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Gottesbekenntnis des Paulus und des Johannes
1. Das Gottesbild des Paulus:
Paulus ist geprägt durch das Spätjudentum und durch das hellenistische
Denken. Er spricht in der Denkwelt der jüdischen Apokalyptik.
Auf seinen Missionsreisen will er diese Denkwelt dem hellenistischen Denken
zugänglich machen.
1.1. Die Apokalyptische Gottesvorstellung:
Gott wird der Allerhöchste genannt. Er thront über den Wolken auf
einem feurigen Thron, umgeben von Engelsmächten. In der Apokalyptik wird
so das souveräne Herrschen Gottes beschrieben.
Vor allem wird im Allerhöchsten der Weltenrichter gesehen. Am Ende der
Zeit wird er die Menschen nach ihren Taten richten.
Der Gegenspieler Gottes ist der Satan. Da die Weltzeit ihrem Ende zugeht, kommt
es zum Kampf zwischen Gott und dem Satan. Gott wird diesen Endkampf allerdings
gewinnen, da der Satan von ihm abhängig ist.
Die gesamte Lebenserwartung des Apokalyptikers bezieht sich auf die Zukunft
und weniger auf die Gegenwart. Das Reich des Satans wird zusammenbrechen und
das Reich des Allerhöchsten wird vollends zum tragen kommen.
In dieser Gedankenwelt steht Paulus, wenn er Christus verkündet. Paulus
sagt, dass Gott mit Christus ein letztes mal an der Schöpfung gehandelt
hat.
Mit Christi Auferstehung hat eine neue Weltzeit begonnen. Die alte, die Zeit
des Satans besteht jedoch immer noch. Es kommt zur Kampfsituation zwischen den
beiden Welten.
1.2. Das hellenistische Denken
Im hellenistischen Raum begegnet uns zur Zeit des Paulus der Kaiserkult.
Die griechischen Götter sind weitgehend abgebaut. An deren Stelle traten
neue Kulte und neue Götter wurden verehrt. In der volkstümlichen Anschauung
ist der Kaiser in Rom der oberste Gott im Pantheon. Es gibt keine einheitliche
Gottesvorstellung mehr, Götter aus verschiedenen benachbarten Kulturen
und Religionen sind zusammengemischt (Synkretismus).
In einigen aufgeklärten Kreisen wurden die Götter sogar ganz abgeschafft.
Die Popularphilosophie verkündet verschiedene Wege zum Glück, meist
ohne Götter. Die christliche Mission versucht nun, in der vorgegebenen
religiösen Vorstellungswelt Anknüpfungspunkte für die christliche
Botschaft zu finden.
Das entscheidende christliche Bekenntnis lautet: EINER IST GOTT UND HERR DER
WELT!! Die Götter sind nichts. Das ist in erster Linie eine Kampfansage
gegen den Kaiserkult. Der Kaiser ist nicht Gott, ihm werden keine Opfer dargebracht.
Ursprünglich gab es auch im Christentum den glauben an Götter und
Dämonen, doch es bekennt entschieden: JHWH ist der Herr über
Götter und Dämonen, er hat ihnen den Kampf angesagt. Die Menschen
sind immer noch von diesen Dämonen befallen aber Gott hat seine Herrschaft
bereits angetreten. Christus ist der Feldherr Gottes. Damit trifft sich die
hellenistische Dämonenvorstellung sehr nahe mit der jüdisch-apokalyptischen.
1.3.Wie sieht Paulus Gott?
1.3.1. Gott als Schöpfer und Herr der Welt
Der Apokalyptiker Paulus sieht in Gott den Herrn und Schöpfer der Welt.
Er hat die Welt erschaffen und dem Menschen einen Auftrag gegeben. Er bestimmt
als Schöpfer den Lauf der Welt, er herrscht über seine Schöpfung,
vor allem über den Menschen.
Gewisse Mächte machen jedoch die Herrschaft Gottes streitig. Dazu gehört
besonders die Macht der Sünde. Durch die Sünde erkennen die Menschen
Gott nicht mehr als ihren Herrn und Schöpfer.
Gott ist jedoch entschlossen seine verlorene Herrschaft über die Schöpfung
zurückzugewinnen. Er greift mit der Geburt Jesu ein letztes Mal in die
Schöpfung ein. Er beauftragt Jesus mit der Durchsetzung der Gottesherrschaft.
Er wird die Gottesherrschaft vollenden.
Der entscheidende Anfang der Gottesherrschaft ist bereits gemacht: Jesu gehorsames
Kreuzesleiden erwies sich als neues Leben, Gottes Lebensmacht hat den Gekreuzigten
erfüllt. Für Paulus steht fest dass die ganze Schöpfung die Herrschaft
Christi anerkennen wird, und dieser wird sie dann an Gott den Vater abtreten.
