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Franz Schubert

österreichischer Komponist
* 31. 1. 1797 Lichtenthal (Liechtental) bei Wien
† 19. 11. 1828 Wien

Von Kennern auf Grund seiner genialen Liedkompositionen hochgerühmt, findet sich Franz Schubert in der Bewertung als Komponist doch immer eine Stufe unter Mozart und Beethoven wieder.

Liegt das auch an seiner Person? Bei einem so sensiblen, eher zurückhaltenden und sehr früh verstorbenen Künstler wird allzu leicht das Bild des romantischen melodramatischen Musikers heraufbeschworen, der sich nicht zur vollen Persönlichkeit entfaltet habe. Schubert ist so gar nicht der dominierende Maestro oder das äußerlich schillernde Geniekind zum Vorzeigen. Privat ging es ihm oft schlecht, er war zaghaft, einsam und spielte keine besondere gesellschaftliche Rolle.

Wer sich genauer auf seine großen Kompositionen einlässt, insbesondere die späten großen Sinfonien, erlebt hier jedoch einen ganz anderen Menschen.

Diese Kunstwerke, neben seinen Impromptus und Sonaten für Klavier und den Kammermusikstücken wie Forellenquintett etc., halten jedem Vergleich mit Beethoven locker stand. Nicht nur, weil sie die schillernde musikalische Essenz in reinster Form verkörpern, sondern auch wegen ihrer schicksalhaften Reife und bewegenden Tiefe.

Die Große C-Dur-Sinfonie (9. Sinfonie) ist eine der ergreifendsten Sinfonien überhaupt. Sie führt durch alle Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz. Sämtliche Spielarten des Gefühls und der Handlungsenergie werden aufgeführt und klanglich veranschaulicht: existenzielle Angst, Traurigkeit, Verzweiflung, dann wieder Freude, Schaffenskraft, jubelnder Tatendrang, Beschwingtheit und dessen Erreichen im Finale.

Was hier an tiefempfundenen Aspekten des Daseins musikalisch aufgezeigt und in vollkommener Gestalt geformt und dargeboten wird, ist schlichtweg perfekt und kann nicht übertroffen werden. Solch eine Musik kann nur ein Mensch geschaffen haben, der mehr ist als der unscheinbare Musikus im einsamen Stüblein, die bequemliche und schwächelnde Person, als die Schubert manchmal gesehen worden ist. Er brauchte die Musik, um tief in sein eigenes Inneres dringen und sich dort finden zu können.

Schubert ist, wie Schumann, nicht nur Musiker, sondern Zauberer. Was er zaubert, das ist eine neue Welt und ein neuer Existenzentwurf. Die darin enthaltene Botschaft ruft — immer noch — auf, gelebt und umgesetzt zu werden (nicht nur im bequemen Sessel konsumiert), sie schafft ein intensives Lebensgefühl, ein Gefühl der Liebe zum Dasein und der Liebe zum Menschen.

Franz Schubert wurde am 31. Januar 1797 in Wien geboren und starb 31jährig am 19. November 1828. Er hinterließ etwa tausend Kompositionen - ein Lebenswerk, das angesichts der Kürze seines Lebens noch gewaltiger erscheint.

Dieses Leben war nicht nur kurz, sondern im Vergleich mit anderen bedeutenden Komponisten auch arm an "großen" Ereignissen. Schubert spielte im öffentlichen Leben nie eine besondere Rolle, er unternahm nur wenige und kleine Reisen und führte im Grunde genommen ein unauffälliges Leben.

Die Nachwelt wollte sich jedoch nicht mit der unspektakulären Biografie des Schöpfers solch herrlicher Musik abfinden, und so wurde der Komponist einige Jahrzehnte nach seinem Tod zum verkannten romantischen Genie mit besonders "sanften" Charakterzügen hochstilisiert.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sorgen eine lange Reihe "biographischer" Novellen und Romane sowie unzählige bildnerische Darstellungen, darunter etwa 700 Postkarten, für eine falsche Popularität Schuberts. Die spärlich überlieferten konkreten Daten seines Lebenslaufes wurden durch zweifelhafte "Erinnerungen" und Anekdoten "vervollständigt".

Zur Verbreitung eines gänzlich verzeichneten Schubert-Bildes trug das 1916 in Wien uraufgeführte " biographische" Singspiel "Das Dreimäderlhaus" das Seine bei: dieses Werk täuscht unter Einbeziehung von Originalkompositionen Schuberts Authentizität vor.

Unsere Schubert-Dokumentation beschränkt sich abseits von überkommenen Klischees auf eine knappe Zusammenfassung der gesicherten Lebensdaten, eine kurze Übersicht über sein Schaffen und einen Überblick über die österreichischen Schubert-Gedenkstätten.

Herkunft und Kindheit

Franz Schubert wurde am 31. Januar 1797 in Wien als zwölftes Kind des Schulmeisters (Volksschullehrers) Franz Theodor Schubert (1763-1839) und dessen Frau Maria Elisabeth Vietz (1756-1812) geboren. Der Vater war 1783 aus Mährisch-Schlesien (heute Tschechien) nach Wien gekommen, die Mutter stammte aus Böhmen. Von den insgesamt vierzehn Kindern des Ehepaars erlebten nur fünf den ersten Geburtstag, unter ihnen war Franz das zweitjüngste. Er wurde am 1. Februar 1797 in der Kirche "zu den vierzehn Nothelfern" getauft, der Pfarrkirche für die Wiener Vorstädte Lichtenthal, Thury, Himmelpfortgrund, Althan und Michelbeurengrund (heute Pfarrkirche Lichtenthal oder auch Schubert-Kirche genannt).

