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Tanz

 

Als Tanz bezeichnet man die rhythmisch geregelte Körperbewegungen zu Musik, ursprünglich ein religiöser Akt. Der Tanz dient auch der Kommunikation oder als Ausdruck von Stimmungen, Gefühlen und Ideen. Der Tanz kann ein bestimmtes Bewegungsrepertoire haben, das an sich ohne zuweisbare Bedeutung ist, wie etwa zu großen Teilen im Ballett und im europäischen Volkstanz. Er kann aber auch Mime (Nachahmung) und symbolische Gesten einsetzen, wie es in vielen asiatischen Tanzformen der Fall ist. Völker verschiedener Kulturen tanzen sowohl unterschiedlich als auch aus unterschiedlichen Gründen.

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Tanz und Lebenskultur

 

Tanz kann Kunst sein, rituellen Zwecken dienen oder schlicht Erholung verschaffen. Er kann eine Geschichte erzählen, politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Bedürfnissen Ausdruck geben oder eine Erfahrung vermitteln, die angenehm, anregend oder ästhetisch wertvoll ist.

 

Tanz und der menschliche Körper

Die gewöhnliche Bewegungsfähigkeit des Körpers kann im Tanz vergrößert werden, was üblicherweise durch lang anhaltendes Spezialtraining geschieht. Im Ballett beispielsweise übt der Tänzer, die Beine an der Hüfte zu drehen oder einen Spagat zu machen, um das Bein in einer Arabesque hoch emporheben zu können. In Indien lernen manche Tänzer ihre Augäpfel und Augenbrauen choreographiegerecht zu bewegen.

Zu den Grundelementen des Tanzes zählen: (1) der Einsatz des Raumes: Tanzschritte, die Formen des sich bewegenden Körpers und von den Gliedmaßen modellierter Raum; (2) der Einsatz der Zeit: Tempo, die Dauer eines Tanzes, rhythmische Variationen und die Grundeinstellung zur vergehenden Zeit, indem etwa in Ruhe vorgegangen wird oder schnelle, abrupte Bewegungen vorherrschen; (3) der Einsatz des Körpergewichts: das Überwinden der Schwerkraft, um leichte, anmutige Bewegungen auszuführen, das Nachgeben gegenüber der Schwerkraft mit schweren, erschlaffenden Bewegungen oder das Einsetzen von Kraft im Wettkampf zwischen Körpergewicht und Schwerkraft; und (4) der Einsatz des Energieflusses: angespannte, widerstrebende oder begrenzte Bewegungen oder freifließende Bewegung.

 

Tanz und das menschliche Bewusstsein

Tanz kann auch psychisch wirken. Gefühle und Ideen können mittels Tanz ausgedrückt und mitgeteilt werden. Das Teilen von Rhythmus und Bewegung kann einer Gruppe ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln. In einigen Gesellschaften führt Tanzen oft zur Trance oder zu gesteigerten Bewusstseinszuständen. In Trance sind Menschen zu bemerkenswerten Leistungen fähig. Sie werden stärker, ausdauernder oder können Gefahren besser trotzen, beispielsweise über glühende Kohlen tanzen. In einigen Gesellschaften tanzen Schamanen in Trance, um andere Menschen körperlich oder emotional zu heilen. Die moderne Tanztherapie wurde entwickelt, um Menschen zu helfen sich auszudrücken und kontaktfähiger zu werden.

 

Tanzarten

Es gibt zwei grundlegende Tanzarten: Gemeinschaftstänze und Aufführungstänze. Die Gemeinschaftstänze umfassen Arbeitstänze, einige Arten des Sakraltanzes und Freizeittänze wie die Volkstänze oder die Gesellschaftstänze. Derartige Tänze bestehen oft aus sich wiederholenden Schrittfolgen, die leicht zu erlernen sind.

Aufführungstänze finden oft an Höfen, in Tempeln oder in Theatern statt. Die Tänzer sind oft Berufstänzer, da diese Tänze in der Regel schwierige Bewegungsfolgen haben, die eine besondere Ausbildung voraussetzen.