Darin liegt dann die Vollendung dessen, was mit der Schöpfung begonnen
hatte. Gott ist Anfang und Ziel der Geschichte.
1.3.2. Der Gott der Hoffnung
Für Paulus gibt es keine Menschen für die Gott nicht existiert. Er
spricht nur von Menschen die ihren Sinn gegen Gott gewandt haben, nicht von
Atheisten.
Erst im Epheserbrief taucht die Bezeichnung Gottlose auf. Es ist
dort von Christen die Rede, die vor ihrer Taufe außerhalb von Christus
waren, die keine Hoffnung hatten und Gottlose waren inmitten der Welt.
Bei Paulus ist also ohne Gott zu leben gleichbedeutend mit keine Hoffnung haben.
Gott ist die Voraussetzung und Ermöglichung von Hoffnung.
Gott läßt den Menschen hoffen weil er seine Zukunft ist. Der Mensch
hat zeitlich gesehen ständig etwa vor sich, er geht auf seine Vollendung,
sein Ziel zu. Dieses Ziel ist Gott. Die Menschen gehen auf den Tag Gottes
zu. Dies ist der Tag an dem Gott mit Herrlichkeit kommen wird, um seinen Herrschaft
zu vollenden. Auf diesen Tag gehen die Menschen zu, der im Neuen Testament Tag
Christi heißt.
Gott ist jedoch nicht nur Zukunft von Welt und Mensch, er ist auch deren Herkunft.
Paulus bekennt in einer doxologischen Formel: Aus Gott, durch ihn und
auf ihn hin ist alles Leben bedeutet von Gott her sein.
Welt und Mensch kommen von der Wirklichkeit Gottes, bestehen in ihr und gehen
auf sie zu.
1.3.3.Gott der apokalyptische Weltenrichter
Paulus sieht die Welt düster und trostlos. Sie ist von der Macht der Sünde
beherrscht. Die bösen Mächte beherrschen Gottes Schöpfung, die
Menschen wenden sich von Gott ab. So stellt Paulus die Welt in der er seine
Predigt von Christus beginnt dar. Gott bekommt nun sehr starke Züge des
apokalyptischen Weltenrichters. Er wird sein Urteil am Ende der Zeit über
alle sprechen, die den Mächten des Satans anhangen, kein Mensch wird diesem
Gericht entkommen. Jeder wird nach seinen Taten gerichtet.
Es wird deutlich, dass Paulus die Sprache eines Sklaven spricht, er spricht
in der Terminologie des antiken Sklavenrechts. In diesem Recht steht fest, dass
jeder einem Herrn oder einer Herrschaft unterstellt ist. Für Paulus ist
das entweder die Herrschaft Christi oder der Sünde. Wer sich gegen seine
Herrschaft stellt oder ihr entkommen möchte, über den wird ein hartes
Urteil gesprochen.
Gott hat seiner Schöpfung einen Auftrag gegeben. Gut ist derjenige, der
den Auftrag des Schöpfers verwirklicht. Gott wird nun darüber richten,
ob der Mensch seinen Auftrag erfüllt hat oder nicht.
Die Menschen sind jedoch weit von der Schöpfungsordnung abgewichen. Sie
kommen von alleine nicht mehr von der Verstrickung des Bösen los, sie können
sich selbst nicht erlösen. Gott will aber nicht das Verderben seiner Schöpfung,
sondern ihr Heil. Darum greift er selbst heilend in den Weltprozeß ein.
Durch die Geburt seines Sohnes offenbart sich Gott endgültig und vollständig.
In Christus begegnen die Menschen der Weisheit Gottes. In ihm wird erkennbar
wer Gott ist, was er will, und was er tut.
In der spätjüdischen Gottesvorstellung war Gott in einem fernen Jenseits
oder in der Herrlichkeit über den Wolken. Jetzt ist er in Jesus da. Durch
dieses Bekenntnis kommt wieder der ursprüngliche alttestamentliche Glaube
zum tragen. Gott wohnte bei den Menschen.
1.3.4. Gott, der Vater aller Menschen
Durch Jesu Kreuzesgehorsam ist der apokalyptische Weltenrichter weitgehend dem
liebenden Vater gewichen. Bereits im alten Testament wird Gott als Vater dargestellt,
und der König ist sein Sohn . Es entsteht die Verheißung, dass Gott
der Vater aller Menschen sein werde. Der Sohn kam, um das wahre Gesicht Gottes
zu zeigen, das Gesicht des Vaters. Jesus ist der einzige Sohn des Vaters, aber
er ist auch der Erstgeborene unter vielen Brüdern. Alle Menschen sind also
Brüder Jesu und können Gott als Vater erfahren.