Die Familie bewohnte damals zwei Zimmer im Haus "Zum roten Krebsen", Obere Hauptstraße zur Nußdorfer Linie Nr. 72 auf dem Himmelpfortgrund (heute: Wien 9., Nußdorfer Straße 54).

Wer heute das zu einem Museum umgestaltete Geburtshaus besucht, sollte sich durch die weihevollstille Atmosphäre nicht täuschen lassen: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befanden sich hier 16 Kleinstwohnungen, die ihren Mietern eine äußerst unwirtliche Herberge boten.

Im Erdgeschoss des Gebäudes war die bescheidene Schule untergebracht, in der Vater Schubert zunächst nur eine Hand voll Kinder aus armen Familien unterrichtete. Im Frühjahr 1801 erwarb er mittels einer Hypothek das nahegelegene Haus Säulengasse 3, benannt "Zum schwarzen Rössl", richtete dort seine Schule ein und übersiedelte dann auch mit der Familie ins eigene Haus. Bei seinem Vater besuchte Franz Schubert die Elementarschule. Auch den ersten Musikunterricht erhielt er vom Vater, der ihm das Geigenspiel beibrachte; der um zwölf Jahre ältere Bruder Ignaz unterwies ihn im Klavierspiel.

In der Familie Schubert wurde regelmäßig musiziert, und bald konnte der Vater ein Streichquartett zusammenstellen, in dem die älteren Söhne Ignaz und Ferdinand die Geige spielten, er selbst das Violoncello übernahm und Franz die Bratsche spielte.

Außerhalb des Elternhauses bemühte sich Michael Holzer, der Regens chori der Lichtenthaler Pfarrkirche, um die musikalische Förderung Schuberts. Er führte ihn in die Praxis des Kirchenmusikers ein, lehrte ihn etwa die praktische Anwendung des Generalbasses und das Stegreifspiel, das "Präludieren" auf der Orgel.

Franz Schubert muss sich als ungemein begabter Schüler erwiesen haben; vermutlich hat er sich bereits im Alter von acht oder neun Jahren mit den ersten Kompositionen versucht. Erhalten geblieben ist aus dieser Zeit lediglich ein "Gesang in c" für Bass-Stimme und Klavier, ohne Text (D 1A).

Im Stadtkonvikt (1808-1813)

Schubert wirkte mit zehn Jahren als Sängerknabe und Violinspieler bei den Hochämtern in der Lichtenthaler Pfarrkirche mit. Sein Vater stellte ihn dem hochangesehenen Wiener Hofkapellmeister Antonio Salieri (1750-1827) vor, der auch den Sängerknaben der Wiener Hofmusikkapelle vorstand. Dieser stellte Schuberts hervorragende Eignung fest und nahm ihn als Sängerknabe auf.

Die Mitgliedschaft bei den Sängerknaben bedeutete einen "Stiftungsplatz" im Stadtkonvikt, im besten Internat Wiens, eine ausgezeichnete Allgemeinbildung im Akademischen Gymnasium und erstklassige musikalische Förderung.

Uniform der Hofsängerknaben (19. Jh.)

Während Schuberts Zeugnisse als Hofsängerknabe durchwegs glänzend waren, machte er in Latein, Griechisch und Mathematik nur geringe Fortschritte. Als Geiger wirkte er im konvikteigenen Orchester mit, welches der kunstsinnige Direktor der Anstalt, der Piaristenpater Innozenz Lang, ins Leben gerufen hatte. Allabendlich traf man sich zum Musizieren und spielte unter anderem eine vollständige Sinfonie. Haydn, Mozart und Beethoven bildeten die Höhepunkte des Repertoires, in dem auch heute bereits in Vergessenheit geratene Komponisten vertreten waren, etwa Anton Eberl (1785-1807), Leopold Kozeluch (1747-1818), Franz Krommer (1759-1831) oder Franz Anton Rösler alias Antonio Rosetti (1750-1792).

Joseph von Spaun über diese Zeit:

"Schubert spielte hinter mir stehend aus demselben Notenblatt. Sehr bald nahm ich wahr, dass mich der kleine Musiker an Sicherheit des Takts weit übertreffe. Dadurch auf ihn aufmerksam gemacht, bemerkte ich, wie sich der sonst stille und gleichgültig aussehende Knabe auf das Lebhafteste den Eindrücken der schönen Sinfonien hingab, die wir aufführten."

Die Proben leitete der Wiener Hoforganist Wenzel Ruzicka, der den Zöglingen am Konvikt Klavier- und Generalbassunterricht erteilte. Auch er erkannte bald die außergewöhnliche Begabung Schuberts und widmete ihm dementsprechend mehr Aufmerksamkeit.

Ende Mai 1812 starb Schuberts Mutter. Sie hatte ihren jüngsten Sohn seit ihrer Erkrankung nicht mehr gesehen.