 

Tanz und Gesellschaft

Der Tanz hat vielfältige Funktionen. Er kann eine Art von Anbetung sein, ein Weg, die Ahnen zu ehren, die Götter gnädig zu stimmen oder ein Mittel der Magie. Tanz wird in der Bibel erwähnt und war bis ins Mittelalter oft Teil von Gottesdiensten und religiösen Feierlichkeiten. Obwohl er von der christlichen Kirche später als amoralisch bezeichnet wurde, ist er noch immer in einigen christlichen und nichtchristlichen Sekten von Bedeutung, zu denen die nordamerikanischen Shaker und die tanzenden Derwische der islamischen Welt zählen.

Tanz ist oft Bestandteil bei Zeremonien, die stattfinden, wenn jemand die gesellschaftliche Rolle wechselt. So können Geburt, Initiation, ein Ausbildungsabschluss, Heirat, politische Nachfolge und Tod durch Tanz zelebriert werden. Tanz kann auch Teil der Partnerwerbung sein. In einigen Gesellschaften sind Tänze die einzigen Gelegenheiten, bei denen junge Männer und Frauen einander begegnen können. In einigen Kulturen ist Tanz eine Kunstform. Im 20. Jahrhundert wurden einige Tänze, die ursprünglich ausgefeilte Sakralrituale oder höfische Unterhaltungsformen waren, in angepasster Form auf die Theaterbühnen gebracht.

 

Geschichte

 

Einige Kulturen hatten wenig oder keine Berührung mit der Industriegesellschaft. Ihre Tänze sind üblicherweise Bestandteil eines religiösen Ritus, der hoch entwickelte religiöse oder philosophische Vorstellungen beinhaltet. In derartigen Gesellschaften gibt es oft Aufführungstänze. Bei den australischen Aborigines und bei den afrikanischen Khoi-san-Völkern führen beispielsweise ausgebildete Personen mimetische und akrobatische Tänze zur Unterhaltung und Belehrung auf.

 

Die Hochkulturen des Altertums

Von den alten Kulturen des Mittelmeerraumes und des Nahen Ostens gibt es schriftliche und bildliche Zeugnisse über Tänze. In Ägypten sind auf solchen Darstellungen wahrscheinlich Berufsunterhalter zu sehen, die Sklaven waren. Tanz war ein wichtiger Bestandteil landwirtschaftlicher Feste und religiöser Feierlichkeiten wie bei den Tanzriten, die den Zyklus von Tod und Wiedergeburt des Gottes Osiris darstellen, bei denen der Jahreszeitenzyklus des Nil zum Ausdruck gebracht wird.

Die Griechen bewunderten den Tanz, der bei ihnen gefördert wurde. Griechische Kriegertänze, die phyrrhischen Tänze, waren Teil der Soldatenausbildung. Sakraltänze, vor allem die zu Ehren von Dionysos, dem Weingott, waren anscheinend der Ursprung des Tanzes im griechischen Theater. Der Tragödienchor verwendete zur Begleitung der gesprochenen oder gesungenen Verse Symbolgesten und Tanzschritte.

Die Römer sind besonders für ihren Beitrag zu den mimetischen Künsten bekannt. Obwohl es reisende Berufskünstler gab wie Tänzer, Possenreißer, Jongleure und Akrobaten, entwickelte sich der Tanz bei den Römern nicht weiter.

 

Das mittelalterliche Europa

Die christliche Kirche, die im europäischen Mittelalter eine große Macht besaß, missbilligte Tänze. Im Volk wurde aber weiter getanzt. Modifizierte Bauerntänze des Mittelalters werden noch heute als Volkstänze getanzt. Einige Bauerntänze, die vom Adel übernommen und verändert wurden, wurden höfische Gesellschaftstänze, aus denen sich wiederum das Ballett entwickelte.

 

Ballett und Modern Dance

Das Ballett entwickelte sich während der Renaissance an den Höfen Italiens und Frankreichs und wurde im späten 17. Jahrhundert zu einer Berufsdisziplin. Seit dieser Zeit ist es eine der bedeutenden Kunstformen der abendländischen Kultur. Im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert rebellierten die amerikanischen Tänzerinnen Isadora Duncan und Ruth Saint Denis gegen das klassische Ballett. Auch der Schweizer Erzieher Émile Jaques-Dalcroze, der ungarische Tänzer Rudolf von Laban und die deutsche Tänzerin Mary Wigman experimentierten mit neuen Ausdrucksmöglichkeiten (Ausdruckstanz). Die Arbeit dieser Wegbereiter des Modern Dance führte zur Entwicklung bedeutender neuer Tanzsprachen.

