahlen. Das läßt sie sich nicht gefallen und erklärt Erich den Krieg. Allerdings ziehen nur die wendischen Städte in den Krieg, da die anderen Drittel und die sächsischen Städte behaupten, andere Probleme zu erledigen zu haben. 1430 haben Rostock und Wismar auch noch genug, und schließen einen Separatfrieden mit Erich. Lübeck allein macht jedoch weiter - mit Erfolg. 1435 schließt es Frieden mit Dänemark. Die alten Privilegien werden wiederhergestellt, doch die Sundzölle werden nur für die wendischen Städte abgebaut. Doch Nutznießer des Krieges waren die Holländer. Sie durchbrachen des öfteren die Blockade, führten mit Dänemark und den livländischen Städten Handel, und genau das erbost die Hanse, denn ihre eigenen Mitglieder treiben Handel zum Eigenwohl, nicht zum Wohl der Hanse. Auch ein zeitweiliger Boykott holländischer Waren, insbesondere des Tuches, bringt keinen Erfolg, da der Boykott umgangen wird, wo möglich.

  1. der Brügger Kontor

Brügge bereitete insofern Probleme, als daß das Fahrwasser zum Hafen seit dem Ende des 14. Jahrhunderts mehr und mehr versandete. Folge war die Auswanderung zahlreicher Kaufleute nach Holland, auch liefen nicht mehr so viele Schiffe Brügge an, da es manchem Kapitän zu riskant war. Doch die Hanse verhängte das Zwangsstapelrecht, was bedeutet, daß alle Waren den Brügger Kontor durchlaufen zu hatten, bevor sie nach Osten weiter verkauft wurden. Doch zahlreiche Hansestädte umgingen diese Maßnahme, erneute Anzeichen für den inneren Zerfall der Hanse. Dies zeigte sich auch, als die Hanse den Brügger Kontor 1455 wieder einmal verlegen wollte. Der Deutsche Orden weigerte sich, seine Kaufleute nach dem Bestimmungsrecht umziehen zu lassen. Auch andere Hansestädte boykottierten die Entscheidung des Hansetages. Ein weiterer Beweis für die mangelnde Solidarität der Hansestädte untereinander. Zudem ist klar, das Brügge seine wirtschaftliche Blütezeit längst hinter sich hat, doch die Hanse, insbesondere Lübeck hält an ihr fest.

  1. Streitereien mit England

Wann immer es Streitigkeiten mit England gab, fanden diese auf dem Wasser statt, denn die Hanse besaß kein Territorium, auf dem man sich hätte schlagen können. Auch eine Invasion Englands ist abwegig. Sie wäre viel zu kostspielig, außerdem hätte die Hanse kaum genug Männer zusammenbekommen.“ Krieg heißt Kaperkrieg“. 1431 flüchtet die Stalhofbesatzung nach Brügge, da sie nach erneuten Steuererhöhungen fürchtete, es könnte zum Krieg kommen. Es gab Repressalien hüben wie drüben; man beschlagnahmte Waren und warf Kaufleute ins Gefängnis. Doch die Hanse war in Englandfragen geteilter Meinung. Die preußischen und livländischen Städte befürworteten eine milde Englandpolitik, da ihnen die merchant adventures genug Gewinne brachten. Die wendischen Städte dagegen waren für die harte Gangart. Der Anlaß für den 1470 ausbrechenden Krieg war die Kaperung von sieben englischen Schiffen durch Dänemark, da die Dänen ihr Handelsmonopol auf Island durch britische Aktivitäten verletzt sahen. England nahm an, das es im Auftrag der Hanse geschah. Der englische Mob geht daraufhin gegen den Stalhof vor. Köln, traditionell eh probritisch und Kritiker der Hansepolitik gegenüber England, da es seine historischen guten Beziehungen zu England gefährdet sah, sagt sich von der Hanse los und besetzt den Stalhof. Köln gründet zudem seine eigene Kaufmannsgenossenschaft. Der englische König war fasziniert und gestand Köln Sonderprivilegien auf der Insel zu. Im Jahre 1471 wurde die Verhansung Kölns beschlossen. Doch langsam zeigte das Handelsverbot mit englischen Waren Wirkung. Die Tuchmacher blieben auf ihren Produkten sitzen. Der König mußte nachgeben. 1474 wurde zu Utrecht der Friede besiegelt. Wie üblich mußte man die hansischen Privilegien bestätigen und eine Geldstrafe zahlen. Bleibt noch der Ausreiser Köln. 1476 nahm Köln wieder am Hansetag in Bremen teil, mußte jedoch eine Geldbuße zahlen, zudem wurde seinen Kaufleuten der Zutritt zum Stalhof bis 1478 verwehrt. Insgesamt muß man sagen, daß die Hanse aus diesem Konflikt als Sieger hervorging, sicherlich auch, weil England genug eigene Probleme hatte( von 1455 bis 1485 herrschte in England der Rosenkrieg um den englischen Thron zwischen dem Haus Lancaster und dem Haus York; Sieger wurde schließlich Tudor, da die anderen beiden Häuser keine Thronfolger mehr stellen können). Die Hanse zeigte sich als Gemeinschaft, die geschlossen Interessen vertrat und auch durchsetzte, was ja zuvor in Brügge nicht der Fall war.