"Schubert Franz zum letzten Mahl gekräht. Den 26. Juli 1812" lautet Schuberts Eintragung in einem Notenheft der Hofmusikkapelle wegen des einsetzenden Stimmbruchs konnte er nun nicht mehr bei den Sängerknaben mitsingen. Sein Platz im Konvikt blieb ihm noch für ein weiteres Jahr erhalten, da er jedoch in diesem Schuljahr konsequent ungenügende Leistungen in Mathematik erbrachte, musste er mit Herbst 1813 auch das Internat verlassen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er schon eine beachtliche Anzahl von Werken in verschiedenen Gattungen geschrieben: an die fünfzehn Lieder, acht Streichquartette, ein Klaviertrio, fünf Ouvertüren, eine Sinfonie sowie zahlreiche Fantasien und Tänze für Klavier und etliche unvollendet gebliebene Kompositionen.

Etwa zur gleichen Zeit, als Schubert die Sängerknaben verließ, wurde er Antonio Salieris Privatschüler. Der Unterricht bei dem berühmten Opernkomponisten konzentrierte sich auf das Gebiet der italienischen Arien, und Schubert fertigte zu Übungszwecken mehrere Bearbeitungen von Arien aus den Libretti Pietro Metastasios an. Auch die zahlreichen Kanons und Fugen aus dieser Zeit dürften für den Unterricht entstanden sein.

Die erste Schaffensperiode (bis 1816)


Die ersten Lieder

Im Konvikt entstanden einige Balladen wie die Leichenfantasie (D 7) oder der Taucher (D 77), mit welchem Schubert 1813 das Zumsteegsche Vorbild zunächst verabschiedete. In späteren Vertonungen wie Die Erwartung (D 159) und Ritter Toggenburg (D 397) lehnte er sich dann noch einige Male an Zumsteeg an. Ein durchkomponiertes Lied des 15jährigen ist Der Jüngling am Bache (D 30). Ein frühes Strophenlied Klaglied (D 23) nach Rochlitz reiht sich in dieser Aufzählung ebenso mit ein wie die beiden italienischen Arien D 76 und 78 nach Metastasio.

Die „Geburt" des romantischen Liedes

1814, nach dem Verlassen des Konvikts, kamen dreizehn Vertonungen Matthissonscher Gedichte hinzu: variierte Strophenlieder wie Erinnerungen (D 98) und Der Geistertanz (D 116) oder durchkomponierte wie die Adelaide (D 95). Alle diese Lieder, die in ihrer Wahl eine gewisse Buntheit aufweisen, sind Versuche, einen neuen lyrischen Ausdruck zu finden. Erst mit dem am 19. Oktober 1814 entstandenen Lied Gretchen am Spinnrade (D 118) wurde jenes Lied geboren, das unsere Liedauffassung noch heute bestimmt. Manche Schubert-Forscher meinen sogar, dass mit ihm die Gattung des romantischen Klavierliedes als solche begründet worden sei.

Schubert verbindet einzelne Liedteile durch einheitliche musikalische Bewegung, hält sie dadurch zusammen, wie dramatische Szenen durch ein einheitliches Bühnenbild zusammengehalten werden, bezieht somit jedes Detail im Lied auf eine Grundsituation. Der Vertonung des ersten Goethe-Gedichtes schlossen sich weitere an; von den Mehrfachvertonungen abgesehen, wird ihre Zahl im Laufe von Schuberts Leben auf über sechzig anwachsen.

Volksschullehrer (1814-1816)

Der 17jährige Schubert

Nach seinem Ausscheiden aus dem Konvikt im Herbst 1813 kehrte Schubert in das elterliche Haus am Himmelpfortgrund zurück. Sein Vater hatte inzwischen mit Anna Kleyenböck, der Tochter eines Seidenhändlers aus der Vorstadt Gumpendorf, eine zweite Ehe geschlossen. Um einen Brotberuf zu erlernen, begann Schubert mit der zehnmonatigen Ausbildung zum "Schulgehilfen", also zu einem untergeordneten Volkschullehrer. Mit mäßigem Erfolg absolvierte er das "Lehrer-Präparandum" an der "Normalhauptschule St. Anna". Anschließend trat er den verhassten Dienst in der Schule seines Vaters an. Zwei Jahre sollte dieser Dienst währen, und diese beiden Jahre wurden zugleich die kompositorisch fruchtbarsten seines Lebens. In seinem streng geregelten Tagesablauf war ein fester Zeitraum ausschließlich der Komposition vorbehalten.

Die „liedreichen Jahre" 1815/16

Als Schuberts fruchtbarste „Liederjahre" gelten die Jahre 1815 und 1816, in denen er mehr Gedichte vertonte als in seinen nachfolgenden Lebensjahren. Es wird wohl immer ein Rätsel bleiben, wie Schubert neben den neun Stunden Dienst als Hilfslehrer mit solch einer Intensität hatte schreiben können. Als ob dieser Zwang den jungen Komponisten erst recht beflügelt hätte. Manchmal entstanden an einem Tag mehrere Lieder, besonders in den Monaten Juli und August 1815 oder etwa am 15. Oktober - allein an diesem Tag vertonte Schubert acht Lieder. Verständlich, dass das die Legende genährt hat, Schubert habe seine Musik in „Trance" geschaffen.

Mit Herbst 1816 ist Schuberts Auseinandersetzung mit der Liedtradition des 18. Jahrhunderts beendet. Aus dem strophischen und dem durchkomponierten Lied schuf er die Synthese des „variierten Strophenliedes", den Typus des charakteristischen „Schubertliedes".