 

Volkstanz

Volkstanz ist normalerweise an der Tradition ausgerichtet und wird von Mitgliedern einer Gemeinschaft ausgeführt. Der Begriff Volkstanz kann am besten auf Tänze angewandt werden, die von landwirtschaftlich orientierten Völkern aus weltlichen oder rituellen Anlässen getanzt werden. Beispiele hierfür sind der Kolo im Balkan, der englische Moriskentanz, der nordamerikanische Square Dance wie auch die Maitänze und die verschiedenen Arten des Schwerttanzes. Volkstänze sind normalerweise Gruppentänze, die unter den Generationen weitergegeben werden. Einige Volkstänze haben keine weit zurückreichende Tradition: Viele israelische Volkstänze wurden beispielsweise im 20. Jahrhundert nach den Vorbildern europäischer Volkstänze zu ähnlichen Zwecken entworfen.

 

Gesellschaftstanz

Einige Freizeittanzformen werden als Gesellschaftstänze bezeichnet. Im Unterschied zu Volkstänzen handelt es sich bei ihnen allerdings meist um Paartänze.

Die Gesellschaftstänze des Adels im Mittelalter, der Renaissance und im Barock wurden aus Volkstänzen entwickelt. Im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich der Gesellschaftstanz mit dem Anwachsen der Mittelklasse über die Adelsschranken hinaus und wurde in Europa und Nordamerika immer beliebter. Der Walzer und die Polka, die ursprünglich Bauerntänze waren, wandelten sich zu Gesellschaftstänzen.

In den Vereinigten Staaten entstanden aus den Wechselbeziehungen zwischen den diversen Einwanderergruppen neue Formen des Gesellschaftstanzes und der volksnahen Unterhaltung wie der Square Dance und der Steptanz. Neue Gesellschaftstänze, die von den amerikanischen Tänzern Irene und Vernon Castle vor dem I. Weltkrieg populär gemacht wurden, eroberten Europa und Amerika. Der Foxtrott und südamerikanische Tänze wie Tango, Rumba und Cha-Cha-Cha wurden bekannt. Die Synkopen und Bewegungen des Tanzes der nordamerikanischen Schwarzen wurden in die beliebten Gesellschaftstänze aufgenommen. Dies geschah um 1900 mit dem Cakewalk und in den zwanziger Jahren mit dem Charleston und dem Black bottom, in den dreißiger und vierziger Jahren mit dem Big apple und dem Lindy und schließlich mit den Rock-and-Roll-Tänzen der fünfziger Jahre und ihren Nachfolgern in den folgenden Jahrzehnten. In den sechziger Jahren ging die Entwicklung dahin, zu tanzen, ohne seinen Tanzpartner zu berühren, wie dies beispielsweise beim Twist der Fall ist. Die siebziger und achtziger Jahre brachten eine Renaissance des Paartanzes, wie beispielsweise beim Hustle, der zu Disco- und Rockmusik getanzt wird. Mitte der achtziger Jahre begann der Breakdance, der unter farbigen Straßenkindern in den USA entstand, mit seinen akrobatischen, roboterartigen Bewegungen seinen Siegeszug auch in Europa..

 

Musicals

Die Gesellschaftstänze des 20. Jahrhunderts wie auch die Neuerungen im Ballett und Modern Dance beeinflussten die wachsende Bedeutung des Tanzes im Film und in Musicals. Der amerikanische Choreograph Busby Berkeley schuf in Hollywood ausgefeilte Gruppenproduktionsnummern. Die amerikanischen Tänzer Fred Astaire und Ginger Rogers verbanden Gesellschafts- und Steptanz. Bei Oklahoma! (1943) integrierte die amerikanische Choreographin Agnes de Mille Tanz in die Bühnenhandlung, was dazu führte, dass von nun an verstärkt Tanzszenen in Musicals eingearbeitet wurden. In der West Side Story (1957), die von dem amerikanischen Ballettmeister Jerome Robbins choreographiert wurde, war Tanz erstmals das Medium, durch das der Hauptteil der Musicalhandlung Ausdruck fand. In den siebziger Jahren wurde der Tanz am Broadway sogar noch bedeutender, was sich in Musicals wie A Chorus Line (1975) und Dancin’ (1978) niederschlug.