  1. Das Ende von Nowgorod

Als der Deutsche Orden nach dem Frieden von Thorn 1411 nach und nach zerfiel, wurde sein Territorium polnisches oder litauisches Lehen. Lübecks Einfluß auf den Peterhof war seit 1422 gegen null gesunken, es waren Dorpat und die livländischen Städte, die um seinen Vorsitz rangen. Im gesamten 15. Jahrhundert gab es immer wieder Übergriffe von Russen gegen Deutsche und umgekehrt; das der Handel darunter litt, war klar. „ Die Krise war zum Normalzustand geworden“. 1471 ging der Moskauer Großfürst, Iwan III., das erste Mal militärisch gegen Nowgorod vor. Die Stadt unterlag 1478 und verlor ihre Freiheit. Als 1494 russische Kaufleute in Livland ermordet wurden, war das der Anlaß, die deutschen Kaufleute aus Nowgorod zu verbannen und den Peterhof zu zerstören. Damit endete ein Kapitel von 300 Jahren hansischen Handelns in Nowgorod. Die Hanse beginnt an Territorium zu verlieren.

  1. Der Niedergang der Hanse

Die Gründe für den Niedergang der Hanse sind vielfältiger Art. Einige Fürsten verboten ihren Städten einfach Mitglied der Hanse zu sein, so u.a. Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg, der Berlin - Cölln 1442 zum Austritt zwang. Eine verstärkte Zentralgewalt war überall festzustellen. Man steuerte auf den Absolutismus zu. Außerdem verlor die Hanse in mehreren Ländern seit dem 15. Jahrhundert nach und nach ihre Privilegien, da die Herrscher dort nicht mehr auf die Hanse angewiesen waren, sondern genauso gut mit Holland oder England Handel treiben konnten. Lübeck war eine Stadt, deren Handel insbesondere nach Osten und Skandinavien hin ausgerichtet war. Nowgorod und die baltisch - livländischen Städte fielen aber als Handelspartner nach der Eroberung durch das russische bzw. schwedische Reich aus. Sowohl Schweden als auch Norwegen und Dänemark boten sich als Handelspartner nun neben der Hanse auch Holland und England an, die ihrerseits keine besonderen Privilegien forderten wie die Hanse. Man merkte bald, daß man die Hanse nicht mehr protegieren mußte. Konkurrenz bekam man ebenso aus dem süddeutschen Raum. Hier hatten die Fugger und Welser ein Handelsimperium errichtet. So kam es, daß die Hanse nach und nach ihre Privilegien verlor, in Schweden 1537, in Dänemark 1596 und in England 1606. Auch die Reformation trug nicht zum Zusammenhalt der Hanse bei, denn einige Städte wurden protestantisch, andere blieben katholisch. Dies zeigte sich besonders im Schmalkaldischen Krieg 1547, als die Hansestädte auf Seiten Kaisers Karl IV. waren oder gegen ihn kämpften. Weiterhin zersetzend wirkte sich die Verlagerung der Laichplätze hinaus in die Nordsee aus, war doch der Hering ein Warengut, welches von Lübeck in großen Mengen gehandelt wurde. Auch die Kogge war nicht mehr das beste Schiff auf den Meeren, die von der Hanse bis ins 15. Jahrhundert nur mit dem Lot gesteuert wurde. Die Holländer waren nun führend im Schiffbau. Der Niedergang der Hanse war erstaunlicher weise in einen allgemeinen Wirtschaftsboom gebettet. Es gab auch Hansestädte, die hohe Profite machten, wie Hamburg, dessen Einwohnerzahl von 1600 bis 1620 von 35000 auf 50000 anstieg, ein Zeichen des Wohlstandes. Doch die Hanse interessierte ihre Mitglieder nicht mehr sehr, da sie ihnen keine Vorteile mehr brachten. Nur Lübeck machte da eine Ausnahme. Man startete sogar Restaurationsversuche, man richtete eine Bundeskasse, wobei nur Lübeck und Hamburg Zahlungsmoral bewiesen, ein, um dem chronischen Geldmangel ein Ende zu bereiten, doch der Zerfall war nicht mehr aufzuhalten, da jeder sein eigenes Ding machte, oder nicht mehr aktiv an Hansetagen teilnehmen konnte, wie die livländischen Städte. Die endgültige Ohnmacht wurde mit dem Westfälischen Frieden deutlich. Schweden beherrschte fast die gesamte Ostseeküste, womit es den Handel der Hanse kontrollierte. Beim großen Brand in London 1666 wurde der Stalhofes zerstört, so daß man sich beratschlagen mußte, wie es weitergeht. Im Jahr 1669 traf man sich dann zum letzten Hansetag in Lübeck. Es kamen neun Delegierte an. Ein Ergebnis gab es nicht. Die Hanse war friedlich eingeschlafen.