Die Kirchenmusik beschäftigte Schubert über seinen gesamten Schaffenszeitraum. Die meisten seiner liturgischen Werke jedoch - die ersten vier lateinischen Messen (D 105, 167, 324 und 452), mindestens 17 kleinere Stücke und das Fragment eines Requiems (D 453) - entstanden innerhalb der ersten Schaffensjahre bis zum Jahre 1816, seinem 19. Lebensjahr. Die Kirchenwerke der Jahre 1814 bis 1816 lassen sich durch den Umstand erklären, dass Schubert als Hilfslehrer bei seinem Vater zu den Lichtentaler „Kirchenleuten" gehörte. In der Zeit bis 1816 wird es Schubert wohl als seine Pflicht angesehen haben, für den Gottesdienst in der Lichtentaler Pfarrkirche zu komponieren, bestand doch über seinen Vater so etwas wie ein Beschäftigungsverhältnis.

Schubert nutzte natürlich diese Gelegenheit, mit Kirchenwerken an die Öffentlichkeit zu treten. So erklang sein erstes Werk, die Messe in F-Dur (D 105), im Herbst 1814 in der Lichtentaler Kirche. Ferdinand Schubert erwähnt diese Aufführung in seinen Aufzeichnungen: „Es war ein rührender Anblick, den jungen Schubert, der damals der jüngste unter allen anwesenden Musikern war, seine Composition dirigiren zu sehen."

Im liederreichen Jahr 1815 entstanden gleich zwei Messen: die erste Messe in G-Dur (D 167) zwischen dem 2. und 7. März 1815, und die zweite in B-Dur (D 324). Die G-Dur-Messe ist dem Typ nach eine Missa brevis, eine typische „Landmesse" für gemischten Chor, Streicher und Orgel. Im Vergleich mit der ersten Messe ist sie einfacher angelegt. Von den vier frühen Werken wird sie als das beste angesehen. Mit der Komposition der B-Dur-Messe hat Schubert am 11. November begonnen. Wann er sie abgeschlossen hat, wissen wir nicht, doch wurde sie wahrscheinlich noch Ende 1815 in der Lichtentaler Kirche aufgeführt. Sie ist vom Stil her den klassischen Messen Joseph Haydns verpflichtet.

Die vierte Messe in C-Dur (D 452), die so genannte „Generalbassmesse", entstand in den Monaten Juni und Juli 1816. Schubert veröffentlichte dieses Werk 1825 und widmete es seinem Lehrer Michael Holzer. Es wurde am 8. September desselben Jahres in der Kirche St. Ulrich (heute „Maria Trost" im 7. Wiener Stadtbezirk) aufgeführt. Die Instrumentalbesetzung entspricht dem so genannten „Wiener Kirchentrio" (zwei Violinen und Bass).

Für die Centenarfeier der Lichtenthaler Pfarrkirche komponierte Schubert seine erste vollständige Messe, die Messe in F-Dur (D 105). Bei der Uraufführung am 16. Oktober 1814 sang seine Jugendfreundin Therese Grob das Sopransolo. Drei Tage später entstand das Lied "Gretchen am Spinnrade", das die Anfänge des modernen deutschen Liedes markiert.

Schubert und Therese Grob

Durch Joseph von Spaun, seinen Freund aus dem Konvikt, lernte Schubert den jungen Dichter Johann Mayrhofer kennen, von dessen Gedichten er eine ganze Reihe vertonte; er verdankte Spaun auch die Bekanntschaft mit Franz von Schober. Mayrhofer und Schober gehörten bald dem engsten Freundeskreis Schuberts an. Auch mit Johann Senn und Anton Holzapfel, zwei Kameraden aus dem Konvikt, verband ihn eine innige Freundschaft.

Als freischaffender Komponist

Im April 1816 erlebte Schubert eine herbe berufliche Enttäuschung. Er hatte sich um einen Musiklehrerposten in Laibach beworben, und seine Bewerbung wurde trotz Salieris Empfehlung abgewiesen. Nach diesem Scheitern quittierte er den Dienst in der Schule und zog zusammen mit Joseph von Spaun in die Innere Stadt, ins Haus des Professors Heinrich Joseph Watteroth (1756-1819) in die Erdberger Straße 17. Erstmals erhielt Schubert Geld für eine Komposition: von Studenten des Professors bekam er einen Kompositionsauftrag und schrieb die (verschollene) Kantate "Prometheus". Unter Schuberts Leitung wurde sie zur Namensfeier des Professors am 24. Juli 1816 aufgeführt.

Im Herbst übersiedelte Schubert zur Familie Schober in die Tuchlauben in der Inneren Stadt; bis August 1817 blieb er als Gast bei der Familie.

Bis dahin hatte er schon mehr als fünfhundert Werke komponiert - eine Fülle von Liedern, eine Reihe von Streichquartetten und fünf Sinfonien -, und doch waren seine Kompositionen nur einem relativ kleinen Kreis von Freunden und Musikliebhabern bekannt. In dieser Hinsicht bahnte sich mit der Übersiedlung zur Familie Schober eine Wende an: Schubert lernte im Hause Schober den namhaften Hofopernsänger Johann Michael Vogl (1768-1840) kennen, der sich in den folgenden Jahren als Interpret für ihn einsetzte und dem Liedkomponisten den Weg in die Öffentlichkeit ebnete.