 

Der klassische Tanz Asiens

In Asien stehen Schauspiel, Musik und Tanz in enger, wechselseitiger Beziehung. Asiatische Tänze, die meist symbolische Gesten, Masken, ausgefeiltes Make-up und prächtige Kostüme als Elemente einsetzen, erzählen oft Geschichten, die auf Mythen, historischen Ereignissen und Legenden basieren. Die Aufführungen dauern oft viele Stunden lang.

In Indien wurden Formen des klassischen Tanzes, die fast verschwunden waren, aufgrund von Beschreibungen in alten Manuskripten und von Tempelschnitzereien, die Tanzpositionen darstellen, wieder zum Leben erweckt. Tanzdramen und Solotanzformen, die auf Hinduepen gründen, arbeiten viel mit Handgesten, die Mudras genannt werden. Viele indische Volkstänze haben bestimmte Eigenschaften mit den komplexeren klassischen Tänzen gemein. Japan weist eine Vielzahl von Volkstänzen auf, von denen etliche religiöser Natur sind. Darüber hinaus gibt es in Japan zwei Großformen des Tanztheaters: Nõ und Kabuki. Das etwa 500 Jahre alte Nõ ist eine extrem langsame Tanz- und Opernform voller symbolischer Bezüge. Das im 17. Jahrhundert entwickelte Kabuki ist eine volksnahe Form, in der viele Theatereinrichtungen zum Einsatz kommen.

Die Pekingoper ist das bekannteste Genre des chinesischen Tanztheaters. Sie entwickelte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus früheren Ausprägungen der chinesischen Oper und enthält Aufsehen erregende Akrobatik als wichtigen Handlungsbestandteil. In den fünfziger Jahren begann die chinesische Regierung Produktionen zu fördern, die sich am europäischen Ballett orientieren und (in unverblümt propagandistischer Absicht) die Themen behandeln, die für die zeitgenössische Politik und Wirtschaft bedeutsam sind.

In Indonesien, vor allem auf Java, unterhielten früher anmutige Tänzerinnen die Könige mit weit entwickelten Formen des Hoftanzes. Sie lebten am Hofe und ihre Tänze waren der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Auf Bali sind noch immer Maskenspiele mit Königen und Clowns, Kriegstänze und Geistertänze fester Bestandteil des Dorflebens.

 

Afrika, Ozeanien, Nord- und Südamerika

Die Tänze im südlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas stehen oft in Verbindung mit Maskentanzgemeinschaften, deren Mitglieder Geister nachahmen oder von diesen besessen werden. Auch der Tanz bei Mannbarkeitsriten ist üblich. Im 20. Jahrhundert haben sich städtische Tanzformen entwickelt, in denen afrikanische und abendländische Einflüsse zusammenfallen.

Ozeanische Tänze gehen oft in Verbindung mit dem Erzählen von Geschichten oder Dichtungen vor sich, wie beispielsweise beim hawaianischen Hula. Auf Neuguinea werden Tänze oft in kriegerischem Kontext aufgeführt.

Die indianischen Nationen Nordamerikas führten früher komplexe Tanzrituale aus, die heute noch Bestand haben. In den vergangenen fünfzig Jahren haben sich nationenübergreifende Gemeinschaftstänze entwickelt, die bei Stammestreffen (Pow Wows) in den USA und Kanada aufgeführt werden. In Südamerika haben sakrale und weltliche Tänze noch immer eine lebendige Tradition bei vielen Indianerstämmen. Andere südamerikanische Tänze machen direkte Anleihen bei afrikanischen Tanzbewegungen oder verbinden spanische Bewegungen mit Elementen aus Indianertänzen.

 

Bewahrung und Weiterentwicklung

Die moderne Welt wird weitere Anleihen bei Tänzen zwischen unterschiedlichen Ländern fördern und die Entwicklung neuer Tanzformen, die aus nationalen Stilmischungen bestehen, unterstützen. Moderne Völker haben die Tänze vergangener Jahrtausende verloren, weil es kein Mittel gab, sie zu erhalten. Heute können jedoch die Tänze der gegenwärtigen Kulturen für zukünftige Generationen mittels Film- und Videoaufzeichnungen sowie Tanznotationen wie der Laba-Notation, der Effort/Shape-Notation und der Benesh-Notation erhalten werden.