Das Bild des liebenden Vaters hat den Richter und Rächer verdrängt.
1.4.Wie spricht Paulus von Gott?
1.4.1.Die Gerechtigkeit Gottes
Die Gerechtigkeit Gottes meint ursprünglich das unumschränkte Herrscherrecht
Gottes über die Schöpfung. Wer die glaubt, wird von Gott gerecht gesprochen.
Der Glaube ist die Anerkennung der Gottesherrschaft. Das Herrscherrecht Gottes
schafft auch soziale Gerechtigkeit und garantiert Gerechtigkeit im letzten Gericht.
Die Menschen können nur dann ihr Heil finden, wenn sie dies Herrschaft
begreifen.
1.4.2. Versöhnung
Die Welt war, bedingt durch die Sühneherrschaft Gottes seinem unausweichlichen
Zorn ausgeliefert. Doch Jesus Christus hat durch sein Gehorsam im Leiden Versöhnung
zwischen Gott und den Menschen gestiftet.
Paulus stellt Gott als einen dar, der in Zorn geraten kann und der sich wieder
gütig stimmen läßt.
1.4.3.Die Liebe Gottes
Gott liebt seine Schöpfung, wie ein Vater seine Kinder liebt.( Röm.5,5
; Röm. 8,3 ; Röm.8,39 ) Gottes Liebe befähigt den Menschen zu
lieben Und für andere zu leben. Die Kraft dazu kommt aus Gottes Lebensmacht,
dem Geist.
Gottes Liebe baut im Menschen das Reich Gottes auf und muß am jüngsten
Tag zur Vollendung kommen.
1.5.Zusammenfassung
Das Gottesbild des Paulus reicht vom apokalyptischen Weltenrichter zum menschgewordenen
Gott Jesus Christus.
Ein wichtiger Aspekt bei Paulus ist der Kontrast vor und seit Christus. Bevor
Christus litt herrschte das Böse in der Welt, Gott war aus seiner Herrschaft
verdrängt. Mit Christus kehrt Gott sein wahres Gesicht dem Menschen zu
(Huld, Versöhnung und Liebe). Christus ist gekommen um die Gottesherrschaft
durchzusetzen. Diese Herrschaft ist jedoch keine Sklavenherrschaft mehr sondern
eine Herrschaft der Liebe.
2. Das Gottesbild des Johannes
2.1. Unterschiede von Paulus und Johannes
Die Schriftengruppe des Johannes stammt von einer ganz anderen Denkwelt als
die des Paulus. Darum weißt auch das Gottesbild des Johannes andere Züge
auf.
Hintergrund der Schriften sind einerseits eine christliche Gnosis, andererseits
wie bei Paulus das jüdisch-apokalyptische Denken. Die christliche Gnosis
hat eine andere Escatologie als bei Paulus. Bei Paulus ist eine futurische Eschatologie
vorherrschend. Dies bedeutet, dass das Heil mit Christus begonnen hat, jedoch
erst in Zukunft vollendet wird. Für Paulus ist die Auferstehung Christi
ein Ereignis der Zukunft, für die christliche Gnosis ein Ereignis der
Gegenwart. Bei Paulus geschieht das Gericht Gottes erst am Ende der Zeit, am
Tag Christi, bei Johannes (Evangelium) geschieht es schon jetzt, und der Fürst
der Welt ist schon gerichtet.
Ein weiterer Unterschied zu Paulus ist auch, dass die Naherwartung
völlig aufgegeben ist. Paulus erwartete die Wiederkunft Christi an jedem
Tag. Bei Johannes finden wir davon kein Spur mehr.
Die Situation in der Johannes schreibt, ist eine ganz andere als bei Paulus:
Jerusalem ist zerstört, der erwartete Herr ist nicht gekommen und die Christen
werden Verfolgt. Der Herr wird so als Tröster erfahren, als der Offenbarer
der Macht Gottes. Christus ist der Offenbarer Gottes, er spricht das Wesen Gottes
aus.
2.2. Wie beschreibt Johannes Gott?
2.2.1. Der Logos
Das Johannesevangelium beginnt mit den Worten: Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Mit diesen Worten wird
die personifizierte Macht vorgestellt. Gott hat nicht nur ein Wort, er spricht
es nicht nur, er ist Wort, sei Wesen ist der Logos. Gott selbst offenbart sich
und teilt sich mit. Christus ist das Wort das Gott ist. Die Offenbarung Gottes
bedeutet für den Menschen Licht und Leben . Ohne Erkenntnis
des Wesens Gottes ist der Mensch der Finsternis und dem Tod ausgeliefert.