Schubert-Abend bei Joseph von Spaun

Im Februar 1818 trat Schubert auch mit einem Orchesterwerk vor ein größeres Publikum: eine seiner beiden Ouvertüren im Italienischen Stil wurde in einem Konzert im Gasthof "Zum Römischen Kaiser" aufgeführt. Diese beiden Ouvertüren (D 590 und 591) waren eine Reaktion auf das seit 1816 in Wien grassierende "Rossini-Fieber", und die Aufführung war nicht nur ein Publikumserfolg, sondern erntete auch die Anerkennung des Kritikers der "Wiener Allgemeinen Theater-Zeitung".

In privaten Musikerkreisen genoss Schubert bereits ein hohes Ansehen, und so wurde er der Familie Esterházy als Musiklehrer vorgeschlagen. Von Juli bis Oktober 1818 war er als Lehrer auf den Esterházyschen Landsitz Zseliz in Ungarn (heute Slowakei) eingeladen, wo er die beiden Töchter unterrichtete - Caroline Esterházy widmete er später seine 1828 vollendete vierhändige Klavierfantasie f-Moll.

Nach Wien zurückgekehrt, wohnte Schubert mit Freund Mayrhofer bei einer Tabakhändlerin in der Wipplingerstraße. Er kam mit einem kulturell interessierten Kreis um Ignaz von Sonnleithner (1770-1831) in Berührung; dieser Freundeskreis veranstaltete in Sonnleithners Wohnung große Hauskonzerte und erwies sich für Schubert als sehr förderlich.

Die Kirchenkompositionen nach 1816

Als Schubert Ende 1816 den verhassten Schuldienst quittierte, also auch nicht mehr zu den Lichtentaler „Kirchenleuten" gehörte, bestand keine Notwendigkeit mehr, für den Gottesdienst zu komponieren. Die späteren Kirchenwerke wurden hauptsächlich durch seinen Bruder Ferdinand initiiert.

Das deutsche Requiem

Im Herbst 1818 wandte sich Schubert mit dem Deutschen Requiem (D 621) wieder der Kirchenmusik zu. Lange galt das Werk als eine Komposition Ferdinand Schuberts. Ferdinand sollte nämlich für den Vizedirektor des Waisenhauses, J. G. Fallstich, eine Trauermesse in Musik setzen. Er bat seinen Bruder Franz, der sich gerade in Zseliz bei den Esterházys aufhielt, solch ein Werk zu schreiben, und dieser tat ihm den Gefallen. Ferdinand führte das Requiem bereits am 18. September des laufenden Jahres im Waisenhaus auf. Im Jahre 1826 veröffentlichte er das Werk - vermutlich mit Wissen und Zustimmung seines Bruders - bei Diabelli & Co. unter seinem eigenen Namen und widmete es erwähntem Fallstich. Der Text des Requiems stammt aus einem von Franz Seraphicus Schmid, einem Prälaten und Domherr zu St. Stephan, verfassten Gebetbuch.

Die Messe in As-Dur

Im November 1819 begann Schubert mit der Arbeit an seiner Missa solemnis, der Messe in As (D 678), und am 7. Dezember 1822 schloss er sie ab. Drei Jahre später, am 7. April 1826, bewarb er sich mit dieser Messe erfolglos um die vakante Stelle des Vizehofkapellmeisters. Der Hofkapellmeister Johannes Eybler hielt die Messe zwar für gut, fand sie „aber nicht in dem Styl componirt, den der Kaiser liebt". Für seine Bewerbung hat Schubert die Messe wahrscheinlich Ende 1825 einer gründlichen Revision unterzogen: ganze Teile, sogar die Fuge „Cum Sancto Spiritu" und das „Osanna" hat er neu komponiert.

Die Deutsche Messe

Ein Jahr nach seiner vergeblichen Bewerbung schrieb er die Deutsche Messe (D 872). Der Text stammt von Johann Philipp Neumann (1774-1849), der als Professor am polytechnischen Institut in Wien angestellt war. Für die Komposition erhielt Schubert 100 fl. Wiener Währung. Die Deutsche Messe wurde eines der populärsten Werke Schuberts, obwohl sie für den öffentlichen Kirchengebrauch zuerst abgelehnt worden war. Erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde sie in Österreich freigegeben.

Die große Es-Dur-Messe

Im Juni 1828 ging Schubert an die Komposition seiner letzten Messe (D 950). Sie war ein Auftragswerk des im Aufbau befindlichen „Vereins zur Pflege der Kirchenmusik" der Kirchengemeinde Alsergrund (heute 9. Bezirk), deren Regens chori Michael Leitermayer ein Schulkamerad Schuberts war. Nach Schuberts Tod wurde sie am 4. Oktober 1829 in der Pfarre Alsergrund und am 15. November in der Ulrichskirche aufgeführt.

Die spätere Kirchenmusik zeigt bei Schubert eine weitreichende, bereits Bruckner vorwegnehmende Entwicklung. Stehen die frühen liturgischen Werke noch stark unter dem Einfluß der Messen Joseph Haydns und anderer Wiener Kirchenmusiker, so kündigt sich in der As-Dur-Messe D 678 eine neue Ausdrucksweise an. Mit der Überwindung des klassischen Stils fand Schubert in der Kirchenmusik, wie bereits vorher in den anderen musikalischen Gattungen, seinen eigenen, mit romantischen Elementen durchsetzten Stil und damit eine neue musikalische Ausdeutung des liturgischen Textes. Das spezifisch Schubertsche Klangspektrum mit seinen Instrumentalkoppelungen verleiht seinen späten Werken - besonders eindrücklich im Kyrie der Es-Dur-Messe - ein inneres Leuchten.