 

 

Mode- und Gesellschaftstänze

im Unterschied zu Ballett, Sakraltanz und Volkstanz Bezeichnung für all jene Tanzformen, die der gesellschaftlichen Unterhaltung und dem geselligen Umgang dienten. In den Schritten und Figuren solcher Tänze spiegeln sich häufig die Werte und Haltungen einer Gesellschaft in ihrem historischen Kontext wider.

 

Mittelalter und Renaissance

Die frühesten europäischen Gesellschaftstänze stammen aus dem Mittelalter. Die zu dieser Zeit vorherrschenden Tanzformen waren Carole, Reigen, Branle und Farandole. In der mittelalterlichen Feudalgesellschaft hatten höfische Sitten, Rittertum und Troubadourlieder über die höfische Minne große Bedeutung. In diesem Zusammenhang entwickelte sich eine Vorliebe für Paartänze. Einer der ersten Paartänze war die Estampie, ein langsamer, gesetzter Tanz, der an den europäischen Höfen zu Instrumentalbegleitung getanzt wurde.

Während der Renaissance (14.-16. Jahrhundert) übernahm neben dem Adel die wohlhabende Gesellschaftsschicht der Kaufleute eine kulturelle Führungsrolle. Parallel zum Entstehen des Humanismus und einem wachsenden Interesse an der griechischen und römischen Antike vollzog sich eine Verweltlichung des gesellschaftlichen Lebens. Viele Renaissancetänze wurden von berufsmäßigen Tanzlehrern, die vom Adel beschäftigt wurden, entworfen. Zu dieser Zeit entstanden die ersten Lehrbücher, in denen die Schritte und Bewegungsfolgen verschiedener höfischer Tänze beschrieben wurden, z. B. von Domenico da Piacenza (um 1470 gestorben), Guglielmo Ebreo und Michel de Toulouze (Höhepunkt seines Schaffens 1482-1505). Die bekanntesten Tänze der damaligen Zeit waren die Bassadanza und ihre nördliche Variante, die Basse danse. Als 1547 Katharina di Medici Königin von Frankreich wurde, brachte sie nicht nur italienische Einflüsse mit an den französischen Hof, sondern auch ihren italienischen Tanzlehrer.

Die zwischen 1550 und 1630 veröffentlichten Tanzlehrbücher von Thoinot Arbeau, Cesare Negri und anderen Tanzlehrern beschreiben Tänze wie die Pavane, die Galliarde, die Allemande, die Courante, den Saltarello und die Volta, darüber hinaus im Kreis getanzte Branles und Tänze, bei denen von in einer Reihe aufgestellten Paaren nacheinander jedes Paar jeweils zusammen mit einem neuen Paar eine Figur wiederholt. Das in der Renaissance so wichtige Element der Ordnung führte zur Entwicklung von Tanzsuiten mit fester Form. So folgte beispielsweise auf eine Pavane eine Galliarde. Ursprünglich war die Basse danse der übliche Promenadetanz. Sie wurde von der Pavane abgelöst. Das lebhafte Springen und Hüpfen der Galliarde entwickelte sich zu einem virtuosen Auftritt des männlichen Tänzers vor seiner eher zurückhaltenden Partnerin.

 

17. bis 19. Jahrhundert

1643 wurde Ludwig XIV. König von Frankreich, das zu dieser Zeit das politische und kulturelle Zentrum der Welt war. Die Pavane und die Galliarde verschwanden allmählich, stattdessen herrschten Tänze vor wie die Sarabande, die Chaconne, die Gavotte, die Musette, die Hornpipe, die Gigue, der Rigaudon und die Bourrée. Während der sechziger Jahre des 17. Jahrhunderts erschien am französischen Hof das Menuett. Mit seiner hierarchischen Form, seinen komplexen Figuren und seiner zurückhaltenden Eleganz war es das Abbild einer Welt, die auf Ordnung und Sitte Wert legte und in der jedes Detail von großer Wichtigkeit war. Beim Menuett tanzte immer nur ein Paar, die Reihenfolge der Paare richtete sich nach ihrem gesellschaftlichen Rang. Mit aufrechter Haltung, kleinen präzisen Schritten und kleinen Hand- und Armbewegungen führte das Paar eine bestimmte Figur aus.

Das Menuett war lange sehr beliebt, und sein Verschwinden fiel mit den Anfängen des Walzers zusammen. Entsprechend der Begeisterung der romantischen Bewegung für volkstümliche Musik und Lebensweise wurde der Walzer von einem Volkstanz (dem österreichischen Ländler) abgeleitet, ebenso wie andere Paartänze des 19. Jahrhunderts, z. B. die Mazurka und die Polka.