Man kann sagen, dass Gott, dessen Wesen Wort ist, Mensch geworden ist. Er ist
nicht mehr der Weltenherrscher wie im apokalyptischen Gottesbild der im Himmel
thront, er wohnt jetzt unter den Menschen. Die Herrlichkeit Gottes besteht nicht
mehr in Kriegsheeren, sie besteht einzig in Huld und Wahrheit.
Jesus, der Offenbarer Gottes zeigt die menschliche Seite Gottes.
2.2.2. Jesus, der Sohn Gottes
Für Johannes gibt es Menschen, die aus Gott geboren sind, obwohl Christus
der Einziggeborene des Vater ist. Alle die an Jesus als Offenbarer glauben sind
eingeladen Kinder Gottes zu werden. Es kommt nicht auf die blutsmäßige
Verwandtschaft mit Jesus an, sondern auf die brüderliche Aufnahme Jesu.
Dem Johannes ist die Feststellung, dass Gott niemals von einem Menschen gesehen
wurde sehr wichtig. Dies stellt die Bedeutung Jesu als Offenbarer heraus. Jesus
ist der einzige der Gott auslegen, von ihm erzählen kann.
2.3. Was wird über Gott ausgesagt ?
2.3.1. Gott liebt die Welt und seine Schöpfung
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggeborenen Sohn
hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges
Leben besitze(Joh. 3,16) Das Heilsereignis in Christus wird als Liebestat
Gottes interpretiert. Jesu scheitern am Kreuz hat einen neuen Sinn bekommen,
es hat den Menschen das Leben eröffnet. Christus ist nicht nur der Offenbarer
Gottes, er ist auch der, der ewiges Leben schenkt. Er offenbart Gott als den,
der nicht das Scheitern der Menschen, sondern ihr Heil will. Liebe ist der menschliche
Zug im Antlitz Gottes. Gott darf nicht mehr als ein Tyrann über den Wolken
gesehen werden. Wo dies geschieht ist die Botschaft Christi vergessen.
2.3.2. Wahrheit und Wahrhaftigkeit Gottes
Gott ist Mensch, aber er lügt nicht wie Menschen, auf ihn kann gebaut
werden. Er ist die absolute Wahrheit. An den Offenbarer kann erfahren werden,
was Wahrheit ist. Wo sich menschliche Wahrheit ereignet, da ereignet sich Gott.
2.3.3. Gott das Licht
Im ersten Johannesbrief wird Gott als Licht bezeichnet. Dahinter verbirgt sich
die Vorstellung eines Licht Finsternis Dualismus. Beide Weltprinzipien
( das gute und das böse) bekämpfen sich, bis das Licht siegt. Es gibt
in der christlichen Verkündigung zwar keinen Dualismus mehr, der Licht
und Finsternis als zwei gleichwertige Prinzipien betrachtet, trotzdem herrscht
immer noch die Vorstellung, dass die Welt von bösen Mächten beherrscht
wird. Gott ist nun das Licht, der Sieg über das Böse. Gott ist das
Licht der Welt, das sich in der Finsternis durchsetzen soll. Welt bedeutet bei
Johannes nicht die Welt im heutigen Sinn, sondern das Böse.
2.3.4. Gott ist die Liebe
Diese Aussage finden wir im 4. Kapitel des 1. Johannesbriefes. Die Christen
werden aufgefordert, einander zu lieben, weil die Liebe von Gott herkommt.
Wer nicht lieben kann, weiß nichts von Gott. Denn Gott ist die Liebe.
Der eigentliche Ungläubige ist der, der nicht liebt. Gott ist Dasein für
andere. Jesus, der Offenbare Gottes lebt dieses Dasein in Totalität, weil
der dadurch gescheitert ist. Wer liebt, der begegnet Gott.
Doch was ist Liebe ? Sie ist kein Gefühl, sondern eine helfende Tat.
Liebe ist kein Zustand, keine Eigenschaft, sie ist immer neue Entscheidung und
fordert immer neue Tat.
2.4. Zusammenfassung
Das Gottesbild des Johannes ist eine Weiterentwicklung dessen, was die christliche
Botschaft initiiert hat. Der apokalyptische Weltenherrscher hat menschliche
Züge bekommen. Gott wurde Mensch, ist aber immer größer als
der Mensch. Jesus offenbart uns dieses Geheimnis Gottes. Niemand hat Gott gesehen.
Nur wer liebt, der sieht Gott, weil Gott die Liebe ist. Wo Menschen Lieben,
dort ist Gott nicht Tot, auch wenn sein Tot proklamiert wird.
Weindl Johannes
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