Franz Schubert und die Kirchenmusik

Da das katholische Wien mitsamt den Vorstädten 48 Kirchen - allein in der inneren Stadt waren es 18 Kirchen - und 16 Klöster besaß, war auch die Kirchenmusik ein wichtiger Bestandteil des Wiener Musiklebens. Johann Joseph Fux, Johann Georg Albrechtsberger, Michael Haydn, Joseph Eybler, Joseph Preindl, Anton Diabelli, Peter von Winter, aber natürlich auch Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn gehörten zu den in den Kirchen beliebtesten Komponisten. Mit sakraler Musik konnte man als Komponist relativ schnell bekannt werden, da an liturgischer Musik immer ein Bedarf bestand.

In der Pfarrkirche Lichtental, die nur zwei Gehminuten von Schuberts Geburtshaus in der Nußdorferstr. 54 entfernt ist, lernte Schubert als Schüler und Chorknabe sehr früh die Kirchenmusik und deren gängigen Stil kennen. Sein erster Lehrer, Michael Holzer, war seit 1794 Regens chori an der Kirche, er ist sicherlich mehrmals mit der Bitte um ein Kirchenwerk auf Schubert zugekommen. Holzer, der ein gründlicher Kontrapunktiker war, soll bekanntlich Schuberts Vater mit Tränen in den Augen versichert haben: „Jedes Mal wenn ich ihm etwas Neues beibringen wollte, hat er es schon gewusst."

Im Wiener Stadtkonvikt übte auf Schubert wohl sein Lehrer Antonio Salieri den größten Einfluß in der Kirchenmusik aus. Seine Wirkung auf den jungen Schüler zeigt sich insbesondere bei einem Vergleich der kleineren Kirchenwerke beider Komponisten in überraschender Weise. Immerhin war Schubert dem Hofkapellmeister schon vor seiner Aufnahme als Sängerknabe in die Hofkapelle bekannt, und vom 18. Juni 1812 bis Ende 1816 war er dann sein Schüler.

Die Lieder der mittleren Schaffensperiode

Nachdem Schubert im Frühjahr 1817 den Sänger J. M. Vogl kennengelernt hatte, entschied er sich für das „freie Künstlerleben". Nach der Rückkehr aus Zseliz zog er zu Mayrhofer; der Freundeskreis wurde sein Lebens- und Schaffensmittelpunkt.

Das Strophenlied tritt zu Gunsten des durchkomponierten Liedes nach und nach zurück.

Thematischer Schwerpunkt des Jahres 1817 ist das Motiv des Todes als Erlöser. Zu dieser Thematik gehören die Claudius-Lieder, Der Jüngling und der Tod (D 545) nach Spaun, An den Tod (D 518) nach Schubart oder Memnon (D 541) nach Mayrhofer.

Ein weiteres Lied nach Schubart, die Forelle (D 550), lieferte das Thema für das von Paumgartner bestellte Forellenquintett (D 667). Danach trat ein Bruch in Schuberts Liedschaffen ein. Komponierte er bis Ende 1817 knapp 300 Lieder, so waren es in der ersten Hälfte des Jahres 1818 gerade drei, wenn auch längere; in der zweiten Hälfte schrieb Schubert elf weitere.

1821 wandte sich der Komponist erneut der Goetheschen Dichtung zu - diesmal dem „West-Östlichen Divan". Die Suleika-Gedichte sprachen ihn besonders an. Darüber hinaus vertonte er die beiden Mignonlieder D 726 und 727 aus dem „Wilhelm Meister".

1822 orientierte sich Schubert wieder an seinem Freundes- und Bekanntenkreis und vertonte Mayrhofer und Schober, Bruchmann und den nach Tirol verbannten Freund J. C. Senn.

Bemerkenswert für das Jahr 1823 ist das nach einer längeren Pause wiederaufkeimende Interesse für die Balladenkomposition.

Mit den zwanzig Liedern der Schönen Müllerin (D 795) endet die mittlere Phase des Schubertschen Liedschaffens. In diesem Zyklus wendet sich Schubert noch einmal verstärkt dem Strophenlied zu, bevor er sich fast ausschließlich mit dem variierten Typus beschäftigt.

Die Krisenjahre (1819-1822)

Der Sommer 1819 führte Schubert nach Steyr in Oberösterreich, die Geburtsstadt Vogls. Bei einem der zahlreichen Liederabende, die er dort mit Vogl gab, machte Schubert die Bekanntschaft Sylvester Paumgartners, eines Kunstmäzens und Amateurcellisten, der bei Schubert ein Klavierquintett bestellte - es sollte später unter dem Namen "Forellenquintett" bekannt werden.

In diesem Jahr erweiterte sich Schuberts Freundeskreis um den Maler Moritz von Schwind (1804-1871), dessen Landschaftsbilder und Porträts wichtige Bilddokumente von Schuberts Leben darstellen.

Im Herbst begann für Schubert eine Periode der persönlichen und künstlerischen Unsicherheit. Er bewegte sich in Wiener Studentenkreisen, die von der Polizei überwacht wurden; man verhaftete den Freund Johann Senn in Schuberts Anwesenheit, und Schubert selbst erhielt eine Verwarnung wegen "Beschimpfung der Obrigkeit".

Von der schöpferischen Krise dieser Zeit zeugen Fragment gebliebene Kompositionen und zum Teil relativ lange Schaffensprozesse.