 

Ragtime bis Ende des 2. Weltkrieges

Die modernen Tänze kamen zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus den USA und aus Südamerika. 1889 entstand mit dem Washington Post March des amerikanischen Kapellmeisters John Philip Sousa der Twostep im Sechsachteltakt mit schnellen Steppschritten und Hüpfern. Der Ragtime, dessen Wurzeln in der Musik der schwarzen Amerikaner liegen, entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Seine lebendigen Synkopen führten zwischen 1911 und 1915 zur Entstehung von witzigen Tänzen, bei denen Tiere nachgeahmt wurden. In dieser Zeit war aber auch der Tango sehr beliebt. In den drastischen Veränderungen der Tanzstile spiegelten sich die gesellschaftlichen Umbrüche wider. Die Tänze der ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, wie der Charleston, entsprachen der Euphorie der Zeit nach dem 1. Weltkrieg. In den dreißiger Jahren entstand eine neue Musikform, der Swing. Er wurde von Jazzmusikern wie Benny Goodman und ihren Big Bands gespielt. In der Zeit der wirtschaftlichen Depression hatten aufwendige Tanzfilme von Regisseuren wie Busby Berkeley und die Filme mit Fred Astaire und Ginger Rogers Hochkonjunktur. Auf Swingmusik tanzten die Jugendlichen den Jitterbug, einen Ableger des Lindy Hop von 1927. Der Foxtrott, ein schneller Tanz mit Gehschritten, der etwa 1913 entstanden war, wurde in einer langsameren, fließenderen Form wieder belebt. Auf der Weltausstellung von 1939 spielte im brasilianischen Pavillon ein Samba-Orchester. Daraus entstand bald eine Welle der Begeisterung für Tänze in der Art der Rumba, des Mambo, des Cha-Cha-Cha und des Conga.

 

Rockmusik und ihre Tänze

Mitte der fünfziger Jahre wurde der Rock ’n’ Roll in den USA zu einer nationalen Erscheinung. Elvis Presley begeisterte das Publikum mit seinem legendären Hüftschwung, und als Bill Haley mit seiner Gruppe The Comets in dem Film Rock Around the Clock auftrat, war eine neue Welle der Tanzbegeisterung geboren. In dieser Zeit fand ein grundlegender Umbruch der amerikanischen Gesellschaft statt, der im folgenden Jahrzehnt mit der Bürgerrechtsbewegung, dem Protest gegen den Vietnamkrieg und Ereignissen wie dem berühmten Musikfestival in Woodstock im Bundesstaat New York 1969 seinen Ausdruck fand. 1960 führte der Rockmusiker Chubby Checker den Twist ein, der mit seiner Verdrehung von Hüfte und Oberkörper der körperliche Ausdruck für die ignorante Haltung der jungen Generation war.

Der Paartanz tauchte in den siebziger Jahren wieder verstärkt auf, beispielsweise mit dem Hustle und anderen Tänzen, die alle kompliziert choreographiert waren und auf Discomusik getanzt wurden. Neben der Discobewegung, die in den siebziger und achtziger Jahren vorherrschend war, brachte die Punkrockbewegung das Slam Dancing sowie Mitte der achtziger Jahre den akrobatischen Breakdance, der meist von einem einzelnen Tänzer ausgeführt wird. Die neunziger Jahre sind bestimmt vom Aufkommen des Techno-Kults. Gleichzeitig wurde in einer nostalgischen Bewegung der Big-Band-Sound wiederbelebt, und Foxtrott, Walzer und Jitterbug kamen wieder in Mode.

 

 