Der nur mäßige Erfolg zweier Bühnenwerke trug zur Verschärfung der Situation vermutlich noch bei: Im Kärntnertortheater wurde im Juni 1820 das Singspiel "Die Zwillingsbrüder" uraufgeführt, im Theater an der Wien gab man das in wenigen Wochen komponierte Melodram "Die Zauberharfe". Die Kritik würdigte zwar die "schöne" Musik, doch verschwanden die Stücke bald vom Spielplan. Der erhoffte Durchbruch blieb aus, und Schubert bemühte sich nach wie vor vergeblich, einen Verlag für seine Kompositionen zu finden. Schließlich übernahmen seine Freunde die Vorfinanzierung der Drucklegung der ersten bei Cappi & Diabelli erschienenen Liedhefte.

Im Sommer 1820 besuchte Schubert mit seinen Freunden erstmals Schloss Atzenbrugg in Niederösterreich. Es gehörte zu den Besitzungen des Augustiner-Chorherrenstiftes in Klosterneuburg und wurde von Josef Derffel, einem Onkel Franz Schobers, verwaltet. Dieser lud den Freundeskreis mehrmals ein, im Sommer ein paar Tage auf dem Schloss zu verbringen, und so fanden in den Jahren 1821-22 hier auch Schubertiaden statt.

Landpartie nach einer Schubertiade in Atzenbrugg

Im Sommer 1821 unternahm Schubert mit Schober mehrere kleine Reisen. Im Spätherbst quartierten sie sich für längere Zeit in St. Pölten ein, arbeiteten an einer gemeinsamen Oper, "Alfonso und Estrella", und veranstalteten mehrere Schubertiaden. Von Ende 1821 bis Anfang 1823 wohnte Schubert dann überwiegend bei Schober im Göttweiger Hof.

Im Februar 1822 traf er mit dem deutschen Komponisten Carl Maria von Weber (1786-1826) zusammen, der nach Wien gekommen war, um am Kärntnertortheater eine Aufführung seiner Oper "Der Freischütz" zu dirigieren. Weber soll Schubert die Aufführung von "Alfonso und Estrella" in Berlin in Aussicht gestellt haben; allerdings kam es schließlich nicht dazu.

Die letzten Jahre (1823-1828)

Schuberts letzte Lebensjahre waren äußerlich durch seine syphilitische Krankheit und einen häufigen Wohnungswechsel geprägt. Trotz aller Schwierigkeiten entfaltete er eine erstaunliche Schaffenskraft, nachdem die schöpferische Krise von 1819/20 überwunden war.

Ende Februar 1823 erwähnt Schubert erstmals in einem Brief an einen Freund seine Krankheit. Den Sommer über arbeitete er an seiner neuen Oper "Fierabras" und unternahm eine mehrwöchige Reise mit Vogl nach Linz und Steyr. Im Herbst komponierte er die Schauspielmusik zu Rosamunde. Er unternahm nun die ersten Versuche, die Krankheit behandeln zu lassen, und verbrachte längere Zeit im Krankenhaus. Dort entstand der Liederzyklus "Die schöne Müllerin".

Die Stuttgarter Prachtausgabe der
"Müller-Lieder" (Mitte 19. Jh.)

Nach seinem Krankenhausaufenthalt wohnte Schubert bei Josef Huber an der Stubentor-Bastei.

Im Jahr 1824 erfolgte wieder eine Einladung der Familie Esterházy nach Zseliz, und der vermeintlich genesene Schubert verbrachte dort die Sommermonate. Nach Wien zurückgekehrt, wohnte er bis Februar 1825 im Haus seines Vaters. Dann verlegte er seine Wohnstätte in die Nähe der Karlskirche, in die Nachbarschaft seines Freundes Moritz von Schwind. Hier wohnte er bis Oktober 1826.

Schubert 1825

Im Mai 1825 trat er mit Vogl seine längste Reise an. Sie dauerte knapp sechs Monate und führte die Freunde quer durch Oberösterreich und Salzburg. Während eines längeren Aufenthalts in Badgastein, wo Vogl Heilung von der Gicht erhoffte, hat wahrscheinlich auch Schubert "die Kur genommen". In Badgastein komponierte er mehrere Lieder und arbeitete an seiner in Gmunden begonnenen großen C-Dur-Sinfonie. Anfang Oktober kehrte er über Linz nach Wien zurück.

1826 mußte er erneut eine berufliche Niederlage einstecken: Seine Bewerbung um die frei gewordene Stelle des Wiener Vize-Hofkapellmeisters wurde abgelehnt.

Auch seine Bemühungen, in Deutschland Verleger für seine Werke zu finden, hatten zunächst keinen Erfolg.

Nichtsdestoweniger war er als Komponist in Wien damals schon ziemlich bekannt, in den Zeitungen erschienen immer wieder Verlagsannoncen, und seine Werke waren nicht selten in großen öffentlichen Konzerten zu hören. Und als im März 1827 Ludwig van Beethoven starb, wurde Schubert die Ehre zuteil, neben Grillparzer und Raimund als einer der 36 Fackelträger am Begräbnis teilzunehmen.

Im Februar 1827 bezog Schubert bei seinem Freund Schober im Hause "Zum blauen Igel", Tuchlauben 14, als Untermieter zwei Zimmer und eine "Musik-Kammer". Hier wohnte er bis wenige Wochen vor seinem Tod. Den September des Jahres 1827 verbrachte er in Graz als Gast des Advokaten Pachler und dessen Frau Marie, die Pianistin war. Nach seiner Rückkehr nach Wien arbeitete er am zweiten Teil des bereits im Februar begonnenen Liederzyklus "Winterreise".