Walzer

(mittelhochdeutsch waltzen: sich drehen), Paartanz im Dreivierteltakt, der um 1770 im österreichisch-süddeutschen Raum aus dem Ländler entstanden ist. Außerdem gilt die Bezeichnung für die Musik dieses Tanzes. Der Walzer wird in geschlossener Haltung in schnellen Drehungen und mit einem festen Schrittmuster getanzt. Um 1800 wurde der Walzer als Gesellschaftstanz eingeführt. Er wurde der herausragende Tanz der Ballsäle des 19. Jahrhunderts und behauptete sich auch nach der Einführung des Jazz Dance und anderer moderner Tänze im 20. Jahrhundert. Es wurden viele Variationen entwickelt, darunter der elegante, schnelldrehende Wiener Walzer, der vor allem durch die Musik von Johann Strauß Vater und Sohn (bekannt als die Walzerkönige) populär wurde; außerdem der langsame Boston mit seiner sich senkenden, gleitenden Bewegung und dem zögernden Schritt, der auf dem dritten Schlag verweilt, der langsame English Waltz und der Pariser Walzer. Von vielen Komponisten wurden Walzer als Konzertmusik geschrieben, wie z. B. von Johannes Brahms, Frédéric Chopin und Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, der sie in seine Ballette Schwanensee, Dornröschen und Der Nußknacker einbaute.

 

 

Polka

(tschechisch: die Polin), lebhafter Paartanz, der als Volkstanz ursprünglich aus Böhmen stammt (heute in der Tschechischen Republik). Die Polka kam Mitte des 19. Jahrhunderts in Mode, wurde neben dem Walzer einer der beliebtesten Gesellschaftstänze und verbreitete sich in zahlreichen Varianten in ganz Europa. Beim Tanzen umkreisen die Paare mit oft atemberaubender Geschwindigkeit die Tanzfläche. Die Schrittfolgen, die denen des Schottisch Walzer (Ecossaisse) ähneln, sind recht einfach (Schritt, Schließen, Schritt, Sprung) und werden in einem lebhaften Zweivierteltakt getanzt. In die Kunstmusik fand der Tanz insbesondere durch den tschechischen Komponisten Bedrich Smetana Eingang, der einige bemerkenswerte Polkas in seine Oper Die verkaufte Braut (1866) integrierte. Polkas schrieben u. a. auch Johann Strauß (Vater und Sohn) und Antonín Dvorák.

 

 

Square Dance

(englisch: Vierecktanz), eine der Hauptformen des nordamerikanischen Volkstanzes. Er wird nach den Anweisungen eines Tanzmeisters oder Ansagers (englisch Caller) von vier Paaren getanzt, die einander im Quadrat gegenüberstehen und sich mit weichen, leicht schleifenden Schritten aufeinander zubewegen. Typische Begleitinstrumente sind Geige, Banjo, Gitarre und Akkordeon. Der Square Dance entwickelte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Elementen, wie den beliebten französischen Gesellschaftstänzen Cotillon und Quadrille, die ebenfalls in einer Viereckformation getanzt wurden. Vereinfachte Figuren aus diesen Tänzen wurden mit Elementen aus den schnelleren Contratänzen Neuenglands und dem Running Set kombiniert, schwerttanzartigen Schrittfolgen englischer Auswanderer der Elisabethanischen Zeit, die sich in den Appalachen in ihrer ursprünglichen Form erhalten hatten. Neu eingeführt wurde die Funktion des Ansagers, der die Abfolge der Figuren frei bestimmen konnte. Typische Figuren sind Allemande, Dosido (französisch dos a dos: "Rücken an Rücken"), Birdie in the Cage ("Vogel im Käfig" aus dem Running Set) und Star ("Stern", eine Schrittkombination aus Contratanz, Quadrille und Running Set).

 

 

Stepptanz

(englisch step: Schritt), im Englischen: Tap Dance, eine Art akustischer Bühnentanz, der durch einen schnellen Bewegungswechsel zwischen Fersen und Hacken gekennzeichnet ist. Dadurch entstehen die charakteristischen rhythmischen Geräuschmuster, die häufig durch Metallplättchen an den Schuhsohlen (Steppeisen) zusätzlich betont werden. Die einzelnen Schritte haben sprechende Namen wie Brush (Streifen), Flap (Klappen), Shuffle (Schlurfen), Ballchange (auf den Ballen wechseln) und Cramproll (nacheinander die Ballen aufsetzen und anschließend abrollen, also die Fersen aufsetzen).

Der Stepptanz entwickelte sich Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Clog Dance, einem englischen Volkstanz mit Holzschuhen, und afroamerikanischen Gesellschaftstänzen, wie dem Shimmy, der mit dem Foxtrott verwandt ist. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzten sich durch die populären Minstrel Shows zwei Tanztechniken durch, von denen die schnellere mit Holzsohlen und die weichere Variante, auch Soft Shoe Dance genannt, mit Ledersohlen getanzt wurde. Nachdem beide Formen allmählich miteinander verschmolzen waren, begann man in den zwanziger Jahren, Schuhe mit Ledersohlen mit Metallplättchen (den so genannten Taps) zu versehen, die die schlurfenden Fußbewegungen mit den typischen klackenden Geräuschen akzentuierten. In den zwanziger und dreißiger Jahren trugen besonders afroamerikanische Tänzer und Tanzgruppen zur Weiterentwicklung des Stepptanzes bei, den sie häufig mit akrobatischen Einlagen verbanden, verstärkt durch Elemente des Jazzdance, bei dem sich die einzelnen Körperglieder räumlich und rhythmisch unabhängig voneinander bewegen. Erst in den dreißiger und vierziger Jahren wurde der Stepptanz durch Tanzfilme mit Fred Astaire und Ginger Rogers und Ende der fünfziger Jahre durch Gene Kelly auch in Europa populär, sein Bewegungsrepertoire wurde zusätzlich durch Elemente aus Ballett und Modern Dance erweitert und modifiziert.

 

 

Foxtrott

Gesellschaftstanz, der aus One-Step und Ragtime entstand. Neben der mäßig schnellen Grundform, dem Slowfox, gibt es noch den schnelleren Quickstep, der in Deutschland den Namen Foxtrott behielt. Der Ursprung des Tanzes liegt vermutlich in den 1913 bei den Revuen des amerikanischen Komikers Harry Fox entstandenen Showtänzen. Noch vor dem 1. Weltkrieg verbreitete sich der Foxtrott in England, danach im Übrigen Europa und wurde zum Grundtyp des heutigen Schritttanzes.

 

 

Tango

moderner lateinamerikanischer Tanz mit Gitarren- und Harmonikabegleitung, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in Südamerika aus Elementen der kubanischen Habanera entwickelte. Um 1910 gelangte er nach Europa, wo er sich schnell als Gesellschaftstanz durchsetzte und noch heute zu den beliebtesten Standardtänzen zählt, nachdem er wegen seiner sinnlichen Erotik zunächst als anstößig gegolten hatte. Seine elegante Wirkung erreicht er besonders durch eine Vielzahl von variablen Figuren und Schritten, wie langen, raumgreifenden Gehschritten oder Promenaden oder der typischen Tangowiege. Er wird im Zweiviertel- oder Vierachteltakt mit stark synkopiertem Rhythmus getanzt. Durch Komponisten wie Igor Strawinsky, Paul Hindemith oder Darius Milhaud fand er Eingang in die Kunstmusik.

 

 

Rumba

Gesellschaftstanz für Paare, der in den dreißiger Jahren international populär wurde und ursprünglich aus der afrokubanischen Tradition stammt. Die Rumba ist mäßig schnell und in geradem Takt (meist Viervierteltakt). Ein besonderes Kennzeichen der Rumba sind ausgeprägte Hüft- und Beckenbewegungen.

 

 

Cakewalk

(Kuchentanz), improvisierter, stark synkopierter Tanz. Er entstand um 1850 unter den nordamerikanischen Sklaven und wurde nach dem Kuchen benannt, den die erfindungsreichsten Tänzer gewinnen konnten. Der Cakewalk errang große Beliebtheit in den Minstrel Shows und Revuen Ende des 19. Jahrhunderts und wurde um 1900 zu einer begehrten Institution in den Tanzhallen der damaligen Zeit. Er gilt als der erste von Schwarzen beeinflusste populäre Gesellschaftstanz und wird zu Musik getanzt, aus der sich später der Ragtime entwickelte. Claude Debussy verwendete den Cakewalk in seiner Klaviersuite Children’s Corner.

 

 

Charleston

amerikanischer Gesellschaftstanz zu rhythmischer, synkopischer Musik im Viervierteltakt. Er kann alleine, mit einem Partner oder in Gruppen getanzt werden und zeichnet sich durch einwärtsgerichtete Knie und Zehen, die Verlagerung des Gewichts von einem Fuß auf den anderen und lebhafte Stöße und Bewegungen mit Armen und Händen aus. Ursprünglich ein Volkstanz der Schwarzen in Charleston (South Carolina), hat er Ähnlichkeiten mit einigen westafrikanischen und karibischen Tänzen. Er kam in Mode, nachdem er in dem schwarzen Musical Runnin’ Wild (1923) zu sehen war.

 

Christoph Barth