Die Lieder der letzten Schaffensperiode (1824-28)

Aus den Liedern der letzten Schaffensperiode, vor allem den 24 Liedern des zweiten Liederzyklus Winterreise (D 911), klingt ein neuer Ton, der bei Schuberts Freunden Befremden auslöste.

Im Doppelgänger (D 957/13), dem letzten Lied des Schwanengesangs, bahnt sich eine weitere gattungsgeschichtlich bedeutsame Schaffensphase an, die des so genannten „deklamatorischen" Liedes, das erst gegen Ende des Jahrhunderts Hugo Wolf weiterentwickeln wird.

Das Jahr 1824 bedeutet mit nur vier Liedern nach Mayrhofer (D 805 bis 808) einen erneuten Einbruch in Schuberts Liedschaffen. Es war das Jahr der Instrumentalmusik.

1825 wandte sich Schubert wieder dem Lied zu. Neue Namen tauchen unter den vertonten Dichtern auf: Craigher, Pyrker und Walter Scott. Die sieben Gesänge nach Scott fasste er zu einer Art Zyklus in einem Liederheft zusammen und veröffentlichte sie als op. 52. Das aus diesem Heft stammende Ave Maria (D 839) gilt neben dem Lindenbaum (D 911,2) als das berühmteste und populärste Lied überhaupt.

Die Gedichte von Scott und Schulze drücken ein Gefühl der Resignation und der Ausweglosigkeit aus. 1826 kommt J. G. Seidl dazu, dessen zum Teil sehnsuchtsvolle Lyrik Schubert bis zuletzt vertonte. Seine ersten drei Lieder nach diesem Dichter fasste der Komponist in einem Opus (Nr. 80) zusammen.

Mit den vier Gesängen aus „Wilhelm Meister" (D 877), zweifellos Höhepunkt des Jahres 1825, verabschiedete sich Schubert endgültig von Goethe. Nachdem er im Juli 1826 erstmals drei Texte von Shakespeare in Musik gesetzt hatte, folgte eine längere Pause bis Januar 1827. Der Umzug zu Schober, der über eine Bibliothek verfügte, eröffnete Schubert die Möglichkeit, weitere Dichter kennen zu lernen.

In diesem letzten Jahr vor Schuberts Tod entstand die aus 24 Liedern bestehende Winterreise (D 911), die eine „düstere Stimmung" durchweht. In seinem letzten Lebensjahr, als Schubert in dichter Folge einige seiner größten Werke schuf - etwa das Streichquintett D 956, die letzten drei Klaviersonaten D 958 bis 960 und seine Messe in Es D 950 -, schrieb er auch einige seiner berühmtesten Lieder. Zwei davon durchbrechen die übliche Begleitung des Pianoforte: Auf dem Strom (D 943) und Der Hirt auf dem Felsen (D 965) fordern ein zusätzliches Horn bzw. eine zusätzliche Klarinette.

Am 28. Januar 1828 fand bei Joseph von Spaun in den "Klepperställen" in der Wiener Teinfaltstraße eine "große" Schubertiade mit prominenten Gästen statt; sie sollte die letzte solche Zusammenkunft sein. Ermuntert durch den Erfolg ging Schubert daran, nach dem Rat seines Freundes Eduard von Bauernfeld (1802-1892) ein so genanntes "Privatkonzert" mit ausschließlich eigenen Werken zu organisieren. Auf den Tag genau ein Jahr nach Beethovens Tod, am 26. März 1828, kam dieses Konzert im Saal der Gesellschaft der Musikfreunde unter den Tuchlauben auch tatsächlich zu Stande. Es war für Schubert ein großer künstlerischer und finanzieller Erfolg - selbst wenn es durch das erste Wiener Konzert des berühmten Geigers Niccolo Paganini ganz in den Schatten gestellt wurde. Keine Wiener Zeitung nahm Notiz von diesem in der Musikgeschichte einmaligen Ereignis.

Im September 1828 zog Schubert zu seinem Bruder Ferdinand in die Wiener Vorstadt Neu-Wieden. Um seine Gesundheit stand es nicht gut - vermutlich hatte er sich eine Typhusinfektion zugezogen. Nach einem Ausflug nach Eisenstadt im Oktober verschlechterte sich sein Zustand. Dennoch meldete er sich bei Simon Sechter (1788-1867), dem berühmten Theorielehrer und Komponisten, für das Studium der Fuge an und begann auch mit Kompositionsübungen; schließlich blieb es aber bei einer einzigen Unterrichtsstunde.

Schuberts Sterbehaus im 4. Wiener Gemeindebezirk

Vom 11. November an war Schubert bettlägerig; am 19. November starb er. Am 21. November wurde er auf dem Währinger Friedhof in der Nähe von Beethovens Grab beigesetzt, viele Menschen nahmen an dem Begräbnis teil. Als man den Währinger Friedhof 1888 aufließ, wurden Schuberts sterbliche Überreste auf den Wiener Zentralfriedhof überführt und dort in einem Ehrengrab beigesetzt.


Schuberts Grabmal

Literaturnachweis

Bertelsmann Lexikon

wissen.de

klassik.com

reschke.de/ideenmagazin

austri-tourism.at/person/schubert